Wie Beschäftigte die Kündigung erleben
Wut, Erleichterung, Kränkung: Wie Unternehmen im Trennungsprozess kommunizieren, hat Folgen für Betroffene. Für den Kündigungsreport 2026 hat das Marktforschungsinstitut Bilendi im Auftrag des HR-Softwareanbieters HR Works rund 6.100 Beschäftigte befragt, wie sie den Abschied aus ihrem Unternehmen erlebt haben.
825 Befragte gaben an, in den vergangenen fünf Jahren entlassen worden zu sein. Der Mehrheit wurde einseitig vom Arbeitgeber gekündigt. Laut Kündigungsreport ging der Anteil der Entlassungen seit 2021 zunächst zurück. Seit 2025 steige er wieder deutlich. Betriebsbedingte Kündigungen dominieren mit 38 Prozent.
Entlassung in fünf Minuten
Viele von denjenigen, die bereits eine Entlassung erlebt haben, berichten von fehlender Kommunikation. Das beginnt bereits vor dem Kündigungsgespräch. So gab rund ein Viertel der 825 Befragten dieser Gruppe an, dass der Entlassung weder ein Feedbackgespräch, noch eine Abmahnung oder ein Hinweis vorausgegangen sei.
Besonders markant: Für 40 Prozent der Befragten war das Kündigungsgespräch nach eigenen Angaben bereits nach fünf Minuten beendet. Entsprechend fehlt den Mitarbeitenden Raum für Fragen (36 Prozent) oder um die eigene Sicht zu äußern (34 Prozent).
53 Prozent der Befragten geben an, dass das Gespräch rein formal verlaufen sei. Nicht einmal die Hälfte (45 Prozent) fühlt sich respektvoll behandelt. Laut Studie spielt es dabei keine Rolle, wer die Kündigung ausspricht. Ob direkte Führungskraft, Geschäftsführer oder HR-Abteilung – das Problem sei offenbar der Prozess selbst, weniger die beteiligten Personen.
Wenn die Kündigung Wut hinterlässt
Beinahe jede dritte befragte Person gibt an, nach der Entlassung Wut gegenüber dem Arbeitgeber oder der direkten Führungskraft empfunden zu haben. Als häufigster Grund wird die fehlende Unterstützung durch die Führungskraft während des Anstellungsverhältnisses genannt.
Wer schriftlich von der eigenen Entlassung erfuhr, berichtet häufiger von Nachwirkungen wie Wut, Kränkung oder Selbstzweifeln als jene, die persönlich informiert wurden (27 Prozent gegenüber elf Prozent).
Tipps für einen respektvollen Kündigungsprozess
Aus den Daten lassen sich laut Studie folgende Handlungsempfehlungen für einen respektvollen Trennungsprozess ableiten:
Mindestens 15 Minuten einplanen: Gespräche unter zehn Minuten enden selten gut. Nur 32 Prozent der Betroffenen fühlen sich dabei respektvoll behandelt. Ab 15 Minuten verdoppelt sich dieser Wert auf 58 Prozent. Auch das Gefühl, Fragen stellen zu können, steigt deutlich: von 21 auf 56 Prozent.
Mindestens zu zweit ins Gespräch gehen: Ist nur eine Person anwesend, empfinden 42 Prozent das Gespräch als respektvoll. Bei zwei Gesprächspartnern sind es bereits mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent).
Abfindungen als Signal des Respekts einsetzen: 65 Prozent der Entlassenen mit Abfindungsangebot fühlen sich respektvoll behandelt. Ohne Angebot sind es nur 38 Prozent.
Gründe nennen, Fragen zulassen, Sicht anhören: Bei Gesprächen, die alle drei Kriterien erfüllen, sinkt der Anteil der wütenden Betroffenen von 29 auf 15 Prozent.
Konkrete Unterstützung anbieten: Erhalten Entlassene Hilfsangebote, zum Beispiel in Form von Empfehlungsschreiben, hält die emotionale Belastung kürzer an (21 Prozent vs. 28 Prozent).
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