Homeoffice Corona

In Zeiten von coronabedingtem Social Distancing arbeiten ganze Unternehmen im Homeoffice. Wenn der Wechsel plötzlich kommt, birgt das einige Fallstricke. Wir haben alle Informationen zusammengetragen, die beim Homeoffice in Corona-Zeiten relevant und hilfreich sind.

Viele Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter ins Homeoffice. Die Corona-Krise und die damit einhergehenden Einschränkungen im öffentlichen Leben sorgen für diesen raschen Wandel im Arbeitsalltag. Vor der Krise war das Modell allenfalls ein ergänzendes Angebot im Büroalltag: Bislang boten nur 39 Prozent der deutschen Unternehmen ihren Mitarbeitern Homeoffice an. In 39 Prozent der Fälle blieb es dabei ungenutzt, wie eine Studie des Personaldienstleisters Randstad und des IFO-Instituts zeigt, für die Personalverantwortliche in Deutschland im zweiten Quartal 2019 befragt wurden.

Demnach war Homeoffice vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen bislang nur eine Randerscheinung. Weniger als ein Drittel der Unternehmen bis 50 Mitarbeiter ermöglichten ihren Mitarbeitern das Arbeiten von zu Hause aus. Dort nahmen gerade einmal ein Prozent der Mitarbeiter diese Option regelmäßig in Anspruch.

Inzwischen arbeitet fast jeder zweite deutsche Arbeitnehmer im Homeoffice, wie eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom zeigt. Dieser schnelle Umzug ins heimische Büro dürfte für viele Unternehmen und Mitarbeiter Fragen und Probleme aufwerfen: Können Arbeitnehmer einseitig entscheiden, zu Hause zu arbeiten, etwa um sich vor Ansteckung zu schützen? Wie kann der Datenschutz im Homeoffice gewährleistet werden? Wie gelingt das produktive Miteinander ohne gemeinsames Büro?

Für wen kommt Homeoffice bei Corona infrage?

Viele Unternehmen empfehlen ihren Mitarbeitern derzeit zu Hause zu arbeiten und hoffen so, ihre Mitarbeiter und letztlich auch ihren Betrieb zu schützen. Doch können Mitarbeiter auch selbst entscheiden, dem Arbeitsplatz fern zu bleiben? Ein grundsätzliches Recht auf Homeoffice gibt es in Deutschland nicht, in der Regel ist eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber notwendig.

Eltern können zwar bei Schulschließungen ein Leistungsverweigerungsrecht zur Kinderbetreuung geltend machen, haben aber allenfalls für kurze Zeit einen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Eine neue gesetzliche Regelung gewährt jedoch eine Entschädigung für den Verdienstausfall. Ein grundsätzliches Recht darauf, allein wegen der Ansteckungsgefahr einseitig ins Homeoffice zu wechseln oder die Arbeit komplett zu verweigern, gibt es hingegen nicht.

Finanzielle Unterstützung für Homeoffice-Arbeitsplätze

Damit kleine und mittelständische Unternehmen Homeoffice-Arbeitsplätze für ihre Mitarbeiter schaffen können, hat die Bundesregierung das Förderprogramm "go-digital" erweitert. Das Förderprogramm unterstützt KMUs und Handwerksbetriebe, die ihre Geschäftsprozesse mithilfe digitaler Lösungen optimieren wollen und wurde um die Förderung zur Einrichtung von Homeoffice-Arbeitsplätzen erweitert.

Datenschutz und Arbeitsschutz im Homeoffice

Wenn Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten, müssen weitere rechtliche Aspekte geklärt werden. Besondere Beachtung verdient zunächst die Frage nach dem Datenschutz im Homeoffice. Wenn Mitarbeitende außerhalb des Büros arbeiten, ist etwas Aufwand erforderlich, um die geltenden Anforderungen zu erfüllen.

Arbeiten Mitarbeiter an einem festen Arbeitsplatz außerhalb des Betriebs, muss der Arbeitgeber auch dafür Sorge tragen, dass dieser fest eingerichtete Homeoffice-Arbeitsplatz den gleichen gesetzlichen Anforderungen genügt wie der betriebliche Arbeitsplatz. Deshalb ist ein solcher Homeoffice-Arbeitsplatz grundsätzlich von sogenannter Mobilarbeit zu unterscheiden.

Bezüglich Arbeitszeit und Arbeitsschutz ergeben sich aus mobiler Arbeit und Homeoffice somit unterschiedliche Anforderungen. Da zunächst davon auszugehen ist, dass es sich bei den aktuellen Maßnahmen um vorläufige und kurzfristige Homeoffice-Arbeitsplätze handelt, können diese weitgehend als mobile Arbeit betrachtet werden. Sollte sich die Situation jedoch verstetigen, ist aber zu prüfen, ob sich andere Rechte und Pflichten ergeben.

Betriebsratssitzungen trotz Coronakrise und Homeoffice?

Das Betriebsverfassungsgesetz sieht eigentlich keine virtuellen Betriebsratssitzungen oder Beschlüsse per Videokonferenz vor. Das wirft die Frage auf, wie die Betriebsratsarbeit aufrecht erhalten werden kann, wenn Mitglieder des Betriebsrats im Homeoffice arbeiten. Mittlerweile hat die Bundesregierung auf die Situation reagiert und eine befristete Änderung des Betriebsverfassungsgesetzes auf den Weg gebracht, die der Bundestag am 23. April 2020 verabschiedet hat. Danach dürfen Betriebsratsitzungen und Beschlussfassungen bis Ende des Jahres auch per Video- und Telefonkonferenz erfolgen. 

Zusammenarbeit und Führung auf Distanz

Wenn Mitarbeiter im Homeoffice sind, birgt das neue Herausforderungen in der Zusammenarbeit und in der Team-Kommunikation. Im Interview erklärt die Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologin Simone Kauffeld, warum es für diese virtuellen Formen der Zusammenarbeit vor allem eines braucht: Zeit.

Kolumnistin Anna Ott gibt außerdem zu bedenken, dass die aktuelle Ausnahmesituation und das damit verbundene "Corona-Homeoffice" noch lange kein "Remote Work" im klassischen Sinn ist und geht darauf ein, welche Probleme beim überstürzten Umzug lauern können.

Mobiles Arbeiten hat verschiedene Facetten und Mitarbeiter gehen sehr unterschiedlich mit dem Thema um. Eine Studie aus dem Jahr 2017 hat verschiedene "Mobile-Work-Typen" herausgestellt, auf die im Homeoffice Rücksicht genommen werden muss.

Um den Umstieg für Führungskräfte etwas leichter zu gestalten, gibt Valentin Nowotny einen täglichen Tipp zur Kommunikation und Leadership. Außerdem behandelt die Haufe Online Redaktion in der Serie "Führen in der Krise" verschiedene Aspekte und gibt beispielsweise Tipps für Führungskräfte zum Konfliktmanagement auf Distanz.


Zahlreiche weitere Informationen rund um das Homeoffice finden Sie auf unserer Themenseite "Homeoffice - Definition und Regelungen im Arbeitsrecht".

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