Vergütungsoptimierung durch... / 1 Auswirkung auf Leistungsansprüche

Bei einer Vergütungsoptimierung wird die Erhöhung des Auszahlungsbetrags beim Arbeitnehmer durch eine Minderung des steuer- und sozialversicherungspflichtigen Arbeitsentgelts erreicht. Dies scheint für beide Beteiligten zunächst vorteilhaft.

Für den Arbeitnehmer sind bei einer Vergütungsoptimierung jedoch auch andere Aspekte zu berücksichtigen: Im Gegenzug vermindert sich durch die Vergütungsoptimierung die Berechnungsgrundlage für eine Entgeltersatzleistung. Zu den Entgeltersatzleistungen zählt u. a. das Krankengeld, das der Arbeitnehmer beispielsweise im Laufe der Beschäftigung im Falle einer Arbeitsunfähigkeit erhält. Ebenso vermindern sich bei Beendigung einer Beschäftigung das ggf. im Anschluss zu beanspruchende Arbeitslosengeld und die spätere Rente.

1.1 Krankengeld

Erkrankt ein Arbeitnehmer während einer Beschäftigung, zahlt die Krankenkasse nach dem Ende der Entgeltfortzahlung Krankengeld. Das Krankengeld wird aus dem letzten abgerechneten Entgeltabrechnungszeitraum vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit berechnet. Es beträgt rund 70 % des erzielten regelmäßigen Arbeitsentgelts.

 
Praxis-Beispiel

Niedrigeres Krankengeld durch Vergütungsoptimierung

Das Bruttogehalt eines Arbeitnehmers beträgt 3.900 EUR. Nach einer Entgelterhöhung von 200 EUR, wird das Krankengeld aus 4.100 EUR brutto bzw. 2.467,71 EUR netto berechnet. Daraus resultiert ein kalendertägliches Brutto-Krankengeld in Höhe von 74,03 EUR. Aus diesem kalendertäglichen Brutto-Krankengeld sind vom Arbeitnehmer noch Beiträge zur Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung zu entrichten. Der kalendertägliche Auszahlungsbetrag beträgt nach Abzug der Beiträge 65,09 EUR.

Leistet der Arbeitgeber anstatt der Gehaltserhöhung in Höhe von 200 EUR/Monat den steuer- und sozialversicherungsfreien Zuschuss zu den Kindergartengebühren, wird das Krankengeld aus 3.900 EUR brutto bzw. 2.373,68 EUR netto berechnet. Daraus resultiert ein kalendertägliches Brutto-Krankengeld in Höhe von 71,21 EUR. Abzüglich der Beiträge zur Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung verbleibt ein kalendertäglicher Auszahlungsbetrag in Höhe von 62,61 EUR.

Ergebnis: Das Krankengeld verringert sich kalendertäglich um 2,48 EUR (65,09 EUR – 62,61 EUR) bzw. monatlich 74,40 EUR (2,48 EUR x 30).

1.2 Übergangsgeld

Während einer medizinischen Rehabilitationsmaßnahme während der Beschäftigung ist im Regelfall der zuständige Rentenversicherungsträger für die Erbringung der Leistung zuständig. Der Arbeitnehmer erhält in diesem Fall Übergangsgeld. Die Berechnungsgrundsätze sind mit denen des Krankengelds vergleichbar. Insoweit sind auch die finanziellen Auswirkungen weitgehend identisch. Eine Vergütungsoptimierung führt auch bei Bezug von Übergangsgeld zu einer geringeren Geldleistung.

1.3 Verletztengeld

Erleidet der Arbeitnehmer während seiner Beschäftigung einen Arbeitsunfall, erhält er nach Ablauf der Entgeltfortzahlung Verletztengeld zulasten der zuständigen Berufsgenossenschaft. Die Berechnungsgrundsätze sind mit der der Krankengeldberechnung identisch. Insoweit sind die Auswirkungen vergleichbar. Eine Vergütungsoptimierung führt auch bei Bezug von Verletztengeld zu einer geringeren Geldleistung.

 
Hinweis

Berücksichtigung von Sonn-, Feiertags- oder Nachtarbeitszuschlägen

Lediglich bei einer zusätzlichen Zahlung von Sonn-, Feiertags- oder Nachtarbeitszuschlägen ergeben sich Abweichungen. Diese werden auch bei Steuerfreiheit bei der Berechnung des Verletztengelds berücksichtigt.

1.4 Mutterschaftsgeld

Krankenkassen zahlen während der Schutzfristen nach dem Mutterschutzgesetz Mutterschaftsgeld. Berechnungsgrundlage ist das Nettoarbeitsentgelt in den letzten 3 Monaten vor Beginn der Schutzfrist. Auch dabei wird nur das Nettoarbeitsentgelt aus dem beitragspflichtigen Arbeitsentgelt zugrunde gelegt. Allerdings ist das Mutterschaftsgeld auf 13 EUR kalendertäglich begrenzt. Die entsprechenden Veränderungen in der Vergütungsstruktur wirken sich daher im Regelfall nicht auf die Höhe der Leistung aus.

1.5 Arbeitslosengeld

Die Höhe des Arbeitslosengeldes richtet sich nach

  • dem durchschnittlichen beitragspflichtigen Arbeitsentgelt der letzten 12 Monate,
  • der Lohnsteuerklasse und
  • der Kindergeldberechtigung.

Von dem durchschnittlichen beitragspflichtigen Arbeitsentgelt werden pauschale Abzüge für Steuern und Sozialversicherungsbeiträge vorgenommen. Von dem so ermittelten Betrag werden 60 % oder 67 % (bei Kindergeldberechtigung) gezahlt.

 
Praxis-Beispiel

Minderung des Arbeitslosengeldes

Auf Basis eines Bruttoarbeitsentgelts in Höhe von 4.100 EUR monatlich beträgt das kalendertägliche Arbeitslosengeld 55,63 EUR.[1] Bei einer Gehaltsoptimierung von 200 EUR monatlich zugunsten eines Kindergartenzuschusses beträgt das monatliche Bruttoarbeitsentgelt 3.900 EUR. Daraus berechnet sich ein kalendertäglicher Betrag des Arbeitslosengeldes in Höhe von 53,47 EUR.

Ergebnis: Bei einer an das Beschäftigungsverhältnis anschließenden Arbeitslosigkeit beträgt die tägliche Differenz 2,16 EUR (55,63 EUR – 53,47 EUR =) bzw. 64,80 EUR (2,16 EUR x 30 =) monatlich.

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