27.01.2014 | Top-Thema Alternativen zur konventionellen Heizung

Multifunktionsboden: Heizen, Lüften und Kühlen aus einem Bauteil

Kapitel
Beispiel der KSG Siegen: in den Bauten der 1950er Jahre und 2009 modernisierten Gebäude im Vorderen Wenscht setzt sie das multifunktionale Bodensystem ein
Bild: KSG Siegen, Foto: Reinhard Halbe

Das Ziel, eine höherer Energieeffizienz und weitere Betriebskosteneinsparungen zu erzielen, kann heutzutage nur mit gewerkeübergreifenden ganzheitlichen Konzepten erfüllt werden. Multifunktionale Systeme, die das Heizen, Lüften und Kühlen aus einem Bauteil ermöglichen, können eine gesunde Innenraumluft sowie günstige Betriebskosten sichern. Geht das? Ein Beispiel.

Die Entscheidung über einen Neubau wird in der Wohnungswirtschaft im Wesentlichen anhand wirtschaftlicher Aspekte getroffen. Die Refinanzierung der Baukosten durch die zu erzielende Nettokaltmiete steht dabei im Mittelpunkt. Die Frage nach der einzusetzenden Gebäudetechnik wird oft nur mit dem Griff nach preiswerten oder billigen Anlagen beantwortet. Die Frage der Lebenszyklus- und der Betriebskosten tritt hier zu Unrecht in den Hintergrund. Erfahrungen zeigen, eine ganzheitliche Betrachtung in der Planungsphase zahlt sich am Ende aus. Der EnEV 2009 zufolge ist ein Luftwechsel über eine reine Fugen- und Fensterlüftung kaum mehr möglich. Die Verantwortung der Sicherstellung der Lüftung liegt nun beim Planer, Handwerker und Vermieter.

Was tun?
An ein gesundes Innenraumklima und den notwendigen Grundluftwechsel für den Feuchteaustrag zur Erhaltung der Gebäudesubstanz muss bereits in der Vorplanungsphase gedacht werden. Die
DIN 1946-6 „Lüften von Wohnungen“ hat enorme Auswirkungen. Bei Neubauten und Sanierungen von Wohnungen muss ein Lüftungskonzept vorliegen. Diese Vorschriften werden getragen von:
• Gesundheitsfürsorge und Schadensabwehr,
• Haftungsrelevanz für Planer und Handwerker,
• der Vorstellung des juristisch korrekten Lüftens.
Was liegt näher, als nach Systemen Ausschau zu halten, die das Heizen - Lüften - Kühlen aus einem Bauteil sicherstellen können? Moderne Fußbodenheizungen (FBH) bieten Vorteile einer komfortablen Wärmezufuhr mit Vorlauftemperaturen (VLT) um die 35°C und gehören zum Standard eines zeitgemäßen Neubaus. Räume ohne Heizkörper (HK) lassen sich individueller einrichten und können bei Bedarf mit bodentiefen Fenstern hochwertige Atmosphären schaffen.

Luftwechsel
Unzureichende Lüftung birgt, durch nicht abgeführte Luftfeuchtigkeit, die Gefahr für Folgeschäden am Bau. Der Luftwechsel sorgt auch für den Austrag von flüchtigen Lösungsmitteln und Geruchsbelastungen aus Baustoffen, Farbanstrichen, Bodenbelägen, Möbeln, Inventar und Sonstigem. Diese Ausdünstungen – oft unterhalb der Geruchsschwelle – können sich gesundheitlich negativ auswirken. Kopfschmerzen oder Ermüdungserscheinungen sind erste Anzeichen für eine belastete Innenraumluft.

