Wachstum mit Verantwortung: Adelholzener denkt Strategie neu
Der Mineralwasserhersteller aus dem bayerischen Chiemgau steht seit über hundert Jahren im Eigentum der Barmherzigen Schwestern. Diese Herkunft prägt bis heute das Selbstverständnis des Unternehmens: Wirtschaftlicher Erfolg soll nicht kurzfristig maximiert, sondern langfristig verantwortungsvoll gestaltet werden. „Wir denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen.“, so Peter Lachenmeir, CEO der Adelholzener Alpenquellen GmbH. Für ihn verschiebt sich damit die strategische Perspektive: Entscheidend ist nicht allein, wie viel Wachstum möglich ist, sondern welches Wachstum tatsächlich Wert schafft. Wachstumsgrenzen werden bei Adelholzener nicht ausgeblendet, sondern bewusst gestaltet. Das bedeutet konkret:
Qualität vor Quantität,
Verantwortung vor kurzfristigen Rekorden,
Wachstum, das Marke, Ressourcen und operative Umsetzbarkeit zusammenbringt.
Starke Marken als Fundament
Mit Adelholzener, Active O2 und St. Primus führt das Unternehmen drei Marken, die über Jahrzehnte kontinuierlich entwickelt wurden. Jede Marke verbindet ein funktionales Leistungsversprechen mit einer klaren Positionierung: von der Herkunft aus den Alpen über eine aktive Lifestyle-Zielgruppe bis hin zum Heilwasser mit gesundheitlichem Nutzen. Diese Kontinuität schafft Vertrauen. „Eine Marke muss ins Herz gehen“, so Lachenmeir. Gerade bei Produkten des täglichen Bedarfs wird Marke damit zu einem zentralen Differenzierungsfaktor. Kaufentscheidungen fallen nicht ausschließlich rational; Herkunft, Qualität und Glaubwürdigkeit spielen eine wichtige Rolle.
Wo klassisches Wachstum an Grenzen stößt
Gleichzeitig zeigen sich die Grenzen eines rein mengengetriebenen Wachstums. Adelholzener arbeitet mit einer natürlichen Ressource, die über lange Zeiträume entsteht und nicht beliebig vermehrbar ist. Auch zusätzliche Abfüllkapazitäten lassen sich nicht kurzfristig schaffen. Sie benötigen Fläche, Genehmigungen, Wasserrechte und passende infrastrukturelle Voraussetzungen. Im engen Tal des Chiemgaus ist Expansion zudem räumlich begrenzt.
Damit wird Wachstum zur strategischen Abwägung: zwischen Nachfrage, Marke, Ressourcenschutz und operativer Leistungsfähigkeit. Mehr Volumen ist nicht automatisch die beste Antwort.
Regulatorik, Kosten und Stakeholder
Zu den natürlichen Grenzen kommen externe Anforderungen hinzu. Verpackungsvorgaben, Diskussionen um Wasserentnahme, langwierige Genehmigungsverfahren, steigende Energie- und Rohstoffkosten sowie die Einkaufsmacht großer Handelspartner erhöhen den Druck. Der Dialog mit Kommunen, Behörden, Politik sowie Bürgerinnen und Bürgern wird damit zu einer wichtigen Managementaufgabe. Gleichzeitig gewinnt operative Verlässlichkeit an Bedeutung. Lieferfähigkeit ist nicht nur eine Frage der Produktion, sondern Teil des Leistungsversprechens gegenüber Handel und Konsumenten. Entsprechend rücken Portfoliosteuerung, Operations Excellence und eine abgestimmte Sales-and-Operations-Planung stärker in den Fokus.
Von Volumen zu Wert
Aus diesen Anforderungen leitet Adelholzener gemeinsam mit Horváth eine neue strategische Balance ab. Nicht jede mögliche Menge wird automatisch mitgenommen. Entscheidend ist, welche Produkte, Kanäle und Kundenbeziehungen langfristig auf Marke, Profitabilität und Lieferfähigkeit einzahlen. Wachstum wird damit selektiver gesteuert. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie:
Welche Sortimente stärken die Marke?
Welche Produkte sind wirtschaftlich attraktiv?
Welche Kanäle lassen sich zuverlässig bedienen?
Und wie kann das Unternehmen wachsen, ohne die eigene Ressource und Organisation zu überfordern?
Fazit: Richtig wachsen statt einfach mehr
Wachstum bleibt für Adelholzener wichtig. Doch die Maßstäbe verschieben sich: von Menge zu Wertbeitrag, von Expansion zu Verlässlichkeit, von kurzfristiger Nachfrage zu langfristiger Balance.