Nicht mehr ganz so schillernd
Möglicherwiese braucht es die Visagistin, denn das neue Bild, das der IVD in der Öffentlichkeit von sich malt, ist nicht so schillernd wie das alte. Zwei Jahre nach dem Rücktritt des Präsidenten Michael Schick hat sich der Verband neu gefunden und arbeitet weiter an den Gebieten, die ihn bewegen, insbesondere dem großen Thema Wohneigentumsbildung. Das macht er ziemlich unaufgeregt.
Leicht hat er es nicht, wenn man bedenkt, dass nach dem schimmernden Schick auch die Mutterpartei im Geiste, die FDP, von der Bildfläche verschwunden ist. Der eine oder andere Minister war sonst schon mal auf dem DIT präsent. Diesmal nicht. Auch nicht die neue Bundesbauministerin Verena Hubertz. Der Politfaktor wurde immerhin von Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner ausgefüllt. Und der Philosoph Richard David Precht nahm uns allen die Angst – vor KI und anderem.
Trommeln ohne Sorge
Also ohne Sorge getrommelt: Dirk Wohltorf sagt, Deutschland sei ein Land der verhinderten Eigentümer, und das sei von den Parteien so gewollt. Das tönt dann mal lauter. Aber alles in allem: Der IVD bleibt weiter pragmatisch sachorientiert. Und wenn auch die geschliffene, meist auswendig vorgetragene Rede einer weniger ausgefeilten gewichen ist, auch wenn die Stimme des neuen Präsidenten noch leiser scheint als die auch nicht gerade laute seines Vorgängers: Der Wille, zu pragmatischen Lösungen zu kommen, erscheint deshalb nur glaubhafter.
Ein wichtiges Thema Wohltorfs ist es, Brücken zu bauen zwischen den verschiedenen Polen. Und so erscheint es nur konsequent, dass der IVD den ersten "Brückenbauerpreis" verliehen hat. "Mit dem Preis sollen Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, die für Zusammenhalt in der Gesellschaft einstehen", so Wohltorf. Ein ehrenwerter Ansatz, der den Imagewandel der Immobilienbranche unterstützen kann. Ausgezeichnet wurde Nicolai Schwarzer, Berliner Immobilienunternehmer, für sein gesellschaftliches Engagement.
Das Team rückt in den Vordergrund
Strahlt der Präsident nicht mehr ganz so hell, lässt das verstärkt Raum für das Team. Bundesgeschäftsführerin Carolin Hegenbarth hat eine beachtliche Initiative mit auf den Weg gebracht, die über das sogenannte Smart-Deal-System Gemeinschaftsgeschäften endlich auch hierzulande zum Durchbruch verhelfen soll. Der Vorstand, insbesondere in Person von Robert Vesely und Martin Schatz, hat das gerne aufgenommen. Kooperationspartner hier: die Immobilienbörse "immobilie1".
"Gemeinsam besser machen", so lautete das Motto des diesjährigen Immobilientags. Und so sei noch hingewiesen auf eine interessante Initiative, bei der sich auch auf Anregung des IVD fünf Immobilienbörsen zusammengeschlossen haben, um in punkto IT-Sicherheit zusammenzuarbeiten.
Und wenn Precht in seinem Vortrag die Politik dafür kritisierte, dass es mehr taktische Sperenzien, mehr kurzfristiges Klein-Klein gebe als strategisches Handeln, so kann man das den IVD-Verantwortlichen sicher nicht vorwerfen. Aber die politische Arbeit für den Verband ist im neuen Umfeld, wie schon erwähnt, nicht leichter geworden.
Es wäre in gewisser Weise verständlich, wenn er sich deshalb auf den Mitgliederservice konzentrieren würde. Das sollte er aber nicht tun, seine Stimme in der Immobilienpolitik wird weiter gebraucht.
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