Vor der Kreuzigung geht‘s noch nach Cannes
Quo Vadis? Wie Heuer Dialog um Geschäftsführerin Gitta Rometsch den gleichnamigen alljährlichen Jahresauftakt für Immobilienentscheider nennt, ist ursprünglich eine Frage mit schwerwiegender Bedeutung.
Im zugehörigen Bibelzitat fragt Petrus den auferstandenen Jesus: "Herr, wohin gehst du?" Dieser antwortete: "Ich gehe nach Rom, um mich erneut kreuzigen zu lassen." Nun leben wir zwar spürbar in einer Zeitenwende. Ob wir jetzt direkt auf dem Weg zur Kreuzigung sind, vermag indes niemand zu sagen – und will es auch nicht hoffen.
Besorgnis und Gesamtbild
Auf der Suche, was man denn tun könne, lautete denn auch das Motto der diesjährigen Quo Vadis "Widerstandskraft schafft Marktnormalität". Der Weg zur letzteren verlief allerdings gerahmt vom derzeit wirklich außergewöhnlichen Big Picture. Die deutsch-amerikanische Politologin und Senior Advisor der Bertelsmann Stiftung Cathryn Clüver Ashbrook zeichnete ein besorgniserregendes Bild vom politischen Amerika.
Prof. Dr. Sönke Neitzel, Professor für Militärgeschichte und Kulturgeschichte der Gewalt an der Universität Potsdam, vermittelte eine pragmatische, doch nicht sehr optimistische Sicht auf Deutschlands und Europas militärische Zukunft. Dazu kam noch Felix Lee, Redakteur der Süddeutschen Zeitung, der Europas Möglichkeiten im Spannungsfeld zwischen China und USA äußerst nüchtern beschrieb. Dieser Rahmen ließ die Unsicherheit spüren, in der sich auch die Immobilienwirtschaft hierzulande bewegt.
Verband und Forderungen
Anlässlich des anderenorts frisch präsentierten Frühjahrsgutachtens der Immobilienwirtschaft kam ZIA-Präsidentin Iris Schöberl kurz auf die "Quo Vadis"-Bühne.
Nach einer Bewertung der aktuellen Bundesregierung gefragt, gab sie dieser im Zwischenzeugnis die Note "3-". Sie rief die Anwesenden dazu auf, nun viele Anträge nach § 246e Baugesetzbuch zu stellen.
Der Zentrale Immobilien Ausschuss monitore diese in diesem Jahr. Daran wolle sie messen, wie erfolgreich der Bauturbo werde. Große Hoffnungen setze sie auf den Gebäudetyp E, der schnelles, günstigeres und dennoch rechtssicheres Bauen ermöglichen werde. Die Politik müsse sich das Mietrecht insgesamt noch einmal grundlegend anschauen.
Konjunktur und Prognose
Prof. Dr. Lars Feld, Direktor des Walter Eucken Instituts in Freiburg, prognostizierte der Konjunktur in Deutschland für 2026 noch keine gute Entwicklung. Je nach Institut wird für 2026 zwischen 1,6 Prozent und 0,5 Prozent Wachstum vorhergesagt. Der Stellenabbau in Maschinenbau, Automotive und Chemie mit 240.000 Stellen Verlust sei kein gutes Zeichen. Er monierte zu hohe Steuern für insgesamt unzureichende Behördenleistungen.
Auch die hohe Sozialabgabenlast der Kommunen – insbesondere für Eingliederungs- und Jugendhilfe – kritisierte er. Allein die Mietpreise im Neubau stiegen stärker als die Bestandsmieten. Die zunehmende Öffnung dieser Schere müsse im Sinne von mehr Investitionen in Wohnbauten dringend geändert werden. Die Kappungsgrenzen für Altmieter müssten merklich gelockert werden. Engere Mietpreisgrenzen seien sehr nachteilig für die Schaffung von Wohnraum.
Somit stünden auch der Immobilienwirtschaft keine rosigen Zeiten bevor. Notwendig zur Belebung auf diesem Sektor sei eine kluge Angebotspolitik in Bezug auf Planungs- und Genehmigungsverfahren, Steuer- und Klimapolitik. Insgesamt sei die Unsicherheit jedoch für Investoren in Deutschland weiterhin hoch. Wenn es der Industrie nicht besser gehen werde, werde das auch die Immobilienmärkte einholen.
