27.10.2014 | Top-Thema Anwaltsinsolvenz - Comeback nach Insolvenz eines Rechtsanwalts ist selten

Ursachen für Anwaltsinsolvenzen

Kapitel
Anwaltskanzlei in Nöten
Bild: Haufe Online Redaktion

Anwaltsinsolvenzen sind heute häufiger als früher, als schon einiges an Missgeschick und Unvermögen zusammenkommen musste, um eine einmal ans Laufen gebrachte Kanzlei zu versenken. Die Ursachen für den Zusammenbruch einer Kanzlei sind dabei vielfältig.

Wie viele Anwaltskanzleien in Deutschland pro Jahr in die „Pleite“ schlittern, ist nirgendwo statistisch erfasst. Die Zahl exakt zu ermitteln, ist auch deshalb nicht möglich, weil die von einer Insolvenz bedrohten Rechtsanwälte ihre Zulassungen meist selbst zurückgeben, um anschließend in die Verbraucherinsolvenz zu fliehen. Dann erfahren auch die Kammern offiziell nichts von der Insolvenz.

Gefährlich: Zu sehr auf einzelne Mandanten setzen

Besonders insolvenzgefährdet sind Kanzleien, die sich zu stark auf einen oder auf wenige Mandanten konzentriert und sich damit in eine gewisse Abhängigkeit begeben haben. Fällt ein solcher Mandant - etwa infolge eigener Insolvenz - weg, macht sich das schmerzlich in einem drastischen Umsatzeinbruch bemerkbar, der – wenn überhaupt – dann nur mittel- bis langfristig durch den Aufbau neuer Mandantenbeziehungen wieder ausgeglichen werden kann.

Zu wenig spezialisiert und profiliert

Andererseits dürften auch solche Kanzleien gefährdet sein, die eine unzureichende Schwerpunktbildung aufweisen und sich deshalb in einem aggressiver werdenden Anwaltsmarkt gegenüber ihren Wettbewerbern nicht hinreichend positionieren können. Hierbei wird natürlich das Umfeld der Kanzleien zu berücksichtigen sein: Im ländlichen Bereich erwartet das Publikum nach wie vor eher den Allgemeinanwalt, der in den als mehr alltäglich empfundenen Problemkreisen eine sachgerechte „Rundum-Betreuung“ bieten kann, während im städtischen Bereich vermehrt Spezialwissen nachgefragt wird.

Hohe Honorar-Außenstände

Ein weiterer gewichtiger Grund dürfte in der schlechten Zahlungsmoral einer zunehmenden Anzahl von Mandanten zu sehen sein. Rechnungen auch von Rechtsanwälte werden häufig erst nach mehrfacher Mahnung bezahlt. Honorarprozesse nehmen nach der Beobachtung von Experten zahlenmäßig zu.

Konkurrenz unterschätzt

Sicherlich gibt es auch Fälle, in denen sich Rechtsanwälte/Kanzleien nicht bzw. nicht rasch genug auf ein geändertes Nachfrageverhalten der Recht suchenden Bevölkerung einstellen konnten. Schließlich nimmt die Konkurrenz zu, sowohl im anwaltlichen als auch im nichtanwaltlichen Bereich. Rechtsberatung wird vermehrt anderweitig – etwa bei Steuerberatern, Banken, Versicherungen, Verbraucherberatung usw. - nachgefragt. 

Falscher Umgang mit Geld die Ausnahme 

Nur eine Minderheit die betroffenen Rechtsanwälte hat vor der Insolvenz schlicht über ihre Verhältnisse gelebt. Zweifellos wird es Fälle geben, in denen leichtfertiges Konsumverhalten sich fatal auswirkte - Rechtsanwälte sind Menschen wie andere auch. Sie machen ebenso Fehler wie andere, auch bei der Verwaltung ihrer eigenen Finanzen.

Fehlinvestitionen und haftungsrechtlich ungünstige Rechtsform

In wirtschaftlich guten Zeiten eingegangene Verbindlichkeiten – auch und gerade solche, die sich im Nachhinein als Fehlinvestition erweisen – bestehen natürlich fort und belasten in wirtschaftlich schlechten Zeiten umso mehr. Dies trifft Rechtsanwälten ebenso wie andere, vor allem andere Freiberuflern. Bei ihnen fällt es vor allem deshalb ins Gewicht, weil die Neigung,

Kapitalgesellschaften zu gründen und so das Risiko der persönlichen Betroffenheit zu reduzieren, im Vergleich zu Gewerbetreibenden eher schwach ausgeprägt ist, schon weil eine solche Rechtsform nicht von allen Mandanten gut aufgenommen wird.

Schlagworte zum Thema:  Mandat, Honorar, Investition, Insolvenz, Anwaltszulassung, Rechtsanwalt, Kanzlei

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