Argetra: Immobilienboom verhindert viele Zwangsversteigerungen

Die Zahl der Zwangsversteigerungen von Immobilien in Deutschland ist weiter gesunken. Weil auf dem normalen Markt kaum noch bezahlbare Objekte zu finden sind, werde aus den eröffneten Verfahren die Hälfte verkauft, bevor sie vor Gericht landen, meldet der Argetra-Verlag.

Im ersten Halbjahr 2021 wurden in Deutschland Zwangsversteigerungsverfahren für 6.432 Immobilien mit Verkehrswerten von insgesamt 1,42 Milliarden Euro eröffnet, hat der Fachverlag Argetra recherchiert. Im vergleichbaren ersten Halbjahr 2020 waren es noch 7.300 Häuser, Wohnungen und Grundstücke mit einem Verkehrswert von 1,57 Milliarden Euro.

Für die Auswertung hat Argetra die Termine für Zwangsversteigerungen an allen knapp 500 Amtsgerichten in Deutschland analysiert. Zwangsversteigert wurden vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser, gefolgt von Eigentumswohnungen und Grundstücken.

Immobilienboom und Corona-Hilfen: Weniger Zwangsversteigerungen

"Zwangsversteigerungsobjekte werden vermehrt nachgefragt, weil auf dem normalen Markt kaum noch bezahlbare Immobilien zu finden sind", schreiben die Experten. Der Grund liegt nahe: Die Verkehrswerte lägen in der Regel unter den regulären Marktwerten, zudem entfielen Makler- und Notarkosten. Nur etwa die Hälfte der eröffneten Zwangsversteigerungsverfahren ende vor Gericht. Die anderen Immobilien würden schon vorher verkauft.

Die Zahl der Zwangsversteigerungen in Deutschland nimmt seit Jahren ab. Als Gründe gelten die gute Konjunktur und die anhaltend niedrigen Zinsen, die zum einen für Schuldner günstig sind und zum anderen die Nachfrage nach Immobilien immer weiter antreiben. Auch die Corona-Hilfen spielen eine  Rolle: Laut Argetra bieten die Banken wegen der Pandemie unter anderem an, Kreditzahlungen zu stunden, anstatt Darlehen zu kündigen und Zwangsversteigerungen einzuleiten.

WEG-Erbstreitigkeiten: Anteil von Teilungsversteigerungen wächst

Negative Folgen der Coronakrise erwarten die Autoren des Berichts zeitverzögert. Sie gehen davon aus, dass es ab der zweiten Jahreshälfte 2021 und insbesondere 2022 Pandemie-bedingte Kündigungen von Krediten geben wird, auch weil die Bearbeitungszeiten bei den Banken und Gerichten lang seien.

Auffallend ist Argetra zufolge der wachsende Anteil von Teilungsversteigerungen, zum Beispiel zur Aufhebung von Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) nach Erbstreitigkeiten oder auch nach Scheidungen. Gemessen an den Verkehrswerten machen sie den Angaben nach schon einen Anteil von 42 Prozent aus (Vorjahr: 37 Prozent). Im Bundesschnitt waren im ersten Halbjahr 15 von 100.000 Haushalten von Zwangsversteigerungen betroffen, nach 18 im Vorjahreszeitraum.


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dpa
Schlagworte zum Thema:  Zwangsversteigerung, Immobilienmarkt