Geringfügig entlohnte Besch... / Lohnsteuer

1 Individuelle oder pauschale Besteuerung

Arbeitsentgelt aus einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis ist lohnsteuerpflichtig. Der Arbeitgeber muss den Lohnsteuerabzug grundsätzlich nach den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen vornehmen. Alternativ kann er auf den Abruf verzichten. In diesem Fall muss er die Lohnsteuer einschließlich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer mit einem einheitlichen Pauschsteuersatz erheben. Bemessungsgrundlage für die Lohnsteuerpauschalierung ist das Arbeitsentgelt.

2 Pauschsteuer von 2 %

Voraussetzung für die Anwendung des einheitlichen Pauschsteuersatzes ist, dass der Arbeitgeber im jeweiligen Lohnzahlungszeitraum pauschale Beiträge zur Rentenversicherung entrichtet (5 % bei Beschäftigungen in Privathaushalten, 15 % bei anderen Beschäftigungen) und dass das regelmäßige Arbeitsentgelt i. S. d. Sozialversicherung 450 EUR monatlich nicht übersteigt.

Abführung der Pauschsteuer an die Minijob-Zentrale

Die einheitliche Pauschsteuer von 2 % wird beim Arbeitgeber zusammen mit den Sozialversicherungsbeiträgen von der Minijob-Zentrale eingezogen.

3 Lohnsteuerpauschalierung mit 20 %

Der Arbeitgeber kann die Lohnsteuer mit einem Pauschalsteuersatz von 20 % des Arbeitsentgelts erheben, wenn er auf den Abruf der Lohnsteuerabzugsmerkmale verzichtet, für ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis keine pauschalen Rentenversicherungsbeiträge entrichtet und das regelmäßige Arbeitsentgelt 450 EUR monatlich nicht übersteigt.

Der Solidaritätszuschlag und ggf. die Kirchensteuer werden zusätzlich zur Lohnsteuer erhoben. Bemessungsgrundlage für diese ist die pauschale Lohnsteuer.

Abführung der Lohnsteuer ans Finanzamt

Die pauschale Lohnsteuer von 20 % ist beim Finanzamt anzumelden und an dieses abzuführen.

4 Besteuerung bei Überschreiten der 450-EUR-Grenze

Ab einem monatlichen regelmäßigen Arbeitsentgelt von mehr als 450 EUR ist die Lohnsteuerpauschalierung mit 2 % oder 20 % nicht mehr möglich. Der Arbeitgeber muss das Arbeitsentgelt dann nach den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen individuell besteuern.

Für die Prüfung der 450-EUR-Grenze ist das regelmäßige Arbeitsentgelt maßgebend. Das ist das Arbeitsentgelt, auf das der Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch hat; dieser entsteht z. B. aufgrund eines Tarifvertrags, einer Betriebsvereinbarung oder einer Einzelabsprache.

Sonstige Bezüge wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld müssen für die Prüfung der Arbeitsentgeltgrenze anteilig auf die Lohnzahlungszeiträume des Kalenderjahres verteilt und dem laufenden Arbeitsentgelt dieser Lohnzahlungszeiträume zugerechnet werden.

Prognostiziertes Jahresentgelt maßgeblich

Entscheidendes Kriterium für die Einstufung als Minijob ist das für den Jahreszeitraum (12 Monate) zu erwartende bzw. vom Arbeitgeber prognostizierte Entgelt des Minijobbers. Das bedeutet: Ein Minijob-Arbeitsverhältnis liegt immer dann vor, wenn die zu erwartenden Entgeltansprüche des Arbeitnehmers pro Jahr 5.400 EUR nicht überschreiten (= 450 EUR x 12 Monate). Ein mehrmaliges Überschreiten der Entgeltgrenze ist demnach erlaubt, wenn der Monatsverdienst durchschnittlich bei 450 EUR und das Jahresentgelt des Arbeitnehmers bei max. 5.400 EUR liegt.

Die steuerrechtliche Würdigung des Bestehens einer geringfügigen Beschäftigung richtet sich nach der sozialversicherungsrechtlichen Beurteilung. Damit ist insbesondere ein planmäßiges Überschreiten der 450-EUR-Grenze auch aus steuerlicher Sicht unschädlich, wenn die Jahresgrenze von 5.400 EUR eingehalten ist.

Gelegentliches und nicht vorhersehbares Überschreiten

Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Status als Minijobber sogar erhalten bleiben, obwohl die jährliche Entgeltgrenze von 5.400 EUR überschritten wird – und zwar immer dann, wenn die monatliche 450-EUR-Grenze "gelegentlich und unvorhersehbar" überschritten wird.

Bei der Definition von "gelegentlich" wird auf die Auslegung der Sozialversicherung zurückgegriffen: Als gelegentlich ist ein Zeitraum von bis zu 3 Monaten innerhalb eines Zeitjahres anzusehen. Der maßgebende Jahreszeitraum für die Prüfung des gelegentlichen Überschreitens ist in der Weise zu ermitteln, dass vom letzten Tag des zu beurteilenden Beschäftigungsmonats ein Jahr (12 Monate) zurückgerechnet wird. Auch der Mehrverdienst kann dann mit 2 % versteuert werden.

Ein unvorhersehbares Überschreiten der Minijobgrenze liegt vor, wenn dem Arbeitgeber das Ereignis, das zum Überschreiten führt, zu Beginn des Prognosezeitraums nicht bekannt war bzw. nicht bekannt sein konnte.

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