Neues System
Die Lösung schafft hier ein patentiertes Heizungssystem, dass aus einem Bauteil die Funktionen Heizen, Lüften und an heißen Tagen Kühlen kann. Das System „proKlima“ der eth Siegmund GmbH besteht im Wesentlichen aus einer in die Fußbodenheizung integrierten, patentierten Wärmetauscherplatte. In dieser nimmt hindurchgeführte Luft Wärme direkt von den Heizschlangen der FBH auf und trägt diese über Lüftungsschlitze mit einer langsamen Strömungsgeschwindigkeit von 0,1-0,2 m/s zugluftfrei in den Raum und heizt diesen zusätzlich zur FBH.
Der Systemboden steht ab einer Aufbauhöhe vom 125 mm inklusive Trittschalldämmung zur Verfügung. Die gesamte Raumhöhe kann genutzt werden, weil lüftungstechnisch keine abgehängten Decken erforderlich sind.
Die Abluft wird aus Küche, Bad und WC zum zentralen oder dezentralen Lüftungsgerät geführt. Die Außenluft wird im hocheffizienten Wärmetauscher vortemperiert und in die Fußbodenkanäle geleitet. Ein „Gesundheitspaket“ in der Lüftungszentrale wertet die zugeführte Luft hygienisch auf: Feinstäube, Pollen und Keime werden durch Sauerstoffaktivierung und Ionisierung auf natürlichem Weg aus der Zuluft entfernt. Der TÜV Rheinland und weitere Institute bestätigten dies. Das gibt Vermietern und Bewohnern Gewissheit über eine hygienisch einwandfreie und gesunde Raumluft.

Effizienz
Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass die VLT der Heizung auf Grund des luftgeführten Wärmeeintrags lediglich 28-30°C betragen muss. Die angenehme Wärme am Fußboden bleibt erhalten. Zusätzlich kann das System mit einer geregelten Einzelraumsteuerung ergänzt werden. Um Räume zu kühlen reicht es aus, die „Heizungsrohre“ mit einer VLT von ca. 18-20°C zu beschicken. An sehr heißen Tagen werden die Räume somit kaum wärmer als 26°C. Das luftunterstützte System kann Kältelasten von bis zu 80W/m2 sichern.
Die Kombination aus Fußboden- und Luftheizung ermöglicht es, die Raumtemperatur innerhalb einer Stunde um 3 Kelvin (K) zu verändern. Niedrigenergiesysteme (z. B. Wärmepumpe) kombiniert mit verschiedenen Speichersystemen können hier ihre Vorteile noch weiter ausspielen und mit höherem Wirkungsgrad über das Jahr arbeiten.


Fazit
Die Grundlüftung und der Feuchtigkeitsaustrag werden durch die neue, technische Lösungen sicher und dauerhaft – ohne Fensteröffnungen – übernommen. Die Lüftungsstufen sind je nach Situation individuell anpassbar (Grundlüftung, Nennlüftung, Partybetrieb). Für die Mieter können deutlich geringere Nebenkosten für den Wärmeverbrauch gesichert werden.
Die Investitionskosten liegen kaum über denen einer konventionellen Heizung mit zusätzlich kontrollierter Wohnraumlüftung. Während für eine FBH oder ein HK-System (ca. 40 €/m2) und für eine zusätzlich kontrollierte Wohnraumlüftung mit WRG (ca.60 €/m2) Baukosten zu Buche schlagen, ist das proKLIMA System Heizen & Lüften schon ab 70-80 €/m2 realisierbar. Die geringere VLT von ca. 5 K gegenüber einer klassischen FBH spart weitere 15-20 % an Wärmebedarf und reduziert so die Betriebskosten.
Herbert Bayer, Ingenieur aus Sankt Augustin führt aus, dass durch das System Schimmelbildung im Mietwohnungsbau grundsätzlich der Vergangenheit angehöre - und: „Die Mieter freuen sich über ein angenehmes Klima in der Wohnung, das Offenstehenlassen der Fenster reduziert sich im Laufe der Zeit.“ Auch die kommunal Kreiswohnungsbau- und Siedlungsgesellschaft mbH Siegen hat Objekte mit dem Multifunktionsboden ausgestattet. Reinhard Halbe, Bauleiter für die KSG, lobt die platzsparende Lösung der Lüftung und das geschaffene angenehme Wohnklima.

Roland Krüger, Geschäftsführender Gesellschafter 1st Selection GmbH, Plau am See

Schlagworte zum Thema:  Heizung, Wohnungswirtschaft

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