Jahreskonferenz Strategie & Transformation 2026

Grenzen der KI: Über den Erfolg Ihrer Strategie entscheiden die Menschen

Wie verändert KI die Strategiearbeit? Die Technologie sorgt zwar für Beschleunigung. Doch an den zentralen Wegpunkten geben Menschen die Richtung vor und entscheiden über Erfolg oder Misserfolg. Bleibt das auch zukünftig so? Diese Fragen diskutierten Prof. Dr. Peter Fankhauser, CEO der Manres AG und Jörg Schönhärl, Partner Strategy & Innovation bei Horváth. 

Panel Frankenhauser

Schönhärl: KI verändert den Strategieprozess

Für Jörg Schönhärl bietet KI vor allem die Chance, den Strategieprozess anders zu gestalten. Analysen, die früher Wochen dauerten, sind schneller verfügbar.  Workshops verschieben sich von der reinen Auswertung hin zur echten Diskussion. „Weniger Analyse und Paralyse“, fasst er zusammen. Entscheidend bleibt aber der Mensch. Jemand muss 

  • KI-Ergebnisse einordnen, 

  • KI-Halluzinationen aussortieren,

  • qualitative Schlüsse ziehen. 

KI könne die Strategieentwicklung demokratisieren, weil sich theoretisch viel mehr Menschen einbringen könnten. Am Ende zähle aber nach wie vor, ob eine Strategie auch wirklich umgesetzt werde.

Fankhauser: Will der Mensch nicht, scheitert jede Strategie

Für Peter Fankhauser, ehemaliger CEO Thomas Cook Group, spielt die menschliche Komponente bei strategischen Entscheidungen eine weitaus größere Rolle. Er illustriert dies mit einem Beispiel. Als junger Sanierer präsentierte er einer Airline ein aus seiner Sicht brillantes Sanierungskonzept. Ein Psychologe bat anschließend alle, die dem neuen Kurs folgen wollten, in eine Ecke des Saals. In Fankhausers Ecke stand am Ende genau eine Person, der Finanzchef. „Das war mein Wendepunkt“, so Fankhauser. Seitdem ist er überzeugt: Strategie gibt die Richtung vor, aber erst die psychologische Aktivierung schöpft das Potenzial der Menschen aus. Der Weg führe „vom Wissen über das Wollen zum Können“. Das Wollen sei ungleich schneller zu erreichen, als alles gegen Widerstände durchzusetzen.

Macht Ihre Strategie Lust auf Zukunft?

Damit Menschen eine Strategie mittragen, muss sie greifbar sein. Fankhauser empfiehlt dem Publikum, Strategiepapiere einfach zu halten: 

  • Kernaussagen auf einer Seite zusammenfassen, 

  • die Vision in ein oder zwei Sätzen darstellen,

  • maximal drei bis vier echte Werte formulieren. 

Wenn niemand die eigene Strategie auswendig kennt, entfaltet sie keine Wirkung. Schönhärl knüpfte daran an und zitierte den Untertitel eines viel beachteten Strategiebuchs: „Strategie muss Lust auf Zukunft machen.“ Sein Test an das Publikum: Das eigene Strategiepapier zur Hand nehme und sich ehrlich fragen, ob es diesen Anspruch erfüllt.

Die Blume blüht am Kopf

Ersetzt KI irgendwann den CEO? Fankhauser hält das für die falsche Frage. Seiner Meinung nach lassen sich das Zwischenmenschliche und die Vorbildfunktion nicht automatisieren. „Vom Moment an, in dem Sie zur Tür hereinkommen, werden Sie beobachtet.“ Für das alte Bild, wonach der Fisch am Kopf zu stinken beginne, hat sein Unternehmen eine positive Variante gefunden: „Die Blume blüht am Kopf“. Dazu gehört für Fankhauser und Schönhärl auch die Freude an der Arbeit. Motivation lasse sich nicht anordnen, so Fankhauser: „Sei du selber motiviert.“ Gefragt sind Teams, die nicht nur nebeneinander, sondern miteinander und füreinander arbeiten.

Potenziale im Unternehmen freisetzen

Organisationen müssen die Menschen finden, die wirklich wollen, so Schönhärl. Es gibt sie in jedem Unternehmen, doch oft werden sie ausgebremst von einem Umfeld, das jede Extrameile hinterfragt. Deshalb gilt: Freiräume geben und Bremsen lösen. Dadurch entsteht Aufwind. Fankhauser ergänzt, dass seine Erfahrung als Berater ihm zeige, wie wenig man als CEO oder Vorstand einen solchen Prozess selbst steuern könne. Man sei zu sehr Teil des Systems. Hilfe von außen, verbunden mit einem sachlichen Thema wie der Strategieentwicklung, setze oft eine überraschend große Energie frei. Das Potenzial im Unternehmen ist fast immer größer als gedacht, man muss es nur aktivieren.

Fazit: Lust auf Zukunft

Zum Schluss bat Moderatorin Johanna Schurff-Netzhammer die beiden um je einen Satz. Fankhausers Appell: „Habt Lust auf Zukunft, und kommt mit genau dieser Haltung morgens ins Büro". Schönhärl wählte einen anderen Weg und riet dem Publikum, aus den vielen Impulsen des Tages eine einzige Aussage mitzunehmen und sie wirklich umzusetzen. Beide Botschaften liefen auf dasselbe hinaus: KI verändert die Strategiearbeit spürbar, doch Richtung, Energie und Umsetzung entstehen weiterhin durch Menschen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Unternehmenssteuerung unter wirtschaftlichem Druck: Was robuste Unternehmen anders machen

0 Kommentare
Sie haben noch keinen Text eingegeben.
Noch keine Kommentare - teilen Sie Ihre Sicht und starten Sie die Diskussion