30 neue Wohntürme bis 2023 – allein Berlin bekommt 14

30 neue Wohnhochhäuser werden in Deutschland in den kommenden vier bis fünf Jahren gebaut, davon alleine 14 in Berlin und elf in Frankfurt am Main, heißt es in einer Studie von Catella Research. Die neuen Wohntürme sind zumeist luxuriös und liegen in zentralen Lagen der Top-Metropolen.

Untersucht hat Catella in der Marktanalyse zur "Renaissance der Wohntürme in Deutschland" Hochhäuser, die mindestens 50 Meter messen und wenigstens eine 75-prozentige Wohnnutzung aufweisen. Berücksichtigt wurden alle Gebäude ab 2014 (Zeitpunkt der Baugenehmigung).

Die stetig steigende Nachfrage, der hohe Zuzug in die Großstädte sowie der Mangel an Bauland sorgen für angespannte Wohnungsmärkte in den Großstädten und sind laut Catella Gründe dafür, dass wieder verstärkt in die Höhe gebaut wird. Die Bundes-CDU hatte im Oktober 2018 in ihrem "Masterplan Wohnen" mehr Mut zum Bau von Wohnhochhäusern gefordert.

Wohnhochhäuser: heute ein Lifestyleprodukt

Wurden Wohnhochhäuser der 1980er Jahre, die vornehmlich in Vororten errichtet wurden und sich oft zu sozialen Brennpunkten entwickelten, als Auslaufmodell betrachtet, sind die der neuen Generation wieder attraktiv, schreibt Catella: Sie heißen jetzt "Residential Skyscraper", liegen zumeist zentral vor allem in den deutschen Top-Metropolen Berlin, Frankfurt am Main sowie Hamburg und zeichnen sich durch eine gemischte Nutzung und einen positiven "Abstrahleffekt" auf die unmittelbare Umgebung aus. Der Austausch der Bewohner untereinander ("Community") und mit den Nachbarn ("Kiez") des Gebäudes steht heute  im Mittelpunkt, dadurch profitiere das Umfeld der Türme von einer Wertsteigerung, heißt es in der Studie.

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Größtenteils sind die Wohnhochhäuser sehr luxuriös ausgestaltet und zielen auf die wohlhabende Bevölkerungsschicht ab. Das sorgt für hohe Durchschnittsmieten: Die liegen Catella zufolge zwischen 18 Euro pro Quadratmeter in Stuttgart und 27 Euro pro Quadratmeter in Berlin. Bei den Kaufpreisen werden bis zu 9.500 Euro pro Quadratmeter beispielsweise in der Hamburger Hafencity (Cinnamon Tower) aufgerufen. Tendenz steigend. In Frankfurt kostet der Quadratmeter einer Eigentumswohnung in den neuen Hochhäusern laut Catella durchschnittlich 7.000 Euro.

"Geförderter Wohnraum ist in den neu konzipierten Türmen nur selten und in einem geringen Anteil zu finden – bisher. In der neuen Generation der Hochhäuser heißt ‚mehr Höhe‘ einen höheren Anteil an gefördertem Wohnen." Dr. Thomas Beyerle, Head of Group Research bei Catella

Dass es anders geht, zeigt wiederum das 19-stöckige Hochhausprojekt "Trudo Vertical Forest" im niederländischen Eindhoven, das sich an untere Einkommensschichten, insbesondere an junge Menschen mit urbanem Lebensstil, richtet.

München wehrt sich gegen Skyscraper dafür öffnen sich manche B-Städte

Doch es gibt auch Großstädte, die sich gegen die Neubelebung der Skyscraper wehren. In München etwa gibt es laut Catella Research keine Genehmigung für Bauwerke, die höher als 99 Meter sind. Hier soll das Wahrzeichen der Stadt, die Frauenkirche, das Stadtbild weiterhin dominieren.

Doch "auf Frankfurt am Main, die bislang einzige deutsche Metropole mit einer klassischen Skyline, kommt Konkurrenz zu. Nicht nur in Städten wie Berlin oder Düsseldorf sind Wohnturmprojekte in der Pipeline, auch in B-Städten wie Leipzig", sagt Dr. Thomas Beyerle, Head of Group Research bei Catella. Dabei ist die Nähe zu Verkehrsknotenpunkten wie Bahnhöfen auffällig. In Frankfurt erfolgt der Bau größtenteils im Europaviertel und an der Neuen Mainzer Straße, in Hamburg vermehrt am Hafen und in Berlin rund um den Alexanderplatz oder am Bahnhof Zoo.


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