Infografik

Smartphones und mobile Technologien sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Möglichkeiten, ortsunabhängig von zu Hause aus oder unterwegs zu arbeiten, sind vielfältig. Doch welche Rolle spielen Telearbeit und mobiles Arbeiten in der Arbeitswelt wirklich?

Unter dem Begriff Telearbeit werden häufig alle Arbeitsformen zusammengefasst, bei denen Mitarbeiter einen Teil der Arbeit außerhalb der Gebäude des Arbeitgebers verrichten - unabhängig davon, ob die Arbeit von einem fest eingerichteten Arbeitsplatz oder von unterwegs (mobil) erfolgt.

Telearbeit Definition

Die gesetzliche Definition unterscheidet jedoch zwischen Telearbeit im engeren Sinne und "mobilem Arbeiten": Mit der Novellierung der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) im November 2016 wurde der Begriff der Telearbeit erstmals gesetzlich definiert und damit auch von einer generellen Zulässigkeit ausgegangen. In § 2 Abs.7 ArbStättV heißt es:

"Telearbeitsplätze sind vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Beschäftigten, für die der Arbeitgeber eine mit den Beschäftigten vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit und die Dauer der Einrichtung festgelegt hat. Ein Telearbeitsplatz ist vom Arbeitgeber erst dann eingerichtet, wenn Arbeitgeber und Beschäftigte die Bedingungen der Telearbeit arbeitsvertraglich oder im Rahmen einer Vereinbarung festgelegt haben und die benötigte Ausstattung des Telearbeitsplatzes mit Mobiliar, Arbeitsmitteln einschließlich der Kommunikationseinrichtungen durch den Arbeitgeber oder eine von ihm beauftragte Person im Privatbereich des Beschäftigten bereitgestellt und installiert ist."

Mobiles Arbeiten Definition

Im Gegensatz dazu ist Mobiles Arbeiten (auch als Remote Work oder Mobile Office bezeichnet) bisher nicht gesetzlich definiert. Das Mobile Arbeiten baut zwar - ebenso wie die Telearbeit - auf einer Verbindung zum Betrieb per Informations-und Kommunikationstechnik auf. Diese Arbeitsform zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass sie weder an das Büro, noch an den häuslichen Arbeitsplatz gebunden ist. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen können von beliebigen anderen Orten mithilfe von Laptop, Tablet oder Smartphone über das mobile Netz ihre Arbeit unabhängig von festen Arbeitszeiten und festen Arbeitsplätzen erledigen.

Verbreitung von Telearbeit und mobilem Arbeiten

Die European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions (Eurofound) präsentiert in ihrem aktuellen Jahresreport einen EU-Ländervergleich zur Verbreitung von Telearbeit. Dieser zeigt: Insgesamt ist der Einfluss von Telearbeit auf die Arbeitswelt eher gering. Durchschnittlich arbeiten nur 3 Prozent der Arbeitnehmer in Europa regelmäßig von zuhause aus. Weitere 5 Prozent sind hochmobile Arbeitskräfte, die regelmäßig von mehreren Standorten aus arbeiten. 10 Prozent der Arbeitnehmer arbeiten zumindest gelegentlich von verschiedenen Standorten aus, sind aber viel weniger mobil als die hochmobile Gruppe.

Große Unterschiede in der Verbreitung von mobilem Arbeiten und Telearbeit gibt es auch in den einzelnen EU-Ländern. In Skandinavien spielt Telearbeit beispielsweise eine viel größere Rolle als in den osteuropäischen Ländern. Auch in Deutschland ist Telearbeit wenig verbreitet. Im Ranking von 28 EU-Ländern liegt Deutschland auf Platz 21 (siehe Infografik).

Kein Rechtsanspruch auf Telearbeit

Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) aus dem Jahr 2016. Diese zeigte, dass die Möglichkeiten für Homeoffice in Deutschland bei weitem nicht ausgeschöpft werden und außerdem viel mehr Arbeitnehmer gerne von zu Hause aus arbeiten würden als dies tatsächlich tun. In den meisten Fällen scheitere dies am Arbeitgeber, so die Studie. 

Ein Rechtsanspruch auf Homeoffice, wie es ihn seit Juli 2015 zum Beispiel in den Niederlanden gibt, existiert in Deutschland nicht. Mitarbeiter können also grundsätzlich nicht einseitig vom Unternehmen verlangen, von zu Hause aus zu arbeiten. Allerdings reicht auch das Weisungsrecht des Arbeitgebers nicht so weit, einseitig und ohne Zustimmung des Mitarbeiters auf Homeoffice zu pochen. Es bedarf regelmäßig des Einvernehmens zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter. 

Was bei der Homeoffice-Regelung zu beachten ist, lesen Sie hier.

Telearbeit: Ein Hemmnis für Innovation?

Während einige Unternehmen, wie aktuell beispielsweise SAP, die Möglichkeiten für Homeoffice und Telearbeit ausweiten, rudern andere Unternehmen wieder zurück. So hat der IT-Konzern IBM die Möglichkeit von Home Office für viele Mitarbeiter drastisch reduziert. Der Grund: Nur die persönliche Zusammenarbeit bringe Innovation hervor. Diese direkte Kommunikation im Team und vor Ort gilt auch als essenziell beim agilen Arbeiten. Doch Agilität und Homeoffice schließen sich nicht gegenseitig aus, wie Berater André Häusling im Interview erläutert. 

Anbieter von Social Collaboration Tools argumentieren, dass digitale und virtuelle Formen der Zusammenarbeit nicht notwendigerweise schlechter sind als die Face-to-Face-Kommunikation im Büro. So meint beispielsweise Johann Butting, Europa-Chef beim Messaging-Dienst Slack, dass Social Collaboration Tools die Teamarbeit enorm fördern und auf den Collaboration-Plattformen ein Wissensspeicher entstehe, die bei mündlichen Unterhaltungen schlichtweg nicht entstehen könne. (Hier lesen Sie das komplette Interview mit Johann Butting: "New Work erfordert New Collaboration".)

 

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Schlagworte zum Thema:  Telearbeit, Homeoffice