Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führ... / 3. Berufliche Bildung außerhalb der Erstausbildung (§ 9 Abs 1 Satz 1 EStG)

a) Ergänzungsstudium

 

Rz. 20

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Das Abzugsverbot des § 9 Abs 6 EStG steht dem Abzug der Aufwendungen als WK nicht entgegen,

wenn der Stpfl eine nichtakademische Berufsausbildung abgeschlossen hat und ein Studium aufnimmt (> Rz 12). Insoweit folgt die FinVerw (vgl BMF vom 22.09.2010 Rz 2, BStBl 2010 I, 721) dem BFH (BFH 225, 393 = BStBl 2010 II, 816).

Ebenso ist es,

wenn der Stpfl mit abgeschlossenem Erststudium an einer Hochschule (> Rz 15 ff) ein weiteres (ergänzendes) Studium aufnimmt.

Hat der Stpfl alsbald nach dem erfolgreichen Abschluss des Erststudiums (> Rz 16/1) eine entsprechende Berufstätigkeit aufgenommen, besteht ein hinreichend klarer Veranlassungszusammenhang zwischen den Bildungsaufwendungen für ein weiteres oder Ergänzungsstudium und den späteren Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit (BFH 202, 563 = BStBl 2004 II, 889). Zu EinzelfällenRz 70 Hochschulstudium.

 

Rz. 20/1

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

BFH/NV 2004, 1402 verneint aber einen Veranlassungszusammenhang mit einem Erwerbsberuf bei einer beurlaubten Lehrerin für ein Studium Generale der Numismatik, weil die Stpfl keine Anstellung anstrebt und dem Arbeitsmarkt nicht uneingeschränkt zur Verfügung steht; ebenso BFH 208, 572 = BStBl 2005 II, 349 bei einer 50-jährigen arbeitslosen medizinisch-technischen Assistentin für ein Studium der Kunstgeschichte, weil die Stpfl im Zeitpunkt der Aufwendungen nicht die Absicht hatte, eine konkrete Tätigkeit aufzunehmen; ebenso EFG 2004, 783 beim Philosophiestudium des 78-jährigen Rentners und ebenso für die Jägerprüfung, weil sie keine Erwerbseinnahmen anstreben (BFH/NV 2012, 783). Ergänzend > Rz 70 Journalist.

b) (Ausbildungs-)Dienstverhältnis

 

Rz. 21

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Entstehen einem ArbN Bildungsaufwendungen im Rahmen eines Dienstverhältnisses, handelt es sich um WK (§ 9 Abs 6 Satz 1 iVm Abs 1 Satz 1 EStG; > Rz 12). IdR – aber nicht zwingend – wird das ein sog Dienstverhältnis sein, dessen Gegenstand eine erstmalige Berufsausbildung oder das Erststudium ist (> Ausbildungsdienstverhältnis; > R 9.2 LStR). Arbeitsrechtlich entspricht dem sowohl ein Rechtsverhältnis zur Berufsausbildung (Berufsausbildungsvertrag iSv §§ 3, 10 BBiG) als auch ein Arbeitsverhältnis, mit dem neben der Arbeitsleistung auch eine berufliche Bildung des ArbN vereinbart ist (vgl § 1 Abs 3, §§ 4 – 52 BBiG; vgl BArbG vom 05.12.2002 – 6 AZR 216/01, DB 2004, 141). Im öffentlichen Dienstrecht entspricht dem eine Einberufung als > Beamtenanwärter. Die bloße Aussicht auf eine spätere Einstellung, zB bei einem ohne Vergütung zu schulenden Pilotenanwärter (Schulungsvertrag), steht einer Ausbildung im Rahmen eines Dienstverhältnisses nicht gleich (EFG 2009, 570; 1201; hingegen bejaht EFG 2014, 1786 – Rev, BFH VI R 50/14 ein Dienstverhältnis). Ergänzend Steck, DStZ 2009, 384. Zu weiteren Beispielen > Rz 70 Auszubildende, > Rz 70 Bundeswehr, > Rz 70 Geistliche, > Rz 70 Promotion.

 

Rz. 21/1

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Auch ein berufsintegriertes Erststudium, bei dem der ArbG Einfluss auf die Wahl des Studienschwerpunkts nimmt und Sonderurlaub zum Besuch der Vorlesungen gewährt, wird idR im Rahmen eines Dienstverhältnisses durchgeführt (> Rz 75); deshalb sind die vom ArbG nicht ersetzten Aufwendungen als WK abziehbar (vgl EFG 1992, 733). Gliedert sich das dreijährige Studium an einer Fachhochschule für Wirtschaft in sechs Studien- und sechs Praxisabschnitte, in denen der Student bei einem Unternehmen gegen eine Vergütung arbeitet, die ihm durchgehend auch während der Studienabschnitte fortgezahlt wird, so ist er nur während der Praxisabschnitte iSd > Sozialversicherung abhängig beschäftigt (LSozG NW vom 26.06.2003 L 16 KR 192/02, BeckRS 2004, 42228). Bei entsprechender Anwendung dieser Entscheidung auf das Steuerrecht befände sich der Student während der Studienzeiten nicht in einem Dienstverhältnis; dann wären die Aufwendungen nur als SA abziehbar. UE ist eine entsprechende Anwendung nicht geboten, wenn sich der Stpfl im Ausbildungsvertrag zur Durchführung des Studiums verpflichtet hat. Die während der Studienzeiten fortgezahlte Vergütung unterliegt dem LSt-Abzug; die Aufwendungen sind WK. Zu einem Beispiel > Rz 70 Finanzanwärter.

c) Berufsbegleitende (Fort-)Bildung

 

Rz. 22

Stand: EL 110 – ET: 10/2016

Bildungsaufwendungen eines Stpfl, die ihm für eine Fortbildung in einem Erwerbsberuf oder für eine zweite Ausbildung oder Weiterbildung neben seiner beruflichen Beschäftigung entstehen, sind WK, wenn sie beruflich veranlasst sind. Zu Beispielen > Rz 24. Dazu bedarf es eines hinreichend konkreten Zusammenhangs mit künftigen besteuerbaren Einnahmen, auch wenn sich noch kein konkretes Berufsbild abzeichnet (vgl Morsch/Becker, DStR 2004, 73 unter 3.2). Mutmaßlich folgt der BFH der Grundidee, dass nach allgemeiner Lebenserfahrung (> Typisierende Betrachtungsweise) jeder Mensch im Laufe seines Lebens einem Erwerb nachgehen muss und im Zweifel alle Bildungsaufwendungen dem zu dienen geeignet sind (vgl Wolf/Schäfer, DB 2004, 775). Dann kommt ein WK-Abzug in Betracht, soweit dem nicht im Einzelfall ein Abzugsverbot (z...

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