16.08.2016 | Altersversorgung

Europa-Rente als Alternative zur bAV?

Eine grenzüberschreitende private Altersvorsorge soll - so hofft die EU-Kommission - das Rentenproblem lösen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die EU-Kommission überlegt, eine Europa-Rente als neues privates Vorsorgeprodukt einzuführen. Per Onlinekonsultation sollen Privatpersonen, Unternehmen und Produktanbieter dazu ihre bisherigen Erfahrungen und Anforderungen an Altersversorgungsprodukte mitteilen.

Neben der Reformüberlegungen des BMAS zur Stärkung der betrieblichen Altersversorgung und den Überlegungen einer weiteren Rentenreform rückt die EU nun auch wieder ihre Pläne zur Europa-Rente („Pan European Personal Pensions Products“ – PEPP) in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Kommission plant, ein im gesamten Binnenmarkt geltendes Produkt für die Altersvorsorge einzuführen. Zur langfristigen Schaffung einer Kapitalmarktunion sollen dazu insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen gestärkt werden.

Nach den Stellungnahmen der Vertreter aus den Mitgliedsstaaten und der europäischen Aufsichtsbehörde EIOPA können nun auch die Bürger, in späteren Anhörungen Unternehemn und Anbieter  ihre Meinung dazu äußern. Die öffentliche Konsultation soll mögliche Hindernisse für die Einführung von Altersvorsorgeprodukten identifizieren und Meinungen dazu einholen, wie die Schwierigkeiten bewältigt werden können.

Was genau hinter der Europa-Rente steckt und wie der aktuelle Stand der Dinge ist, fasst Dr. Paulgerd Kolvenbach, Geschäftsführer der Longial GmbH, zusammen.

Ziel der Europa-Rente: Mehr private Vorsorge in einer Kapitalmarktunion

Die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherungssysteme werden für kommende Rentnergenerationen nicht ausreichen: Diese Erkenntnis ist nicht nur in Deutschland hinlänglich bekannt, auch die EU-Kommission hat sich des Themas angenommen und schlägt zur Sanierung eine Europa-Rente vor: Zum einen will die EU so die Eigenvorsorge der EU-Bürger für das Alter antreiben, zum anderen wäre ein solches Produkt einen Meilenstein im Rahmen des Aktionsplans der Kommission zur Schaffung einer Kapitalmarktunion.

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Aus der Verbindung von langfristig angelegtem Sparen und dem damit einhergehenden Bedarf an langfristig orientierten Kapitalanlagemöglichkeiten der Produktanbieter erhofft sich die EIOPA hierfür ein attraktives Marktumfeld, wobei insbesondere das aktuelle und wohl auch noch länger anhaltende Niedrigzinsumfeld eine besondere Herausforderung darstellt.
Investitionen hat die europäische Aufsichtsbehörde in Infrastrukturprojekte und für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) ins Auge gefasst, die zudem die europäische Wirtschaft stärken und zu zusätzlichen Arbeitsplätzen führen sollen.

Europa-Rente als grenzüberschreitendes Altersvorsorgeprodukt

Was macht die Europa-Rente anders als die heute schon vorhandenen Angebote zum Aus- beziehungsweise Aufbau einer adäquaten Altersversorgung? Die zentralen Anforderungen der EIOPA ähneln der Quadratur des Kreises: Das Produkt soll ohne großen Erklärungsbedarf verständlich, zudem transparent, kostengünstig, sicher und mit attraktiven Renditechancen versehen sein. Um den Wettbewerb innerhalb der EU zu entfachen, sollen die Lösungen grenzüberschreitend angeboten werden. Die Folge: Zieht ein EU-Bürger in ein anderes EU-Land, ist er nicht mehr gezwungen, seine Europa-Rente zu kündigen. Vertriebskosten sollen aufgrund eines Online-Vertriebs nahezu entfallen. Die Vielfalt der Produkte soll eine breite Palette an Anbietern gewährleisten, darunter Banken, Versicherungen, Investmentgesellschaften, (staatliche) Pensionseinrichtungen und Versorgungskassen. Dabei soll die Europa-Rente neben allen bereits vorhandenen Lösungen, beispielsweise der betrieblichen Altersversorgung oder privater Altersvorsorgelösungen wie der Riester-Rente, angeboten werden.

Befragung der EU-Bürger zu Erfahrungen mit Altersvorsorgeangeboten

Fragen bleiben bei dem Ziel, kostengünstige und langfristige, vor allem aber auch renditeträchtige Anlagen zu bieten sowie bei der steuerlichen Behandlung der Europa-Rente. Lassen sich Altersvorsorgeprodukte ohne persönliche Beratung vermitteln? Gibt es einen eigenen steuerlichen Rechtsrahmen auf der ganzen EU-Ebene? Und vor allem: Wie schafft man europaweit das Bewusstsein in der Bevölkerung, dass zusätzliche Vorsorge für das Alter dringend notwendig ist?

Nachdem für die beiden bisherigen Stellungnahmen im Wesentlichen Interessenvertreter der einzelnen Mitgliedsstaaten und Produktanbieter einbezogen wurden, richtet sich EIOPA nun an die EU-Bürger. Online haben sie bis zum 31.Oktober 2016 die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mit und Anforderungen an Altersvorsorgeprodukte der Aufsichtsbehörde mitzuteilen. In einem zweiten Abschnitt richtet EIOPA Fragen an Verbraucher-(schutz)organisationen, in einem dritten Abschnitt an Produktanbieter.

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Schlagworte zum Thema:  Betriebliche Altersversorgung, Europa, Rente

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