Unternehmenssteuerung unter wirtschaftlichem Druck: Was robuste Unternehmen anders machen
Warum manche Unternehmen Krisen besser bewältigen als andere
Steigende Kosten, volatile Märkte, geopolitische Unsicherheiten und anhaltender Transformationsdruck prägen derzeit den Unternehmensalltag. Doch während einige Unternehmen trotz dieser Herausforderungen stabil bleiben, geraten andere zunehmend unter Druck. Worin liegt der Unterschied?
Eine gemeinsame Studie des Centre for Performance Management & Controlling an der Frankfurt School of Finance & Management und der Restrukturierungsberatung Struktur Management Partner (SMP) liefert hierzu interessante Hinweise. Befragt wurden 181 Führungskräfte aus den Unternehmensbereichen Geschäftsführung, Finanzen, Controlling und Produktion in unterschiedlichen Branchen in Deutschland. Ziel war es, Zusammenhänge zwischen Unternehmenssteuerung, Controlling, organisationaler Resilienz und der Krisenanfälligkeit von Unternehmen zu identifizieren.
Bereits ein erster Befund macht die Relevanz des Themas deutlich: Nur rund ein Drittel der untersuchten Unternehmen befindet sich in einem robusten Zustand. Zwei Drittel gelten als latent krisengefährdet oder bereits krisenbehaftet.
Die entscheidende Frage lautet daher: Was machen robuste Unternehmen bezüglich Ihrer Unternehmens-Steuerung anders?
Starke Steuerung beginnt nicht bei Kennzahlen
72 % der robusten Unternehmen verfügen über ein stark ausgeprägtes Steuerungssystem. Bei latent krisengefährdeten Unternehmen liegt dieser Anteil nur bei 55 %, bei krisenbehafteten Unternehmen sogar nur bei 49 % (s. Abb. 1).
Interessanterweise liegen die größten Unterschiede nicht bei Kennzahlensystemen, sondern bei organisatorischen und strukturellen Faktoren.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass erfolgreiche Unternehmenssteuerung vor allem Orientierung schafft. Sie sorgt dafür, dass Entscheidungen schnell getroffen werden können, Verantwortlichkeiten klar geregelt sind und Informationen dort ankommen, wo sie benötigt werden.
| Wie genau sich Steuerungssysteme ganzheitlich gestalten lassen und was dabei die Erfolgsfaktoren für robuste Unternehmen sind, lesen Sie im Controller Magazin, Ausgabe 5 September 2026. |
Controlling wird zum Instrument der Führung
Auch beim Controlling zeigt sich ein klares Muster dahingehend, in welcher Art und Weise robuste Unternehmen Controlling einsetzen: Sie nutzten Controlling sowohl diagnostisch als auch interaktiv stärker als krisenbehaftete Organisationen.
Unterschiede bei Diagnostik und Interaktion
Diagnostisch bedeutet dies, dass Zielerreichung und Abweichungen im Sinne von Messwerten stärker kontrolliert werden. In dem Zusammenhang ist interessant, dass robuste Unternehmen nicht mehr KPIs zur Messung und Kontrolle einsetzten als krisenbehaftete Unternehmen. Finanzielle und strategische KPIs werden von Unternehmen aller Krisenkategorien ähnlich stark eingesetzt. Der Unterschied liegt vielmehr in der Perspektive der Steuerung. Die Ergebnisse zeigen, dass robuste Unternehmen bei steuerungsrelevanten KPIs stärker auch Kunden-, Mitarbeiter- und Entwicklungsperspektiven einbeziehen, während krisenbehaftete Unternehmen häufiger unter dem Druck kurzfristiger Ergebnis- und Liquiditätsziele stehen und so z.B. einen höheren Fokus auf Cashflow (50 % vs. 32 %), EBITDA (53 % vs. 43 %) und Liefertermintreue (45 % vs. 22 %) legen.
Stärken robuster Unternehmen im Detail
Darüber hinaus setzen robuste Unternehmen dieselben Informationen aus Ihrem Steuerungssystem auch stärker interaktiv ein als krisenbehaftete Unternehmen. Das bedeutet, dass Daten nicht nur gemessen, berichtet und ausgewertet werden, sondern auch systematisch (bereichsübergreifend) diskutiert, abgestimmt und reflektiert werden (s. Abb. 2).
Besonders deutlich zeigt sich dies in einer gemeinsamen Diskussion von langfristigen Zielen und in einer Reflektion von strategischen Entscheidungen bei Budgetabweichungen
Damit erfüllt Controlling in robusten Unternehmen nicht nur eine Berichtsfunktion. Es wird stärker als Führungs- und Entscheidungsinstrument genutzt.
Robuste Unternehmen fallen in der Konsequenz durch eine signifikant höhere Unternehmens-Resilienz auf. Die Detailanalyse der Resilienz-Faktoren legt offen, dass Unternehmens-Resilienz dort entsteht, wo Führung, Planung, Kommunikation und Zusammenarbeit systematisch funktionieren.
Betrachtet man die Gesamtheit aller Dimensionen der Unternehmens-Resilienz, so erreichen robuste Unternehmen einen Gesamt-Resilienzwert von 70 %. Latent krisengefährdete Unternehmen liegen mit 49 % bereits signifikant darunter, krisenbehaftete Unternehmen erreichen lediglich 45 %.
Fazit: Krisenfestigkeit entsteht lange vor der Krise
Die Studie zeigt ein bemerkenswert konsistentes Bild. Robuste Unternehmen unterscheiden sich nicht durch einzelne Kennzahlen, Tools oder Managementmoden. Entscheidend ist vielmehr die Qualität des Zusammenspiels.
Wo Ziele klar sind, Verantwortlichkeiten eindeutig geregelt werden, Kommunikation funktioniert und Controlling sowohl Kontrolle als auch Reflexion ermöglicht, entstehen gleichzeitig höhere Resilienzwerte und eine geringere Krisenanfälligkeit.
Für Controller, CFOs und Führungskräfte liegt darin eine wichtige Botschaft: Krisenfestigkeit beginnt nicht erst dann, wenn Liquidität knapp wird oder Ergebnisse unter Druck geraten. Sie entsteht deutlich früher – durch eine Unternehmenssteuerung, die Orientierung schafft, Anpassungsfähigkeit fördert und Organisationen handlungsfähig hält.
| Veranstaltungshinweis: CPMC Expert Talk "Finance Transformation: Vom Zahlenlieferanten zum Steuerungspartner" |
Im CPMC Expert Talk am 22.09.2026 stellen Alexander Witt und Lukas Drölle von Struktur Management Partner die zentralen Ergebnisse der Studie vor. Dabei geht es insbesondere um die Frage, wie Finance über Reporting und Planung hinaus einen aktiveren Beitrag zur Unternehmenssteuerung leisten kann und welche Voraussetzungen eine Organisation dafür schaffen muss. Termin: 22.09.2026, 12.30 – 13.30 Uhr |
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