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31.03.2014 | Serie Kolumne Talent Management

Vom Ego-Surfing zum Bewerber-Googeln

Serienelemente
Talent-Management-Experte Martin Claßen
Bild: Claßen

Das Web kennt kein Vergessen: Talente sollten also wissen, was über sie im Netz zu finden ist. Findige Recruiter sind schließlich schon lange über das "Ego-Surfing" hinaus und nun den Talenten auf der Spur, wie unser Kolumnist Martin Claßen heute zeigt.

Natürlich muss jedes Talent wissen, was über sie oder ihn im weltweiten Netz verbreitet wird. Wikipedia hat völlig Recht, wenn es zwischen zwei Motiven für "Ego-Surfing" unterscheidet. Antreiber Nummer 1 für" Self-Googling" ist das "Vanity Searching" aus Ich-bezogener Eitelkeit. So etwas hat ein echtes Talent nicht nötig. Es setzt auf die zweite Triebfeder zur "Kontrolle des eigenen Images im Internet" und den "Check, welche Informationen über die eigene Person dort kursieren". Das ist dringend erforderlich, eigentlich jeden Tag.

Alles ist wichtig beim "Ego-Surfing"

Zum vollständigen Klarblick der www-Wirkung muss man alles einbeziehen, was mit einem selbst in Verbindung gebracht werden könnte, wie etwa der Geburtstag. Meine eigene Suche brachte interessante Erkenntnisse: Dieses Datum sei der frühestmögliche Ostertermin. An diesem Tag entdeckte Sir Walter Raleigh als erster Europäer den Asphaltsee auf Trinidad und verwendete die natürlichen Vorkommen zum Abdichten seiner Schiffe. Zudem erkor ihn die Uno zum "World Day for Water". Da Wasser für das Leben steht, hat ein an diesem Tag Geborener das Potenztial für Bedeutung in die Wiege gelegt bekommen. Am besten für Ego und Image bleibt natürlich nach wie vor ein eigener Wikipedia-Eintrag. Daran arbeite ich längst.

Talent Manager googeln Bewerber - ob sie es zugeben oder nicht

Irgendwann - beim einen früher und beim anderen später - wird "Ego-Surfing" ziemlich langweilig. Dann folgt das, was clevere Searcher im Talent Management längst machen: Man surft andere - Kollegen, Bekannte, Freunde oder einen bislang unbekannten Absender der E-Mail von vorhin. Langweilige Meetings oder Telefonkonferenzen ermöglichen entsprechende Zeitfenster. Gelegentlich kann man sich bis zu den Amazon-Bestellungen der Beute vorhangeln. Auch andere Details lassen sich finden, wie etwa die Liebe zu Pferden, den dritten Platz beim Skirennen als Achtjähriger oder das Softballvideo mit einem ungeschickten Aufschlag.

Laut aktueller Bitkom-Studie surfen zwei von fünf Recruitern in gleicher Weise. Von den anderen drei werden es vermutlich zwei Dreiviertel ebenfalls gelegentlich machen und in einer Befragung abstreiten. Ob diese internetbasierte Demaskierung datenschutzrechtlich nun erlaubt ist oder nicht, bleibt für die betriebliche Realität nebensächlich. Wie soll ein Kandidat herausfinden, was ein Rekrutierer vor dem Vorstellungstermin im Internet recherchiert hat? Zwar würde die NSA dies wissen. Aber die gibt dem Bewerber keine Auskünfte.

Talent Management auf Basis der Netzinfos

Ein Kandidat muss daher mit allem rechnen, was unter seinem Namen im Netz gefunden werden kann, über ihn selbst, über namensverwandte Dritte oder über die fakenamegenerator.com generierte virtuelle Identität. Danach heiße ich übrigens Dieter Ritter, wiege stattliche 89,5 Kilogramm, bin lediglich 1,71 groß und bereits am 28. Juli 1943 geboren – am selben Tag wie Michael Bloomfield, laut Rolling Stone Magazin auf Platz 22 der "Greatest Guitarists of All Time". Immerhin!

Martin Claßen hat 2010 das Beratungsunternehmen People Consulting gegründet. Talentmanagement gehört zu einem seiner fünf Fokusbereiche in der HR-Beratung.

Haufe Online Redaktion

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