31.01.2016 | Top-Thema Investitionsabzugsbetrag: Voraussetzung, Bildung und Auflösung

Voraussetzungen: Wer für welche Wirtschaftsgüter einen Investitionsabzugsbetrag geltend machen kann

Kapitel
Voraussetzungen - abnutzbare neue oder gebrauchte Wirtschaftsgüter sind beim Invesititonsabzugsbetrag begünstigt
Bild: Haufe Online Redaktion

Voraussetzung für die Bildung eines Investitionsabzugsbetrags ist allein die Absicht, abnutzbare bewegliche – neue oder gebrauchte – Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens anschaffen zu wollen. Kapitel 1 unseres Topthemas zeigt, wer für welche Wirtschaftsgüter diesen beanspruchen kann.

Voraussetzungen und Grenzwerte für die Bildung eines Investitionsabzugsbetrags

  • Begünstigt sind abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens. Es spielt keine Rolle, ob sie neu oder gebraucht sind
  • Höhe des Investitionsabzugsbetrags: Maximal 40 % der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten
  • Höchstgrenze für die Summe aller Investitionsabzugsbeträge: 200.000 EUR
  • Benennung: Die begünstigten Investition müssen zumindest in ihrer Funktion gegenüber dem Finanzamt benannt werden (Zusammenstellung)
  • betriebliche Nutzung: Diese muss voraussichtlich (fast) ausschließlich betrieblich sein, Prognose: Firmenwagen des Unternehmers/Freiberuflers, darf nicht zu mehr als 10 % privat genutzt werden

Wer den Investitionsabzugsbetrag beanspruchen kann

Den Investitionsabzugsbetrag können Land- und Forstwirte, Gewerbetreibende und Freiberufler beanspruchen, wenn sie im Jahr der Inanspruchnahme die folgenden Größenordnungen nicht überschreiten (§ 7g Abs. 1 EStG):

Einnahmen-Überschuss-Rechnung:

Gewinn vor Abzug des Investitionsabzugsbetrags darf nicht höher sein als

100.000 EUR

Bilanzierung:

Betriebsvermögen darf nicht höher sein als

235.000 EUR

Betriebe der Land- und Forstwirtschaft:

Wirtschaftswert bzw. Ersatzwirtschaftswert darf nicht höher sein als

125.000 EUR

Land- und Forstwirte, die ihren Gewinn mit einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln, können wählen, ob die Gewinngrenze oder der Wirtschaftswert maßgebend sein soll.

Bei mehreren Betrieben, ist für jeden Betrieb getrennt zu prüfen, ob der Grenzwert überschritten wird. Bei einer Betriebsaufspaltung sind Betriebs- und Besitzunternehmen jeweils als eigenständige Unternehmen zu beurteilen.

Für Freiberufler, die ihren Gewinn mithilfe einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln, kommt es auf die Höhe des Gewinns an. Freiberufler, die mit ihrem Gewinn diesen Grenzwert überschreiten, aber nur ein geringes Betriebsvermögen haben, können sich den Investitionsabzugsbetrag sichern, indem sie zur Bilanzierung wechseln. Wenn sie bilanzieren, kommt es nicht mehr auf die Gewinngrenze, sondern nur auf die Höhe des Betriebsvermögens an (Grenzwert von 235.000 EUR). Die Wahl zu bilanzieren, bindet den Freiberufler in der Regel für 3 Kalenderjahre (BFH, Urteil v. 9.11.2000, IV R 18/00). Ein beliebiges Hin und Her zwischen den Gewinnermittlungsarten ist also unzulässig. Vor- und Nachteile sind daher sorgfältig abzuwägen.

Praxis-Tipp: Wie die Höhe des Betriebsvermögen beeinflusst werden kann

Wer bilanziert, muss auf die Höhe seines Betriebsvermögens achten, weil im Jahr der Bildung eines Investitionsabzugsbetrags der Grenzwert von 235.000 EUR nicht überschritten werden darf. Um den Wert zu senken, können z. B. höhere Barmittel vor dem Jahreswechsel entnommen werden.

Für welche Investitionen der Investitionsabzugsbetrag beansprucht werden kann

Ein konkreter Investitions- oder Finanzierungsplan ist nicht erforderlich. Es ist auch nicht Voraussetzung, dass das Wirtschaftsgut bereits verbindlich bestellt worden ist (auch nicht bei Existenzgründern). Ein Investitionsabzugsbetrag darf nur für Wirtschaftsgüter beansprucht werden,

  • die beweglich und abnutzbar sind, z. B. Computer, Maschinen, Büromöbel, Pkw, usw. und
  • die zum Anlagevermögen gehören werden.

Begünstigt sind:

  • neue und gebrauchte Wirtschaftsgüter,
  • geringwertige Wirtschaftsgüter,
  • Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten zwischen 150 und 1.000 EUR, für die ein Sammelposten gebildet wird.

Nicht begünstigt sind:

  • unbewegliche Wirtschaftsgüter, z. B. Grundstücke, Gebäude,
  • Software und andere immaterielle Wirtschaftsgüter,
  • geleaste Wirtschaftsgüter, die dem Leasinggeber zuzurechnen sind (wie z. B. beim Finanzierungsleasing), und
  • Umlaufvermögen (= zum Verbrauch und Verkauf bestimmte Wirtschaftsgüter).

