15 Berliner Kleingartenanlagen sollen Wohnungsbau weichen

Ab 2020 sollen 15 Berliner Kleingartenkolonien verschwinden. In drei weiteren muss zumindest ein Teil der Pächter weichen. Auf den geräumten Flächen sollen unter anderem Wohnungen entstehen. Das geht aus dem Entwurf für den "Kleingartenentwicklungsplan 2030" hervor.

Laut einem Bericht von rbb 24, will die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klima die endgültige Fassung im April präsentieren. Insgesamt seien 429 Parzellen betroffen.

Name                

           Bezirk               

Ganz abgerissen?

Wilhelm-Kuhr-Straße 

Mitte                

Ja

Virchow

Mitte

Nein

Lehrter Straße      

Mitte 

Nein

Hamburg  

Pankow 

Ja

Bornholm II         

Pankow 

Nein

Am Fichtenberg      

Steglitz-Zehlendorf  

Ja

Borussia

Tempelhof-Schöneberg 

Ja

Eschenallee

Tempelhof-Schöneberg 

Ja

Feldschlösschen

Tempelhof-Schöneberg 

Ja

Friede und Arbeit   

Tempelhof-Schöneberg 

Ja

Germania

Tempelhof-Schöneberg 

Ja

Hansakorso

Tempelhof-Schöneberg 

Ja

Kaisergarten

Tempelhof-Schöneberg 

Ja

Morgengrauen

Tempelhof-Schöneberg 

Ja

Wild-West           

Tempelhof-Schöneberg 

Ja

Zähringer Korso     

Tempelhof-Schöneberg 

Ja

Ehrliche Arbeit     

Treptow-Köpenick     

Ja

Immergrün

Marzahn-Hellersdorf  

Ja

Kleingärten rücken in Fokus von Investoren

Waren Kleingartenkolonien in früheren Zeiten weitgehend unantastbar, rücken sie in Zeiten von Flächenknappheit und Wohnungsnot zunehmend in den Fokus von Stadtplanern und Investoren. Ähnliche Diskussionen wie in Berlin gibt es mittlerweile in allen deutschen Großstädten.

Weitere Anlagen sind schon anvisiert

Parallel zu den aktuellen Plänen in Berlin arbeitet die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung derzeit an einem eigenen Vorschlag, um den Bau von Wohnungen voranzutreiben.

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Auf ihnen sollen ab 2030 rund 7.000 Wohnungen geschaffen werden. Welche Anlagen davon betroffen sind, ist noch unbekannt. Der Senat will sich erst im zweiten Quartal dieses Jahres dazu äußern.

Kleingärtner kritisieren schlechte Informationspolitik

Viele der betroffenen Kleingärtner in Berlin hätten von den Plänen der Senatsverwaltung noch nichts gehört, heißt es in dem Bericht von rbb|24. "Wir wissen von nichts. Die Pächter in Tempelhof können erst einmal aufatmen", sagte Reinhard Schramm, Vorsitzender des Kleingärtner e.V. Tempelhof. "Das Einzige, wovon wir wissen, ist die Neue Mitte." Für dieses Bauprojekt müssen zwei Gartenkolonien weichen. Das ist bereits seit dem vergangenem Jahr bekannt. Aus dem Entwurf für den Kleingartenentwicklungsplan geht nun allerdings hervor, dass Schramms Verband sich von sieben weiteren Kleingartenanlagen verabschieden muss.

In Gesprächen mit anderen Kleingartenverbänden hätten diese zudem gesagt, dass sie von der Politik oftmals vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Am Freitag sei ihm von der Senatsverwaltung für Umwelt mitgeteilt worden, dass die Bezirksverbände den Kleingartenentwicklungsplan am 11. März 2019 einsehen könnten, sagte Jörg Gollnow-Jauernick vom Verband Marzahn.

Ersatzflächen für die Gärtner sind rar

Dass alle Pächter Ersatzflächen erhalten werden, glaubt die Senatsverwaltung offenbar selbst nicht. Zwar sollen 787 neue Parzellen als Ausgleich zu Verfügung stehen. Allerdings müssen die erwähnten 429 Kleingärtner sich diese mit "grob geschätzt [...] ca. 420" weiteren teilen, wie es in dem Entwurf heißt. Diese werden ihre Parzellen bis 2030 wegen anstehender Verkehrsprojekte verlassen müssen.

Zu diesen Betroffenen gehören etwa die Pächter der Anlage Bleibtreu 2 in Charlottenburg, auf der die Betonpfeiler der neuen Rudolph-Wissel-Brücke gebaut werden. Das neue Gärtnerglück wird zudem nicht in der unmittelbaren Nähe bereitgestellt werden können, dafür fehle einfach der Platz, heißt es in dem Entwurf. Pächter, die ihre Zelle verlieren, sollen den Plänen zufolge nicht nur einen Ersatz, sondern eine Entschädigungszahlung von etwa 7.000 Euro bekommen.

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Schlagworte zum Thema:  Stadtplanung, Wohnungsbau, Berlin