31.01.2016 | Top-Thema Investitionsabzugsbetrag: Voraussetzung, Bildung und Auflösung

Bildung, Höhe und Erhöhung eines Investitionsabzugsbetrags

Kapitel
Höhe des Investitionsabzugsbetrags: Maximal 40 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten
Bild: Haufe Online Redaktion

Wie der Investitionsabzugsbetrag berechnet wird, in welcher Höhe Sie ihn ansetzen können, wie eine nachträgliche Erhöhung geltend gemacht werden kann und was bei der Beantragung im Einspruchsverfahren beachtet werden muss, zeigt Kapitel 2.

Der Investitionsabzugsbetrag ist von dem Betrag zu berechnen, den das Wirtschaftsgut voraussichtlich kosten wird.

Höhe des maximalen Ansatzes des Investitionsabzugsbetrags: 40 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten

Er darf maximal 40 % der Anschaffungs- oder Herstellungskosten betragen. Der Unternehmer darf jeden Zwischenwert zwischen 1 EUR und 40 % frei wählen. Ist der Unternehmer zum Vorsteuerabzug berechtigt, ist immer der Nettobetrag als Anschaffungs- oder Herstellungskosten zugrunde zu legen. Der Bruttobetrag ist Bemessungsgrundlage, wenn der Unternehmer steuerfreie Umsätze ausführt, die den Vorsteuerabzug ausschließen.

Praxis-Beispiel: Bildung eines Investitionsabzugsbetrags

Ein Unternehmer plant die Anschaffung eines Firmenwagens für 25.000 EUR + 4.750 EUR Umsatzsteuer = 29.750 EUR. Als Investitionsabzugsbetrag kann er maximal

  • 25.000 EUR x 40 % = 10.000 EUR beanspruchen, wenn er zum Vorsteuerabzug berechtigt ist und
  • 29.750 EUR x 40 % = 11.900 EUR, wenn er, z. B. als Versicherungsvermittler, ausschließlich steuerfreie Umsätze ausführt.

Wichtig: Auf die Funktionsbezeichnung kommt es an
Für jedes einzelne Investitionsvorhaben ist ein eigener Investitionsabzugsbetrag zu bilden. Ein Austausch zwischen den einzelnen Investitionsvorhaben ist nicht zulässig. Aber: Mit der richtigen Funktionsbezeichnung ist es möglich, den Spielraum zu erweitern.

Das zulässige Volumen kann für jedes Wirtschaftsgut unterschiedlich ausgeschöpft werden. Die Gesamtsumme aller Investitionsabzugsbeträge darf den Grenzwert von 200.000 EUR nicht überschreiten.

Praxis-Beispiel: So werden Investitionsabzugsbeträge gebildet

Herr Huber erstellt seinen Jahresabschluss für das Jahr 01 und bildet für folgende Wirtschaftsgüter Investitionsabzugsbeträge:

Bezeichnung der Wirtschaftsgütervoraussichtliche Anschaffungskosten

beanspruchter Betrag max. 40 %

EDV-Technik für Buchführung und Schriftverkehr

3.600 EUR

1.440 EUR

Möbelstücke zur Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen 2 x 1.400 EUR =

2.800 EUR

1.120 EUR

2 Möbelstücke für Sitz- und Schreibgelegenheit (300 EUR + 600 EUR)

900 EUR

360 EUR

Summe

7.300 EUR

2.920 EUR

SKR 03

9970

Investitionsabzugsbetrag § 7g Abs. 1 EStG, außerbilanziell (Soll)

2.920

an

9971

Investitionsabzugsbetrag § 7g Abs. 1 EStG, außerbilanziell (Haben)

2.920

SKR 04

9970

Investitionsabzugsbetrag § 7g Abs. 1 EStG, außerbilanziell (Soll)

2.920

an

9971

Investitionsabzugsbetrag § 7g Abs. 1 EStG, außerbilanziell (Haben)

2.920

Höhe des Investitionsabzugsbetrags

Der Investitionsabzugsbetrag beträgt maximal 40 % der voraussichtlichen Anschaffungskosten. Es kann auch jeder darunter liegende Betrag angesetzt werden.

Praxis-Beispiel: Spielraum für den Ansatz des Investitionsabzugsbetrags

Ein Unternehmer plant, im Jahr 05 eine Computeranlage für 4.000 EUR und ein Firmen-Pkw für 25.000 EUR anzuschaffen, den er seinem Mitarbeiter überlassen wird. Das Volumen für den Investitionsabzugsbetrag, den der Unternehmer ausschöpfen kann, beträgt:

  • für den Firmen-Pkw 25.000 EUR x 40 % = 10.000 EUR
  • für den Computer 4.000 EUR x 40 % = 1.600 EUR
  • zusammen also = 11.600 EUR

Der Unternehmer will seinen Gewinn 03 aber nur um 8.000 EUR mindern. Da die Anschaffung des Firmenwagens Vorrang vor dem Computer hat, bildet er den Investitionsabzugsbetrag wie folgt:

  • für das Firmenfahrzeug = 8.000 EUR

Einen Investitionsabzugsbetrag für den Computer kann der Unternehmer ggf. noch im Rahmen eines Einspruchsverfahrens nachholen, auch wenn er dafür zunächst keinen Investitionsabzugsbetrag gebildet hat.