Sprungfortschritt und Businessalltag
Wie Deutschland sich am eigenen Zopfe selbst versucht, aus dem Sumpf zu ziehen, schilderte Innovationsmanager Dr. Martin Chaumet von der Bundesagentur Sprind. Er sichte derzeit mehr als 3.000 Einreichungen im Bereich Circular Economy und KI. Es ginge dabei immer um einen Trade-off zwischen Naturschutz und Wirtschaftswachstum. Er unterstrich auch seinen speziellen Blickwinkel auf Neuerungen. Nicht wer zuerst innoviere, sondern wer zuerst industrialisiere und skaliere gewinne das Wachstumsrennen.
Wohin es im Businessalltag im Detail gehen kann und auch wohl gehen muss, beschrieb Elisa Czerski, Founder and CEO bei N Robotics anschaulich. Die Spitzentechnologie stehe dem deutschen Markt gut zu Gesicht. Immobilienrobotik in der Anwendung fehle derzeit noch. Große Chancen sehe man im Bereich Baufortschrittsmonitoring. Interessant sei auch, dass humanoide Roboter immer gefragter werden. Es werde sich auf diesem Gebiet einiges tun. Dabei ginge es nicht mehr darum, Reinigungsmaschinen zu vermenschlichen, sondern humanoide Roboter auf bestehende Reinigungsmaschinen zu setzen.
Wir sind gespannt! Czerski brachte aber auch die bestehende Realität Deutschlands auf den Punkt: "Man gründet ein Unternehmen – und dann kommt die Arbeitssicherheit, der Brandschutz und das Finanzamt."
Flächenkonkurrenz und Assetklassen
Spannend wurde auf der "Quo Vadis 2026" auch die Beziehung zwischen Logistikimmobilien und Datenzentren behandelt. Die stünden zuweilen in starker Flächenkonkurrenz und deshalb derzeit im Fokus der Projektentwicklung, schilderte Fred-Markus Bohne, Managing Partner DACH & Nordics bei Panattoni.
Jonathan Henry, Executive Managing Director & Chief Commercial Officer bei Garbe Data Centers, unterstrich noch, wie exorbitant hoch derzeit wegen der Ausweitung von Anwendungen der Künstlichen Intelligenz die Nachfrage nach Datenzentren sei. Die aktuellen Rechenzentrumsbetreiber könnten die riesige Nachfrage nach Datenleistung derzeit nicht befriedigen – sie brauchten dringend Partner.
Als großes Wachstumshindernis in Deutschland wurde in vielen Gesprächen auf der Bühne und am Rande der fehlende und zu teure Strom ausgemacht. Es fehlten Leitungen wie Umspannwerke. Man behelfe sich mit Smart Grids und bei jeder Erschließung schlägt der Strompreis von durchschnittlich derzeit 20,5 Cent pro Kilowattstunde ins Kontor – in Deutschland um ein Vielfaches im Vergleich zu anderen Ländern.
Widerständiges und Normales
Die hier beleuchteten Fragen stehen exemplarisch für viele brennende Branchenthemen mehr, die diskutiert wurden. Allein bleibt noch die Frage: Und wann tritt Marktnormalität ein? Jürgen Fenk von der Zech Group erwartet diese nicht so bald.
Jetzt sei die Stunde der robusten, familiengeführten Firmen, die langfristig dächten und aktuell unter anderem Opportunitäten in aufzukaufenden Insolvenzen sehen. Sie seien genuine Partner für den nächsten Aufschwung
Ist das nicht auch für die versammelten immobilienwirtschaftlichen Entscheider ein Hinweis darauf, wo Widerstandskraft zu finden sein könnte…?
Verabschiedete man sich dann im Humboldt Carré, in der Arminiusmarkthalle und im Adlon aus den unzähligen anregenden persönlichen Begegnungen mit einem "Auf bald!", wurde klar, wohin es heuer nach dieser fulminanten Berliner Jahresauftakttagung geht.
Quo vadis, also? Vor der Kreuzigung geht‘s noch nach Cannes.
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