Stille Reserven im Fluss
Herr von Erdély, Sie haben im Rahmen der Expo Real im Oktober 2025 über "Defense Real Estate" gesprochen. Auch wenn damals schon klar war, dass das Thema an Fahrt gewinnen wird, war vieles noch recht nebulös. Was hat sich seitdem getan?
Prof. Dr. Alexander von Erdély: Die Situation hat sich seit der Expo Real deutlich konkretisiert. Zum Beispiel hat die Bundeswehr rund 200 Liegenschaften definiert, die geprüft werden, ob sie in die strategische Liegenschaftsreserve aufgenommen werden. Wir stehen dazu intensiv mit den Kommunen und der Bundeswehr im Austausch, denn jede Liegenschaft wird einzeln bewertet. Manche Objekte können vollständig genutzt werden, andere nur teilweise, für einen Teil ist eine Konversion vorgesehen, während ein anderer Teil für die Bundeswehr bleibt.
Diese Bewertungen bilden die Grundlage für weitere Schritte, einschließlich möglicher Ankäufe oder Tauschgeschäfte. Wir prüfen, ob vorhandene Grundstücke eventuell durch andere ersetzt oder ergänzt werden können, um die Eignung für die Bundeswehr zu maximieren. Alles geschieht Schritt für Schritt und in enger Abstimmung. Zunächst werden die Bestandsliegenschaften analysiert, bevor wir neue Entscheidungen treffen. So entstehen klare, praxisnahe Grundlagen, auch wenn sich vieles noch im Fluss befindet.
Die komplette L'Immo-Folge mit Gastgeber Dirk Labusch |
Corporate Real Estate Management bei der BImA?
Das klingt nach einer neuen Rolle, die die BImA einnimmt.
Die Aufgaben der BImA haben sich über die vergangenen Jahre stark verändert. Ursprünglich ging es fast ausschließlich darum, nicht mehr betriebsnotwendige Immobilien zu verkaufen – das war fast der Gründungsgrund der BImA. Mit der Zeit wurde das Aufgabenfeld erweitert: Man hat begonnen, alle Liegenschaften des Bundes über ein einheitliches Liegenschaftsmanagement zu verwalten.
Gleichzeitig hatten wir einen Wohnungsbestand von mehr als 100.000 Einheiten, den wir nach und nach reduziert haben, weil es Aufgabe war, diese Immobilien zu verkaufen, bis knapp unter 40.000 Wohnungen übrig blieben. Mittlerweile hat sich die Richtung wieder geändert: Wir bauen wieder Wohnungen. Der klassische Verkauf an Kommunen ist damit derzeit eher nachrangig.
Unsere Aufgabe ist vergleichbar mit dem Corporate Real Estate Management: Wir stellen den Nutzern der Bundesverwaltung die passende Immobilie zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, in der richtigen Qualität und Menge zur Verfügung, damit die Bundesverwaltung und ihre Institutionen ihre Aufgaben optimal erfüllen können.
CO2-Reduktion, New Work, Wohnungsbau: BImA-Strategie
Jeder BImA-Chef hatte sein Steckenpferd. Bei ihrem Vorgänger Christoph Krupp war es die Klimapolitik. Welche Ziele verfolgen Sie?
CO2-Reduktion im Portfolio ist ein zentraler Schwerpunkt, den wir natürlich konsequent fortführen. Zu Beginn meiner Amtszeit haben wir außerdem gemeinsam mit weiteren Führungspersonen der BImA überlegt, worauf wir unseren Fokus legen wollen, und fünf zentrale Schwerpunkte definiert:
Der erste ist, den Bestand bestmöglich zu nutzen und zu optimieren, statt sofort neu zu bauen. Dabei prüfen wir, ob vorhandene Immobilien flexibel eingesetzt oder modernisiert werden können, und berücksichtigen stets die wechselnden Nutzerbedarfe – etwa nach Ressortwechseln oder geänderten Büroflächenanforderungen. Außerdem berücksichtigen wir moderne Arbeitswelten, mobiles Arbeiten und Homeoffice. Zweitens setzen wir die CO2-Reduktion im Portfolio konsequent fort.
Drittens bauen wir Wohnungen und erweitern das Wohnungsportfolio, um staatliche Aufgaben und Wohnraumprobleme zu unterstützen. Viertens stehen staatliche Aufgaben wie Kampfmittelräumungen und der Bundesfonds im Fokus. Fünftens stärken wir die interne Leistungsfähigkeit durch Digitalisierung, volle Stellenbesetzung und Diversität in Führung und Belegschaft.
Dies ist ein Auszug aus dem Podcast mit Prof. Dr. Alexander von Erdély.
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