Erhöhung eines Investitionsabzugsbetrags

Beantragt der Unternehmer einen gewinnmindernden Investitionsabzugsbetrag für ein Wirtschaftsgut, kann er diesen in einem Folgejahr innerhalb des 3-jährigen Investitionszeitraums bis zum gesetzlichen Höchstbetrag aufstocken. Der BFH (Urteil v. 12.11.2014, X R 4/13) hat die Randziffer 6 im BMF-Schreiben vom 20.11.2013 (Az.: IV C 6 -S 2139-b/07/10002) für ungültig erklärt. Es ist also nicht erforderlich, den Investitionsabzugsbetrag von vornherein für das richtige Wirtschaftsgut in der maximalen Höhe geltend zu machen. Ein Investitionsabzugsbetrag, der in einem Jahr gebildet wurde, kann somit im nächsten Jahr weiter aufgestockt werden.

Praxis-Tipp: Bei nicht voll ausgeschöpftem Investitionsabzugsbetrag darf die Differenz nachgeholt werden
Hat der Unternehmer einen Investitionsabzugsbetrag nicht voll ausgeschöpft, dann darf er nach dem vorgenannten Urteil des BFH die Differenz ganz oder teilweise nachholen.

Praxis-Beispiel: Erhöhung des Investitionsabzugsbetrags

Ein Unternehmer beabsichtigt im Jahr 04 einen Firmenwagen zu erwerben, der voraussichtlich 30.000 EUR kosten wird. Da die private Nutzung nicht mehr als 10 % betragen wird, kann der Unternehmer bereits im Jahr 02 einen Investitionsabzugsbetrag von 30.000 EUR x 40 % = 12.000 EUR bilden.

Er darf den Investitionsabzugsbetrag im Jahr 02 auf einen Teilbetrag (z. B. auf 6.000 EUR) begrenzen und hat die Möglichkeit im Jahr 03 den Investitionsabzugsbetrag um 6.000 EUR auf 12.000 EUR zu erhöhen.

Dieselben Grundsätze gelten auch dann, wenn sich die voraussichtlichen Anschaffungskosten erhöhen und der Unternehmer deshalb beantragt, den Investitionsabzugsbetrag für die Differenz in einem späteren Jahr anzuerkennen.

Bildung und Erhöhung eines Investitionsabzugsbetrags im Einspruchsverfahren

Die Bildung eines Investitionsabzugsbetrags setzt eine Investitionsabsicht voraus. Die Finanzverwaltung hatte die Investitionsabsicht immer dann bejaht, wenn der Unternehmer den Investitionsabzug in seiner ursprünglichen Steuererklärung beantragt, oder der Investitionsabzugsbetrag in der erstmaligen Steuerfestsetzung im Rahmen eines Einspruchs nach einem Schätzungsbescheid geltend gemacht wurde.

Probleme gab es jedoch, wenn der Investitionsabzugsbetrag nicht in der ursprünglichen Steuererklärung beantragt wurde. Die Finanzverwaltung ging dann davon aus, dass keine Investitionsabsicht vorhanden war, sodass ein Investitionsabzugsbetrag nicht im Rahmen eines Einspruchs nachgeholt werden konnte. Dem hat der BFH widersprochen (Urteil v. 17.1.2012, VIII R 48/10). Lt. BFH hat der Unternehmer gemäß § 7g EStG ein Wahlrecht, das er unbefristet und bis zur Bestandskraft des Steuerbescheids ausüben kann.

  • Dieses Wahlrecht kann der Unternehmer auch im Rahmen eines Einspruchs (erstmals) ausüben.
  • Bei der Beurteilung, ob es sich um eine «künftige» (geplante) Anschaffung handelt, ist immer auf den Zeitpunkt am Ende des Gewinnermittlungszeitraums abzustellen, für den der Investitionsabzugsbetrag geltend gemacht wird.
  • Es reicht aus, wenn die geplante Investition noch durchführbar und objektiv möglich ist.
  • Der Unternehmer kann einen Investitionsabzugsbetrag auch dann bilden, wenn er das Wirtschaftsgut bereits angeschafft hat, bevor er dafür in seiner Steuererklärung oder in einem nachfolgenden Einspruch einen Investitionsabzugsbetrag geltend gemacht hat.
Wichtig: Beantragung im Einspruchsverfahren möglich

Es ist nicht erforderlich, dass der Unternehmer im Zeitpunkt der Anschaffung die Absicht hatte, einen Investitionsabzugsbetrag in Anspruch zu nehmen.

Das BFH-Urteil ist eindeutig! Der Unternehmer kann einen Investitionsabzugsbetrag auch erstmals im Einspruchsverfahren geltend machen, ohne dass erhöhte Anforderungen an die Investitionsabsicht zu stellen sind. Maßgebend ist (auch bei einem Antrag im Einspruchsverfahren) allein die Absicht, abnutzbare bewegliche (neue oder gebrauchte) Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens anschaffen zu wollen.

Praxis-Tipp: Sorgfältige Planung ist zu empfehlen

Die Finanzverwaltung lässt sich oft viel Zeit damit, BFH-Urteile anzuwenden. Deshalb liegt es im Interesse des Unternehmers, Investitionen sorgfältig zu planen, um den Investitionsabzugsbetrag komplikationslos für das richtige Jahr in der richtigen Höhe geltend machen zu können.


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Schlagworte zum Thema:  Investitionsabzugsbetrag, Erhöhung, Anschaffungskosten, Herstellungskosten, Bildung, Abschreibung, Auflösung

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