Jahreskonferenz Strategie & Transformation 2026

Wie traditionelles Handwerk dank digitaler Transformation erfolgreich bleibt

Traditionelles Möbelhandwerk trifft auf volatile Märkte und veränderte Kundenerwartungen. Bei Walter Knoll AG & Co. KG sorgen Automatisierung, Digitalisierung und klar definierte Prozesse dafür, dass qualitativ hochwertige Handwerkskunst am Standort Deutschland zukunftsfähig bleibt. Das Familienunternehmen hat seinen ganz eigenen Weg der digitalen Transformation gefunden und setzt beim Einsatz von KI und digitalen Produkttechnologien auf pragmatische Lösungen.

Benz

Tradition neu denken: Walter Knoll im Wandel

Möbelhandwerk ist Teil ihrer DNA. Der Vater von Mara Benz übernahm Walter Knoll im Jahr ihrer Geburt, als Kind fuhr sie sonntags mit dem Cityroller durch die Werkshallen. Heute verantwortet sie als CFO die internen Prozesse der Walter Knoll AG & Co. KG. Auf der Jahreskonferenz Strategie & Transformation sprach Benz darüber, wie ein traditionsreiches Familienunternehmen seine Herkunft bewahrt und gleichzeitig neue Antworten auf volatile Märkte, veränderte Kundenerwartungen und digitale Möglichkeiten findet.

Neue Märkte, neue Erwartungen

Rund 70 Prozent der Produkte von Walter Knoll gehen ins Ausland. Entsprechend stark wirken sich geopolitische Unsicherheiten und unterschiedliche Marktdynamiken auf das Geschäft aus. Für das Unternehmen bedeutet das: Märkte flexibel priorisieren und schnell auf Veränderungen reagieren. Gerade hier kann die mittelständische Struktur ein Vorteil sein, weil Entscheidungen vergleichsweise schnell getroffen und umgesetzt werden können. Zugleich verändern sich die Erwartungen der Kundinnen und Kunden. Ein hochwertiges Produkt und gutes Leder allein reichen nicht mehr aus. Walter Knoll muss stärker vermitteln, warum die Produkte relevant sind, welches Lebensgefühl sie verkörpern und wie sie in moderne Wohn- und Arbeitswelten passen. Besonders mit Blick auf jüngere Generationen wird Marke damit zu einer Frage von Haltung, Relevanz und emotionaler Anschlussfähigkeit.

Handwerk als Stärke und Kostenfaktor

Der Standort Deutschland ist für Benz zugleich Wettbewerbsvorteil und Herausforderung. Die Handwerkskunst im Schwarzwald, das regionale Cluster aus Holzverarbeitung und hochwertiger Lederverarbeitung sowie die duale Ausbildung eigener Polsterer, Näher:innen und Schreiner:innen prägen die Qualität der Produkte. „Unsere Produkte entstehen in echter Handarbeit, Roboter gibt es dafür noch nicht.“ International genießt diese handwerkliche Kompetenz hohe Anerkennung. Die Konsequenz: Dort, wo es um das eigentliche Handwerk geht, bleibt die menschliche Expertise zentral. Überall dort, wo Prozesse standardisiert, vereinfacht oder automatisiert werden können, muss das Unternehmen effizienter werden. Digitalisierung wird damit nicht zum Ersatz für Handwerk, sondern zur Voraussetzung, um es langfristig am Standort Deutschland erhalten zu können.

KI im Alltag statt als Großprogramm

Beim Thema Künstliche Intelligenz stehen konkrete Anwendungsfälle im Mittelpunkt, die schnell Wirkung zeigen. Dazu gehören beispielsweise eine KI-gestützte Spesenabrechnung oder ein Controlling-Dashboard, das klassische Monatspräsentationen ersetzt. Eine monatliche KI-Taskforce steht allen Mitarbeitenden offen, die eigene Ideen einbringen möchten. Wer einen sinnvollen Use Case mitbringt, kann direkt mit passenden Tools arbeiten. Entscheidend ist für Benz, den Mehrwert sichtbar zu machen. So entsteht Akzeptanz auch bei Mitarbeitenden, die neuen Technologien zurückhaltend gegenüberstehen. Gleichzeitig zeigt sich: Automatisierung funktioniert nur, wenn Prozesse vorher klar definiert sind. KI ist damit nicht nur eine Technologiefrage, sondern auch ein Hebel, um interne Abläufe zu standardisieren und transparenter zu machen.

Digitale Technologie dort, wo sie Wert schafft

Im Kern bleibt Walter Knoll ein Unternehmen für physische, handwerklich gefertigte Produkte. Ein Sessel soll Wärme, Qualität und Wohlbefinden vermitteln; Technologie wird nicht um ihrer selbst willen integriert. Wo digitale Lösungen künftig Mehrwert bieten, etwa in hochwertigen Konferenzumgebungen, setzt das Unternehmen auf starke Partner statt auf eigene Technologieentwicklung. Diese Haltung zeigt eine klare strategische Fokussierung: Walter Knoll muss nicht in jeder Technologie selbst führend sein. Die eigene Stärke liegt im Handwerk, im Design und in der Gestaltung hochwertiger Räume. 

Fazit: Transformation mit Augenmaß

Tradition und Transformation müssen kein Widerspruch sein. Für Walter Knoll bedeutet Wandel nicht, die eigene Herkunft hinter sich zu lassen, sondern sie zukunftsfähig zu machen. Mara Benz setzt dabei auf gezielte Weiterentwicklung statt Wachstum um jeden Preis. Bestehende Strukturen werden hinterfragt, Prozesse professionalisiert und digitale Möglichkeiten pragmatisch genutzt. Die Nähe im Familienunternehmen kann dabei ein Vorteil sein: Entscheidungen entstehen schnell, manchmal auch informell. Entscheidend bleiben jedoch zwei strategische Leitfragen: Wo schafft Veränderung echten Mehrwert und wo sollte das Unternehmen seine handwerkliche Identität bewusst bewahren?

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