05.09.2013 | Serie Probleme beim Reisen

Dauerstress statt Urlaub: Störende Lärmpegel im und um's Hotel herum

Serienelemente
Bild: Haufe Online Redaktion

Die „beliebteste“ Mängelrüge gegenüber Reiseveranstaltern schlechthin, das ist die Dauerbelästigung durch Baulärm vor oder sogar im Hotel. Aber auch die bis in die frühen Morgenstunden dröhnende Disco kann den Erholungswert eines Urlaubs so richtig vermiesen.

Wenn die für 5344 EUR gebuchte Reise nach Mauritius beim Frühstück vom Lärm der Presslufthämmer, beim Mittagessen von der kreischenden Kreissäge, im weiteren Tagesverlauf zusätzlich durch das laute Rufen der Bauarbeiter begleitet wird, ist der Entspannungseffekt des Urlaubs nur gering.

Wann war es wie laut?

Nach der Rechtsprechung ist die Höhe der Minderung in diesen Fällen stets abhängig von der Beurteilung des Einzelfalls, das heißt, es ist exakt zu eruieren und womöglich zu dokumentieren, über welche Zeiträume, zu welchen Tageszeiten und mit welcher Intensität oder Penetranz die Lärmbelästigung erfolgte. 

Ein Lärmtagebuch begünstigt und hebt die Minderungsquote 

Wem es nicht zu aufwändig ist, der kann in solchen Fällen ein Lärmtagebuch führen, in dem er die unterschiedlichen Geräuschintensitäten und Belästigungen festhält. Darüber hinaus sind Fotos, z.B. von der Baustelle (Bauarbeiter mit Presslufthammer) sinnvoll, um in einem späteren Prozess die Lärmbelästigung plastisch deutlich zu machen. Je genauer die Belästigungen später beschrieben werden können, umso höher ist der zu erzielende Minderungsbetrag bzw. die bei ganz erheblichen Beeinträchtigungen mögliche Entschädigung für entgangene Urlaubsfreuden. 

Sinnvoll sind wiederholte Rügen

Wichtig ist die sofortige Rüge vor Ort gegenüber der Reiseleitung, die bei täglicher Lärmbelästigung am besten mehrfach wiederholt vorzutragen ist. Gegebenenfalls kann man sich ein geführtes Lärmtagebuch von der Hotelleitung oder Reiseleitung abzeichnen lassen. Ebenso wichtig: Innerhalb einer Ausschlussfrist von einem Monat nach der vertraglich vorgesehenen Beendigung der Reise sind die Mängel und die daraus resultierenden Minderungs- und Schadensersatzansprüche schriftlich geltend zu machen.

Minderungsbeträge bis 66 % sind üblich

In einem Extremfall, in dem das Hotel selbst die lärmende Baustelle war, hat das LG Frankfurt den Lärmopfern eine Preisminderung von 60 % des Reisepreises und zusätzlich Entschädigung wegen nutzlos vertaner Urlaubszeit  in Höhe von 450 EUR pro Person zugesprochen (LG Frankfurt, Urteil v. 26.07. 2010, 2 – 24 S 135/09), das AG Hannover in einem ähnlichen Fall 50% Minderung plus Schadenersatz ( AG Hannover, Urteil v. 11.10.2007, 504 C 4712/07).

Boah! Baustelle unmittelbar vor dem Hotel

  • Bei der Baustelle unmittelbar vor dem Hotel mit Presslufthammer- und Kreissägelärm in den Tagesstunden gewährte das LG Frankfurt eine Minderung von 35 % des Reisepreises (LG Frankfurt, Urteil v. 30.07.2012, 2 – 24 O 31/12).

  • Für eine Beeinträchtigung durch Baulärm auf Bali in dem täglichen Zeitraum 8:30 Uhr bis 17:30 Uhr sprach das AG Köln den Reisenden ein Recht zur Reisepreisminderung von zwei Dritteln des Reisepreises zu (AG Köln, Urteil v. 28.08.2007, 133 U 640/05).

  • Für eine Lärmbeeinträchtigung durch Bulldozer auf einer in der Nachbarschaft des Hotels befindlichen Baustelle ist demgegenüber nur eine Minderungsquote von 25 % angemessen (AG Köln, Urteil v. 28.08.2003, 135 C 5 182/02).

Nachts dröhnt es aus der Freiluftdisco 

Befindet sich eine Freiluftdisco am Pool, die jede Nacht von 22:00 Uhr bis 5:00 Uhr morgens betrieben wird und findet der Hotelgast deswegen keinen Schlaf, so ist eine Reisepreisminderung von 60 % sowie infolge des mangelnden Erholungswerts eine zusätzliche Entschädigung wegen entgangener Urlaubsfreuden zu gewähren (AG Köln, Urteil v. 13.05.2008 133 C 533/06). Anders verhält es sich allerdings, wenn bereits der Reiseprospekt auf die zu erwartende Lärmbelästigung deutlich und ausdrücklich hinweist, in diesem Fall geht der Reisende leer aus (AG Baden-Baden, Urteil v. 09.05.2005, 16 C 339/04).

Kinderlärm ist kein Reisemangel

Beschwerden wegen Kinderlärms kommen bei Richtern nicht gut an. Dies gilt auch für Hotels der gehobenen Kategorie. Ein Ehepaar, das sich wegen Kinderlärms im Speiseraum beim Abenddinner, beim Frühstück und am Pool beschwerte, ließen die Richter abblitzen. Argumentation: Kinderlärm gehört zum täglichen Leben. Dass Kinder schon mal Lärm machen, das weiß jeder vernünftig denkende Mensch und das kindliche Gezwitscher, selbst wenn es sich gelegentlich zum Gebrüll auswächst, begründet keinen Reisemangel

(LG Kleve, Urteil v. 20.12.1996, 6 S 34/96). 

Vgl. zum Thema Reiserecht:

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Weitere Informationen zum Reiserecht bietet die digitale Fachbibliothek "Deutsches Anwalt Office Premium"

Schlagworte zum Thema:  Reiserecht, Schadensersatz, Urlaub , Reisevertrag

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