Jahreskonferenz Strategie & Transformation 2026

KI als Katalysator: Anwendung entscheidet über das Wachstum, nicht die Strategie

„Execution eats strategy for breakfast.“ Man kann lange darüber diskutieren, was mit KI theoretisch möglich wäre. Den Unterschied macht am Ende die Anwendung. Wer nur bestehende Prozesse digitalisiert, digitalisiert im Zweifel auch das, was vorher schon schlecht lief. Dr. Julian Mattes liefert zwei überzeugende Beispiele dafür, wie KI-Einsatz bei Standardprozesse zu echten Leistungssprüngen verhilft. 

Mattes

Bei KI entscheidet die Umsetzung über den Vorsprung

Leistungsfähige KI-Modelle sind verfügbar. Entscheidend ist nicht, ob Unternehmen die Technologie einsetzen, sondern was sie daraus machen. Als Investor arbeitet Matthes eng mit Unternehmen zusammen, die KI im Alltag nutzen. Seine Perspektive auf deren KI-Nutzung verdeutlicht er mit einem Bild aus dem Sport: Das Upgrade vom alten Tourenrad auf ein modernes Zeitfahrrad hat das Potenzial für erhebliche Leistungssteigerungen. Dass es das moderne Fahrrad gibt, ist ein Fakt. Ebenso lässt sich die Leistungssteigerung, die es verspricht, nicht von der Hand weisen. Entscheidend ist nur, wie gut man damit fährt.

Beispiel 1: Von acht Stunden auf 60 Minuten 

Ein konkretes Beispiel für Leistungssteigerung durch KI ist die Übertragung eines juristischen Dokuments in eine strukturierte Excel-Logik. Diese Aufgabe kostete einen Mitarbeitenden rund acht Stunden. Mit einem aktuellen KI-Modell dauert derselbe Vorgang etwa eine Stunde; die anschließende Prüfung ergibt keine Fehler. Damit geht es nicht nur um Geschwindigkeit, sondern auch um Qualität. Der KI-Effekt zeigt sich längst nicht nur bei operativen Aufgaben, sondern greift ebenso bei Führungs-, Investitions- und Entscheidungsprozessen.

Beispiel 2:  Weg vom (Haus-)Verwalten, hin zum Menschen 

Wie groß der KI-Hebel im Kerngeschäft sein kann, zeigt Mattes am Beispiel einer Hausverwaltung. Ein KI-gestützter Bot nimmt Anliegen strukturiert auf, dokumentiert sie fehlerfrei, ordnet sie der richtigen Liegenschaft zu und stößt die nächsten Schritte automatisch an. Da ein großer Teil der Anfragen standardisiert ist, verändert sich damit die ökonomische Logik des Geschäfts. Für Hausverwaltungen, die häufig mit niedriger Kundenzufriedenheit zu kämpfen haben, kann der KI-Einsatz einen neuen Zugang zu Immobilien und Menschen schaffen. Rund um diesen Kontakt lassen sich zusätzliche Services wie Versicherungen, Energie oder weitere immobiliennahe Leistungen orchestrieren. Der Fokus auf reine Verwaltungsaufgaben entfällt.

Vom Effizienzhebel zum Geschäftsmodell

Der eigentliche Hebel liegt für Mattes nicht allein in der Effizienz. Größer wird der strategische Mehrwert dort, wo Unternehmen ihr Geschäftsmodell neu denken. Die entscheidende Frage ist damit nicht, ob ein Unternehmen KI einsetzt, sondern was es für Kunden erreichen will und wo Mensch und Maschine künftig sinnvoll zusammenspielen. Wer die Werkzeuge täglich nutzt, testet und weiterentwickelt, baut einen Vorsprung auf, der sich nicht allein aus der Technologie ergibt.

Fazit: Execution macht den Unterschied

Wirkung entsteht erst, wenn Unternehmen ins Tun kommen. KI ist damit ein Katalysator, kein reines Effizienztool. KI zwingt Unternehmen, neu zu fragen, wofür sie stehen, welchen Wert sie schaffen wollen und wie konsequent sie diesen Anspruch umsetzen.

 

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