Ob sogenanntes Mobbing vorliegt, ist oft schwer einzuschätzen – das hat zuletzt der Fall zweier EU-Bediensteter gezeigt. Werden Mitarbeiter jedoch tatsächlich schikaniert, ist der Arbeitgeber wegen seiner Fürsorgepflicht gefordert. Wann es sich um Mobbing handelt und was bei einem Fehlverhalten droht.

Konflikte am Arbeitsplatz – ob mit dem Chef oder einem Kollegen – bleiben im beruflichen Alltag nicht aus. Zwar fällt nicht jede Kritik oder abwertende Äußerung durch Vorgesetzte oder Kollegen unter den Begriff des Mobbing. Kommt es jedoch zu erheblichen Verfehlungen, ist auch der Arbeitgeber wegen dessen Fürsorgepflicht gegenüber den Arbeitnehmern gefordert.

Wird etwa ein Mitarbeiter gezielt und dauerhaft schikaniert, kann von sogenanntem Mobbing auszugehen sein. Für Betroffenen ist diese Situation natürlich sehr belastend. Aber auch Arbeitgebern drohen Konsequenzen, wie eine aktuelle Entscheidung des Gerichts (EuG) der Europäischen Union belegt: Die Richter sprachen zwei EU-Beschäftigten, die Opfer von Mobbing durch ihre Vorgesetzte wurden, Schadenersatz zu.

BAG und EuG: Eine Definition von Mobbing

Mobbing ist weder ein juristischer Begriff noch eine eigenständige Anspruchsgrundlage. Bei Kränkungen, Ungleichbehandlungen oder unsinnige Arbeitsanweisungen ist zwar schnell von sogenanntem Mobbing sie rede. Eine rechtlich relevante und allgemein gültige gesetzliche Definition des Begriffs existiert jedoch grundsätzlich nicht. Das Bundesarbeitsgerichts (BAG) definiert Mobbing als "das systematische Anfeinden, Schikanieren oder Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte".

Definition von Mobbing nach BAG: Das systematische Anfeinden, Schikanieren oder Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte. 

Das EuG hat in seinem aktuellen Urteil den Mobbing-Begriff präzisiert , als ein "ungebührliches Verhalten, das über einen längeren Zeitraum, wiederholt oder systematisch in Verhaltensweisen, mündlichen oder schriftlichen Äußerungen, Handlungen oder Gesten zum Ausdruck kommt“.

Fürsorgepflicht des Arbeitgebers bei Mobbing

Mobbing kann durch Kollegen, durch Vorgesetzte oder sogar vom Arbeitgeber ausgeübt werden. Dabei ist der Arbeitgeber aufgrund seiner Fürsorgepflicht und § 75 Abs. 2 BetrVG verpflichtet, betroffene Arbeitnehmer vor Mobbing zu schützen. Um weitere Mobbinghandlungen zu verhindern, kann und muss der Arbeitgeber die ihm zur Verfügung stehenden arbeitsrechtlichen Mittel einsetzen. Hierzu gehören – je nach Schwere des Einzelfalls – die Rüge oder Ermahnung, die Abmahnung, die Versetzung oder als „ultima ratio“ auch die Kündigung gegenüber den mobbenden Arbeitnehmern.

AGG als gesetzliche Grundlage zum Schutz für Arbeitnehmer

Neben der Fürsorgepflicht ergibt sich auch aus dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) eine Verpflichtung des Arbeitgebers. Danach sind bei Belästigungen wegen eines durch das AGG geschützten Merkmale geeignete Maßnahmen zum Schutz des Mitarbeiters zu ergreifen. Das AGG schützt daher nicht vor jeglicher Art von Mobbing, sondern eben lediglich vor Diskriminierungen wegen Rasse, ethnischer Herkunft, Religion und Weltanschauung, Alter, Geschlecht, Behinderung oder sexueller Identität.

Bei Mobbing aus anderen Gründen bleibt es bei den genannten allgemeinen, durch die Gerichte entwickelten Grundsätze.

Schadenersatz bei Mobbing: wegen Verstoß gegen AGG oder Fürsorgepflicht

Neben Schadensersatzansprüchen auf Grundlage des AGG können Arbeitgeber Ansprüchen von Mobbingopfer sowohl aus Vertrag als auch aus unerlaubter Handlung gegenübersehen. Bei einem Fehlverhalten von Vorgesetzten, kann dies dem Arbeitgeber zugerechnet werden oder er haftet als sogenannter Geschäftsherr.

Verletzt der Arbeitgeber seine arbeitsvertragliche Fürsorgepflicht, indem er nichts gegen das ihm bekannte Mobbing eines Arbeitnehmers durch Vorgesetzte oder Kollegen unternimmt, gilt das Gleiche. Auch Schmerzensgeld als Ausgleich für die Beeinträchtigung der Gesundheit und des Persönlichkeitsrechts ist möglich.

Weisungen im Rahmen des Direktionsrechts sind kein Mobbing

In der Praxis scheitern Klagen wegen Mobbing jedoch oft daran, dass der Sachverhalt vor Gericht zu unbestimmt dargelegt oder der Begriff zu weit gefasst wird: So handelt es sich nicht um Mobbing, wenn der Arbeitgeber eine rechtswidrige Kündigung ausspricht. Ebenso scheiden meist Konflikte aus, die im Zusammenhang mit der Ausübung des Direktionsrechts stehen – vorausgesetzt, die Weisungen sind nicht offensichtlich willkürlich und schikanös.

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Schlagworte zum Thema:  Mobbing, Fürsorgepflicht, Schadensersatz