Freiwillige Unfallversicherung und Gruppenunfallversicherung

Die gesetzliche Unfallversicherung greift nur bei Unfällen, die auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause oder während der Arbeitszeit passieren. Viele Arbeitgeber bieten ihren Mitarbeitern daher zusätzlich eine freiwillige betriebliche Unfallversicherung an. Was dabei lohnsteuerlich zu beachten ist und welche Neuerungen ab 2020 gelten, lesen Sie hier.

Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung gehören zu den Aufwendungen des Arbeitgebers für die Zukunftssicherung der Arbeitnehmer und sind steuerfrei (§ 3 Nr. 62 Satz 1 EStG). Bei freiwilliger Versicherung sind die Beitragszahlungen nicht steuerfrei - es gibt aber Ausnahmen.

Anspruch des Mitarbeiters bei freiwilliger Unfallversicherung: Arbeitslohn

Die steuerliche Behandlung der Beiträge an eine freiwillige Unfallversicherung hängt insbesondere davon ab, wem die Ansprüche aus dem Versicherungsvertrag zustehen: Arbeitgeber oder Arbeitnehmer. Steht dem Mitarbeiter ein eigener Anspruch gegen die Versicherungsgesellschaft zu, handelt es sich bei den Prämienzahlungen des Arbeitgebers für eine Unfallversicherung bereits im Zeitpunkt der Zahlung um Arbeitslohn.

Ausübung der Rechte steht dem Arbeitgeber zu: Arbeitslohn erst bei Leistungsgewährung

Handelt es sich bei vom Arbeitgeber geschlossenen Unfallversicherungen für seine Mitarbeiter um Versicherungen für fremde Rechnung, bei denen die Ausübung der Rechte aus dem Versicherungsvertrag ausschließlich dem Arbeitgeber zusteht, sind die Beitragsleistungen im Zeitpunkt der Zahlung durch den Arbeitgeber kein Arbeitslohn.

Erhält ein Arbeitnehmer Leistungen aus einem solchen Vertrag, führen die bis dahin entrichteten, auf den Versicherungsschutz des Arbeitnehmers entfallenden Beiträge im Zeitpunkt der Auszahlung zu Arbeitslohn, begrenzt auf die dem Mitarbeiter oder der Mitarbeiterin ausgezahlte Versicherungsleistung. Das gilt unabhängig davon, ob es sich um eine Einzel- oder um eine Gruppenunfallversicherung handelt.

Unfallversicherungsschutz auf Dienstreisen: steuerfreier Reisekostenersatz

Soweit Beiträge zu Versicherungen gegen berufliche Unfälle und Beiträge zu Versicherungen gegen alle Unfälle auch das Unfallrisiko bei Auswärtstätigkeiten abdecken, sind diese als Reisenebenkosten steuerfrei. Bei Unfallversicherungen, die nur berufliche Unfälle versichern, sind dies 40 Prozent, bei Unfallversicherungen gegen alle Unfälle 20 Prozent der Prämien (BMF, Schreiben v. 28.10.2009, BStBl 2009 I S. 1275).

Aufteilung der Beiträge: steuerfrei, Werbungskosten oder Sonderausgaben

Bei der steuerlichen Betrachtung kommt es darauf an, welche Unfallrisiken abgesichert sind:

  • Unfälle auf Dienstreisen (Auswärtstätigkeiten): Dieser Beitragsanteil bleibt steuerfrei (kein Arbeitslohn, auch nicht sozialversicherungsrechtliches Arbeitsentgelt), weil es sich um Reisenebenkosten handelt;
  • Unfälle im betrieblichen Bereich: Dieser Beitragsanteil führt zwar zu steuer- und sozialversicherungspflichtigem Arbeitslohn, der Betrag kann aber vom Arbeitnehmer im Rahmen seiner persönlichen Einkommensteuererklärung als Werbungskosten abgezogen werden;
  • Unfälle im privaten Bereich: Auch dieser Beitragsanteil führt zu steuer- und sozial- versicherungspflichtigem Arbeitslohn, die Beiträge können aber als Sonderausgaben im Rahmen der Steuererklärung angesetzt werden.

Die meisten Unfallversicherungen sichern einzelne oder alle oben genannten Risiken ab, sodass der Beitrag des Arbeitgebers aufgeteilt werden muss. Fehlen Angaben dazu, bestehen keine Bedenken, wenn die Anteile für betriebliche und private Risiken auf jeweils 50 Prozent des Gesamtbeitrags geschätzt werden.

Pauschalierung für Gruppenunfallversicherungen möglich

Eine Lohnsteuerpauschalierung mit einem Steuersatz von 20 Prozent ist möglich, wenn mehrere Arbeitnehmer gemeinsam in einem Unfallversicherungsvertrag versichert sind (sog. Gruppenunfallversicherung). Der maximale steuerpflichtige Durchschnittsbeitrag (ohne Versicherungssteuer) ist ab 2020 von 62 Euro auf 100 Euro im Kalenderjahr angehoben worden (§ 40b Abs. 3 EStG).

Gruppenunfallversicherung: Beispiel für den Lohnsteuerabzug

In einer Gruppenunfallversicherung sind zahlreiche Arbeitnehmer gegen alle Unfälle zum Jahresbeitrag von 120 Euro versichert.

Privater Anteil (voll steuerpflichtig)50 Prozent60 Euro

Beruflicher Anteil

davon für Dienstreisen und damit steuerfrei

50 Prozent

40 Prozent

60 Euro

24 Euro

Verbleibender steuerpflichtiger Anteil 36 Euro
Steuerpflichtiger Beitrag  96 Euro
Eine Pauschalierung der Beiträge ist möglich (<= 100 Euro)

Freiwillige Unfallversicherung als Zukunftssicherungsleistung: Sachbezug

Die Gewährung von Unfallversicherungsschutz ist ein Sachbezug, auf den die 44-Euro-Grenze anwendbar ist,

  • soweit bei Abschluss einer freiwilligen Unfallversicherung durch den Arbeitgeber
  • der Arbeitnehmer den Versicherungsanspruch unmittelbar gegenüber dem Versicherungsunternehmen geltend machen kann und
  • sofern die Beiträge nicht pauschal besteuert werden.

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