Beton zum Klimaretter machen
Herr Nguyen, Sie als Chief Growth Officer (CGO) wollen mit Ihrem Unternehmen Ecolocked den Bausektor zum CO2-Senker machen. Wie weit sind Sie denn schon mit der Umsetzung dieser Vision?
Hoang Anh Nguyen: Acht Prozent der globalen CO2-Emissionen stecken im Beton – die Industrie muss dringend dekarbonisieren. Unser Ansatz setzt auf einen Rohstoff namens Biokohle: Ein Kilogramm dieses Materials speichert bis zu drei Kilogramm CO2.
Die komplette L'Immo-Folge mit Hoang Anh Nguyen und Gastgeber Dirk Labusch |
Die Vision ist es, zunächst den CO2-Fußabdruck von Beton zu reduzieren und langfristig klimapositiven Beton zu schaffen, also Bauteile, die mehr Kohlendioxid einspeichern als bei ihrer Herstellung emittiert wird.
Wir stehen am Anfang: Wir haben viel in Forschung und Entwicklung investiert und führen erste Pilotprojekte durch. Von einer breiten Marktdurchdringung, bei der unser Material standardmäßig ausgeschrieben und eingesetzt wird, sind wir noch einige Jahre entfernt.
Sie sprechen von der Sinnhaftigkeit Ihrer Arbeit. Was treibt Sie an?
Millionen Menschen in Deutschland stehen morgens auf und fragen sich: Was mache ich hier eigentlich? Ich habe das Glück, dass ich aufstehe und mich nicht nur auf meine Kolleginnen und Kollegen freue, sondern auch auf die Arbeit selbst – weil sie mich erfüllt. Am Ende des Tages, wenn ich den Laptop zuklappe, habe ich das Gefühl: Ich habe etwas geschafft, etwas erreicht. Das ist ein tolles Gefühl.
Fokus auf Nachhaltigkeit und bessere Zeiten
Welche Hindernisse gibt es beim Einsatz von CO2-negativem Beton in Deutschland?
Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen dem, was technisch machbar ist, und dem, was regulatorisch erlaubt ist. Bestehende Normen legen in einem engen Korsett fest, welche Materialien zugelassen sind und in welchem Umfang herkömmliche Bestandteile ersetzt werden dürfen. Es gibt durchaus Spielräume, die wir auch nutzen – aber die Rahmenbedingungen sind nach wie vor sehr restriktiv.
Gleichzeitig ist der Fokus auf Nachhaltigkeit in den vergangenen ein, zwei Jahren spürbar gesunken. Das merken wir deutlich. Viele Unternehmen aus der Immobilienbranche beschäftigen sich zwar weiterhin mit dem Thema, weil sie wissen, dass es ein langfristiger Trend ist. Neue Investitionen zu tätigen, ist aber deutlich schwieriger geworden.
Alle, die an nachhaltige Lösungen glauben, haben eine Verantwortung, lauter zu werden – selbst kleine Aktionen können etwas bewegen. Im Grundsatz bin ich Optimist und sehe die Entwicklung positiv. Die nächsten Jahre werden nicht einfach, für Startups im Baubereich ganz besonders. Aber mein Appell lautet: Haltet durch – bessere Zeiten kommen!
Redaktionell bearbeiteter Auszug aus dem L'Immo-Podcast mit Hoang Anh Nguyen.
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Bernd Michalski
26.05.2026 16:44 Uhr
Eine Alternative im Wohnungsbau wäre die Entflechtung von der Beton-Fraktion hin zu effizienteren Bauweisen.
Ein Wohnungsbau mit Mieten für jedes Einkommen und ohne Subventionen ist nur als
Lean-Construction-Paket aus Konstruktion als das Was, Technologie als das Wie und Logistik als das Womit in prozessorientierter Montage möglich.
Weniger Material, weniger Prozesse, weniger Bauzeit, weniger Kosten.