Daten bündeln und Use Cases schaffen
Herr Schröder, welche Rolle soll der neue Arbeitskreis "Gebäudebetrieb 4.0" im Gefma-Ökosystem einnehmen?
Frank Schröder: Der Arbeitskreis soll als strategischer Impulsgeber und Orientierungsrahmen innerhalb von Gefma wirken. Ziel ist es, praxisnahe Konzepte für einen energieeffizienten, digital vernetzten und nachhaltigen Gebäudebetrieb zu entwickeln und als Leitlinien bereitzustellen. Er bildet eine Brücke zwischen regulatorischen Anforderungen wie GEG und ESG und operativer Umsetzung im Facility Management.
Gebäudedaten, TGA und Facility Management verbinden
Wo liegt das zentrale Problem?
In der Fragmentierung der Gebäudetechnik. Gewerke wie Heizung, Lüftung, Elektro, Trinkwasserhygiene und Gebäudeautomation arbeiten häufig in isolierten Systemen, Brüche bestehen zwischen Planung, Bau und Betrieb. Der Arbeitskreis setzt daher auf Integration von TGA, Gebäudeautomation und Facility Management über den gesamten Lebenszyklus.
Viele Gebäude erzeugen heute große Mengen an Betriebsdaten. Wie gut nutzen Betreiber diese?
Die Datenerfassung ist in vielen Gebäuden bereits Realität, die systematische Nutzung nicht. Viele Organisationen befinden sich noch in Pilotphasen. Besonders großes Potenzial liegt in der lebenszyklusübergreifenden Nutzung von Daten, etwa für Predictive Maintenance, Energiemanagement und ESG-Reporting.
Welche technischen Voraussetzungen sind nötig, damit datenbasierte Entscheidungen im Alltag ankommen?
Eine verlässliche, interoperable Sensorik sowie eine zentrale Datenplattform – etwa ein CAFM- oder IoT-System –, in der Informationen konsolidiert, analysiert und nutzbar gemacht werden. KI-gestützte Auswertungen helfen Muster zu erkennen und Handlungsempfehlungen abzuleiten. Ebenso wichtig ist ein solides IT- und OT-Sicherheitskonzept.
Betriebsdaten, IoT und digitale Zwillinge nutzen
Wie verändern IoT-Plattformen, digitale Zwillinge und KI das Gebäudemanagement konkret?
Diese Technologien ermöglichen den Übergang zu prädiktiven Betriebsstrategien. Energieeinsparungen von 20 bis 30 Prozent und deutlich reduzierte Wartungskosten sind realistisch.
Welche Rolle spielen Live-Daten und Predictive Maintenance bei der Senkung von Betriebskosten?
Live-Daten schaffen Transparenz über den Zustand und die Effizienz von Anlagen und machen Fehlfunktionen frühzeitig sichtbar. Predictive Maintenance nutzt diese Daten, um Wartung zustandsbasiert und vorausschauend zu planen. Das reduziert ungeplante Ausfälle und verlängert die Lebensdauer von Anlagen – der Betrieb wird stabiler und wirtschaftlicher.
Predictive Maintenance und Trends im Gebäudebetrieb
Welche Trends werden Gebäudetechnik und Facility Management in den nächsten fünf Jahren prägen?
Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Energiemonitoring werden zum Standard. Gebäude entwickeln sich zu aktiven Bestandteilen vernetzter Energiesysteme und benötigen zentrale Datenplattformen als "Betriebssystem der Immobilie". Parallel gewinnt die kreislaufgerechte Gebäudetechnik an Bedeutung.
Ihr Rat an die Praxis?
Mit Transparenz beginnen, Datenquellen zusammenführen und wenige, klare Use Cases priorisieren. Früh erzielte Erfolge schaffen Akzeptanz – Standardisierung und Automatisierung folgen danach.
Dieses Interview stammt aus dem Titelthema "Der Datenschatz der Geräte" in der aktuellen Ausgabe 01/2026 der "Immobilienwirtschaft".
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