Studie: Bis 2027 geht jede fünfte Führungskraft in den Ruhestand

Immer mehr Unternehmen aus der Immobilienbranche klagen über Fachkräftemangel. Vor allem spezialisiertes Wissen für neue Arbeitswelten gibt der Markt derzeit nicht her, wie eine EBZ-Studie zeigt. Auch Kernkompetenzen müssten vertieft werden. Handlungsdruck gibt es beim Führungspersonal.

62 Prozent der Unternehmen aus der Wohnungs- und der Immobilienwirtschaft fehlt es an Fachkräften, heißt es in der aktuellen Personalentwicklungsstudie, die das Forschungsinstitut InWIS jährlich im Auftrag des Europäischen Bildungszentrums (EBZ) erstellt. Doch ausreichend kompetentes Personal gibt der Arbeitsmarkt derzeit gar nicht her. Dabei wollen die Unternehmen ihre Personalstärke sogar ausbauen, um auf die stetig steigenden Herausforderungen, wie etwa die Bewältigung des Klimawandels, die ausreichende Bereitstellung von Neubauten oder die Entwicklung neuer Geschäftsfelder, reagieren zu können. "Eng" werden dürfte es mittelfristig auch bei der Rekrutierung von Führungspersonal: In den kommenden fünf bis sieben Jahren gehen der Studie zufolge mehr als 20 Prozent der Führungskräfte in den Ruhestand.

Zwar wird die Covid-19-Pandemie die Auftragslage in einzelnen Segmenten entzerren, die Krise wird jedoch an der "hohen Nachfrage an Fach- und Führungskräften auch in Zukunft nichts ändern", so EBZ-Vorstandschef Klaus Leuchtmann. Besonders deutlich ist das bei Bauträgern und Projektentwicklern: Knapp 90 Prozent der Unternehmen haben entsprechende Probleme. Doch auch in der Haus- und Wohnungsverwaltung (78 Prozent) sowie bei größeren Wohnungsunternehmen (71 Prozent) und -genossenschaften (66 Prozent) wird das Recruiting von kompetenten Mitarbeitern zu einer immer größeren Herausforderung.

Technische Fach- und Führungskräfte immer schwieriger zu finden

Die große Mehrheit (80 Prozent) der Unternehmen geben in der Studie an, dass vor allem Sachbearbeiter mit technischem Know-how immer schwieriger zu finden sind. Noch dringender werden technische Führungskräfte gesucht: Hier sagen sogar 81 Prozent der Unternehmen, dass der Arbeitsmarkt diese nicht hergibt.

Stuften die Unternehmen in den vorangegangenen Befragungen das Thema Digitalisierung als wichtigste Herausforderung der Zukunft ein und sahen IT-Kompetenzen als höchstes Gut an, hat in der jüngsten Studie eine Verschiebung stattgefunden: Die dynamischen Veränderungen der Arbeitswelt erhöhen vor allem den Bedarf an Fachlichkeit, Spezialisierung sowie neuen und umfangreichen Kompetenzen.

Von Sachbearbeitern in den Unternehmen verlangt knapp die Hälfte der Befragten (48 Prozent) Fachkenntnisse in den Kernthemen der Branche, fast ebenso viele (46 Prozent) wollen Offenheit gegenüber IT-Themen und rund ein Drittel (34 Prozent) fordert juristische Grundlagen und Wissen um rechtliche Änderungen. Rund 50 Prozent der Befragten legen ihren Mitarbeitern Weiterbildungsmaßnahmen nahe, die klassische Fachkompetenzen der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft sowie ein solides Basiswissen zu IT-Themen vermitteln.

"Lebenslanges Lernen": Budget pro Mitarbeiter und Jahr deutlich erhöht

"Personalentwicklung kann hier eine Handlungsoption für die Unternehmen sein", meint Leuchtmann. Wer Fach- und Führungskräfte im technischen Bereich aus- und weiterbildet, könnte den eigenen Bedarf decken. Immerhin 70 Prozent der befragten Unternehmen bilden etwa Immobilienkaufleute selbst aus. Allerdings bleibt dieser Anteil nach Beobachtung des EBZ-Chefs seit vielen Jahren konstant – das bedeutet auch, das ein Drittel der Unternehmen sich an der Ausbildung von Immobilienkaufleuten nicht beteiligen.

Die Zustimmung zum Konzept des "Lebenslangen Lernens" ist in der Branche hoch und steigt weiter, heißt es in den Umfrage-Ergebnissen. Aktuell liegt die Akzeptanz bei 97 Prozent. Ein Teil der befragten Unternehmen sieht nach wie vor Probleme bei der Weiterbildung älterer Mitarbeiter – auch weil die weniger Bereitschaft zeigen, sich weiterzubilden. Allerdings nimmt der Anteil der "Weiterbildungsverweigerer" erkennbar ab. Das durchschnittliche Budget für Weiterbildungsmaßnahmen hat sich seit der ersten Befragung 2007 von rund 580 Euro auf knapp über 800 Euro pro Mitarbeiter erhöht – mehr als 40 Prozent der Unternehmen investieren mehr als 750 Euro pro Mitarbeiter und Jahr.

Führungskräfte: Ein Studium ist Voraussetzung

Bis 2027 wird der Studie zufolge mehr als ein Fünftel (rund 20 Prozent) der Führungskräfte in den Ruhestand gehen. Waren 2015 noch etwa 13 Prozent der Führungskräfte älter als 60 Jahre, sind es heute bereits 22 Prozent. Ein Viertel der Belegschaft und mehr als 40 Prozent der Führungskräfte in der Branche sind älter als 55 Jahre. Der Handlungsdruck, geeignetes Führungspersonal zu finden, wird so zusätzlich erhöht.

Wer Führungskraft in der Branche werden will, sollte studieren: Deutlich mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen empfehlen angehenden Führungskräften den Bachelor of Arts Real Estate, weitere 22 Prozent halten einen allgemeinen betriebswirtschaftlichen Bachelor-Abschluss für sinnvoll. 37 Prozent wollen in den Bewerbungen einen Masterabschluss (M.A. Real Estate Management) sehen. Und 20 Prozent halten den Master of Science Projektentwicklung für unabdingbar für Führungskräfte.

Laut der Studie sollten Führungskräfte fit gemacht werden in unternehmerischem Denken (55 Prozent), Sozialkompetenzen (54 Prozent) sowie IT-Kenntnissen (45 Prozent).


Das könnte Sie auch interessieren:

"Wer heute nicht ständig dazu lernt, wird schneller abgehängt als früher"

Recruiting von Fach- und Führungskräften: Wer kann, sucht jetzt!

Babyboomer bis Gen-Z – so bringt man vier Generationen unter einen Hut