Höchste Zeit für Lohngerechtigkeit, finden die deutschen Wähler. Bild: statista/Indeed

Im Herbst ist Bundestagswahl. Die Jobbörse Indeed hat 1.000 Wahlberechtigte gefragt, welches für sie die wichtigsten arbeitsmarktpolitischen Themen sind. An der Spitze: Lohngerechtigket und Flüchtlingsintegration.

95,5 Prozent der Wahlberechtigten bezeichnen faire Löhne als wichtigste arbeitsmarktpolitische Herausforderung 2017. Gleichzeitig sagt die überwiegende Mehrheit, dass Reiche zu viel verdienen und die Löhne in Deutschland nicht gerecht sind. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Respondi im Auftrag von Ideen unter 1.007 Wahlberechtigten zwischen 18 und 69 Jahre. Die Online-Befragung fand vom 24. Bis 27. Januar statt.

Angst vor Trump und Brexit

Als weitere große Herausforderungen für den Arbeitsmarkt nennen die Befragten die Integration von Flüchtlingen sowie die Entwicklung der Weltwirtschaft. Beide Themen sind aufgrund der politischen Entwicklungen hochaktuell. Experten sehen gerade die protektionistischen Ansätze der neuen US-Regierung und den Brexit als mögliche Herausforderungen auch für den deutschen Arbeitsmarkt - die Wähler haben diese Gefahr offenbar ebenfalls erkannt.

Digitalisierung auf den hinteren Rängen

Automatisierung und Digitalisierung liegen nur auf den hinteren Rängen. “Dies könnte daran liegen, dass andere Themen durch die mediale Präsenz derzeit stärker in den Köpfen der Menschen sind. Zudem befassen sich die Deutschen ungern mit der Zukunft der Arbeit, wie eine Umfrage zur Digitalisierung von Indeed im letzten Jahr zeigte. Nur rund ein Viertel der Befragten konnte mit dem Schlagwort "Industrie 4.0" etwas anfangen, lediglich zehn Prozent sahen ihren Arbeitsplatz durch die Digitalisierung gefährdet”, sagt Hensgens.

Arbeitsmarktkompetenz: Schulz vor Merkel

Das Duell Schulz gegen Merkel wird wahrscheinlich einer der prägendsten Aspekte des Bundestagswahlkampfs. Das Duell, wem mehr Kompetenz für Arbeitsmarktthemen zugetraut wird, entschied sich in der vorliegenden Umfrage knapp für den Herausforderer. 60,5 Prozent der Befragten schreiben Martin Schulz (SPD) mehr Kompetenz zu als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, 58,2 Prozent). Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles liegt auf Platz sechs weit zurück. “Unsere Umfrage lief genau in der Woche, in der Schulz als designierter Kanzlerkandidat verkündet wurde. Das könnte ihm in dieser Befragung geholfen haben. In zukünftigen Befragungen werden wir sehen, ob Schulz seinen Sonnenplatz verteidigen kann”, sagt Hensgens.

Arbeitsmarktthemen wichtig für die Wahlentscheidung

Die Kompetenzwerte von Schulz, Merkel und Nahles sind allerdings alle im Kontext zu sehen: Vier von fünf Wählern sind der Meinung, dass die Politik die echten Sorgen und Wünsche von Angestellten und Arbeitern überhaupt nicht kennt. Und das, obwohl 70 Prozent der Befragten Arbeitsmarktthemen als wichtig oder sehr wichtig für die eigene Wahlentscheidung im Herbst ansehen.

Bundestagswahl 2017: Die wichtigsten Themen der Wähler im Überblick

1.007 Wahlberechtigte wurden gefragt: Was sind Ihrer Ansicht nach große Herausforderungen für den Arbeitsmarkt in Deutschland im aktuellen Jahr 2017? (beurteilt als große oder sehr große Herausforderung) - und das kam dabei heraus:

  1. Lohngerechtigkeit (95,5%)
  2. Integration von Flüchtlingen (93,2%)
  3. Integration älterer Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt (90,5%)
  4. Entwicklung der Weltwirtschaft (86%)
  5. Jugendarbeitslosigkeit (83,5%)
  6. Mangel an qualifizierten Fachkräften (82,9%)
  7. Unterbeschäftigung (80,3%)
  8. Arbeitslosigkeit (74,7%)
  9. Automatisierung/Digitalisierung (74,6%)
  10. Auslagerung von Jobs ins Ausland (71,2%)
  11. Weniger Nachfrage nach meinen Qualifikationen/meinem Beruf (52,7%) 

 

Mehr zum Thema:

Kabinett beschließt Entgelttransparentgesetz

Was Gehaltstransparenz bewirkt (Personalmagazin 11/2016)

Schlagworte zum Thema:  Bundestagswahl, Arbeitsmarkt, Politik

Aktuell
Meistgelesen