Betriebsvorrichtungen, z. B. eine Photovoltaikanlage, eine Hebebühne, ein Lastenaufzug usw., werden steuerlich immer als bewegliche Wirtschaftsgüter behandelt, auch wenn sie wesentliche Bestandteile eines Grundstücks sind.

Immaterielle Wirtschaftsgüter, z. B. Software und Lizenzen, sind keine beweglichen Wirtschaftsgüter. Ausnahme: Software, die nicht mehr als 410 EUR netto ohne Umsatzsteuer kostet. Software bis 410 EUR netto wird als materielles Wirtschaftsgut eingestuft (R 5.5 Abs. 1 EStR). Jedes Programm ist einzeln für sich zu betrachten, auch wenn der Unternehmer ein Softwarepaket mit mehreren Programmen gekauft hat.

Praxis-Beispiel: Von welchen Investitionen der Investitionsabzugsbetrag beansprucht werden kann

Ein Unternehmer plant, innerhalb der nächsten 3 Jahre eine EDV-Anlage mit umfangreicher Software zu kaufen. Die Hardware kostet 10.000 EUR und die Software 14.000 EUR. Der Unternehmer darf nur einen Investitionsabzugsbetrag in Höhe von maximal (10.000 EUR x 40 % =) 4.000 EUR bilden. Die Software ist als immaterielles Wirtschaftsgut nicht begünstigt.

Alle Informationen zum Thema "Investitionsabzugsbetrag" finden Sie auf dieser Themenseite.

Voraussetzung für die Bildung eines Investitionsabzugsbetrags: Bezeichnung der Wirtschaftsgüter nach ihrer Funktion

Die begünstigten Wirtschaftsgüter, für die Investitionsabzugsbeträge gebildet werden sollen, sind «ihrer Funktion nach» zu benennen (§ 7g Abs. 1 Nr. 3 EStG).

Es reicht aus, wenn die betriebsinterne Bestimmung stichwortartig wiedergegeben wird. Es kann also der Zweck angegeben werden, für den das Wirtschaftsgut angeschafft wird. Allgemeine Sammelbezeichnungen, wie z. B. Maschine, Büroeinrichtung, Büromöbel oder Fuhrpark, reichen nicht aus.

Es können natürlich konkrete Bezeichnungen verwendet werden, wie z. B. Bürostuhl, Wandregal, Schreibtisch oder Pkw. Begünstigt ist dann allerdings auch nur genau diese eine Anschaffung. Es können jedoch Funktionsbeschreibungen verwendet werden, die dem Unternehmer einen größeren Spielraum einräumen.

Beispiele für Funktionsbezeichnungen

FunktionsbezeichnungMögliche Investition  z. B.

Vorrichtung oder Werkzeug für die Herstellung von Dosen (u. Ä.)

Produktionsmaschine, Werkzeuge für Reparatur und Wartung

Nutzfahrzeug

Traktor, Lkw, Mähdrescher, Anhänger, Gabelstapler (kein Pkw)

Fahrzeug, das vorrangig der Personenbeförderung

Pkw

Bürotechnik-Gegenstand

Computer, Drucker, Scanner, Faxgerät, Notebook, Telefon, Kopierer

Vorrichtung für die Beseitigung und Entsorgung betrieblicher Abfälle

Sammelbehälter für Abfälle, Reinigungsmaschine

Vorrichtung für die Verbesserung des Raumklimas in den betrieblichen Räumen und Hallen

Klimagerät, Trockengerät (sofern es sich nicht um einen Gebäudebestandteil handelt)

Vorrichtung für die Versorgung des Viehs in einem landwirtschaftlichen Betrieb

Fütterungsanlage, Futterbehälter, Werkzeug für die Futterverteilung

Büroeinrichtungsgegenstand/

Büromöbelstück

Regale, Schreibtisch, Stuhl, Rollcontainer, Dekorationsgegenstand

Praxis-Tipp: Funktionsbezeichnungen sind wichtig

Es sollten möglichst Funktionsbezeichnungen verwendet werden, auch wenn es merkwürdig klingt. Dadurch verschafft sich der Unternehmer bzw. Freiberufler einen größeren Spielraum, weil er bei den Wirtschaftsgütern, die er tatsächlich anschafft, eine größere Auswahl hat.

Neben der Funktion sind auch die voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten anzugeben. Die voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten kann der Unternehmer nur angeben, wenn er sich konkret mit den Investitionen befasst. Es ist sinnvoll wie folgt vorzugehen:

  • Der Unternehmer erstellt zunächst nur für sich eine Liste, in der er die geplanten Investitionen genau bezeichnet, z. B. die Bezeichnungen aus Prospekten oder Internetseiten.
  • Diesen Investitionen ordnet er jeweils die voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu.

Anschließend sollten den geplanten Investitionen Funktionsbezeichnungen zugeordnet werden, die dem Unternehmer einen größeren Spielraum verschaffen. Diese Funktionsbezeichnungen werden dann gegenüber dem Finanzamt verwendet.

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Schlagworte zum Thema:  Investitionsabzugsbetrag, Wirtschaftsgut, Geringwertiges Wirtschaftsgut, Betriebsvorrichtung, Betriebsvermögen, Anlagevermögen, Schwellenwerte, Betriebliche Nutzung, Bildung, Abschreibung, Auflösung

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