DGUV-Information zu gesunden Schulen: Belastungsmanagement in schwierigen Zeiten
Die DGUV Information 202-096 „Gelingensbedingungen für die Entwicklung guter gesunder Schulen“ wurde 2014 erarbeitet und 2017 als DGUV Information 202-096 offiziell veröffentlicht. Sie hat seitdem aber nichts an Aktualität verloren, denn die Situation an deutschen Schulen hat sich seit 2017 eher verschlechtert als verbessert - auch in Hinsicht auf die Belastung und die Gesundheit von Lehrkräften.
Relevanz und Aktualisierungsbedarf
Die zugrundeliegende Systematik der DGUV Information, die Koppelung von Gesundheitsförderung mit Qualitätsentwicklung sowie der dreiphasige Organisationsentwicklungsprozess (Planungs- und Start-Phase, Interventionsphase, Stabilisierungsphase), ist nach wie vor ein Fundament, auf dem Schulen aufbauen können und sollten. Diese Herangehensweise ist gerade aufgrund der gewaltigen Veränderungen seitdem, der akute aktuelle Lehrmangel und die damit verbundenen gesundheitlichen Mehrbelastungen seien an dieser Stelle nur als ein Beispiel von vielen genannt, immer noch zielführend. Anpassungen an heutige Verhältnisse sind allerdings dennoch vonnöten. Die damals modellierten Belastungsgrenzen in Schulprojekten beruhten beispielsweise auf den zu der Zeit noch stabilen Personaldecken, die man auch für die kommenden Jahre annahm. Der Fokus sollte daher vermehrt auf akuter Resilienz und Ressourcensteuerung bei konstanter personeller Unterbesetzung, als, wie damals, auf rein langfristige Projekte gelegt werden.
Ziele des Leitfadens
Der Leitfaden hilft Schulen dabei, systematische gesundheitsbezogene Schulentwicklungsprozesse zu initiieren und umzusetzen. Die Diagnoseinstrumente des Leitfadens dienen dazu, die Startbedingungen von Schulen für die erfolgreiche Durchführung von sogenannten Setting-Projekten genau zu konzipieren. So kann bereits vor dem Beginn festgestellt werden, ob ein Vorhaben von einer Schule erfolgversprechend umgesetzt werden kann und welchen spezifischen Unterstützungsbedarf die einzelnen Schulen haben. Die DGUV Information versteht unter Setting- oder Gelingensbedingungen die strukturellen und kulturellen Ausgangs- und Rahmenbedingungen einer Schule, die darüber entscheiden, ob ein Schulentwicklungs- oder Gesundheitsprojekt erfolgreich umgesetzt werden kann.
Hintergrund
Die DAK-Gesundheit und die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen haben seit 2003 mehrere Modellprojekte zur Förderung der Lehrer- und Schülergesundheit und der Schulqualität durchgeführt: An diesen Projekten haben sich insgesamt 52 allgemeinbildende und berufsbildende Schulen beteiligt. Die Evaluationsergebnisse belegten, dass der Erfolg dieser Setting-Projekte stark variiert. In einigen der beteiligten Schulen konnten wesentliche Verbesserungen erzielt werden, in anderen keine oder nur wenige. Weitere Analysen haben gezeigt, dass der Erfolg von umfassenden und tiefgreifenden Entwicklungsprozessen in Schulen von der Art der Gestaltung der Veränderungsprozesse abhängt.
„Salutogene“ Schulführung entscheidend
Die Gesundheit von Lehrkräften, so fand die Untersuchung der DAK und der Unfallkasse NRW darüber hinaus heraus, ist eng mit der Unterrichtsqualität und dem Lernerfolg der Schüler verknüpft. Schulleitungen spielen eine Schlüsselrolle, indem sie durch Wertschätzung, Beteiligung und gesundheitsbewusste Führung (salutogene Führung) entlastend wirken. Aus der Perspektive von Lehrkräften wären laut den an den Projekten beteiligten Forschern folgende Faktoren entscheidend, damit Schulentwicklung von den Lehrkräften nicht als zusätzliche Belastung, sondern als Entlastung und gesundheitlicher Gewinn erlebt wird:
- Lehrkräfte benötigen eine Schulleitung, die Wertschätzung zeigt, transparente Ziele setzt und aktiv ein gesundes Arbeitsklima fördert, statt nur Druck auszuüben.
- Entscheidungen dürfen nicht ‚von oben‘ überstülpt werden. Lehrkräfte müssen in Veränderungsprozesse einbezogen werden, um das Gefühl von Selbstwirksamkeit und Kontrolle über den eigenen Arbeitsalltag zu behalten.
- Gegenseitige Unterstützung im Kollegium und gemeinsames Bewältigen von Problemen, zum Beispiel bei herausfordernden Klassen oder pädagogischen Projekten, federn akute Belastungen ab.
- Da Lehrkräfte oft unter Erschöpfung leiden, ist eine klare Priorisierung und Begrenzung von Aufgaben eine elementare Bedingung für gesundes Arbeiten.
- Im Fokus muss die Verhältnisprävention stehen, also die tatsächliche Verbesserung von Arbeitsbedingungen, Zeitmanagement, Teamstrukturen sowie dem Umgang mit Belastungen.
Die DGUV Information 202-096 finden Sie hier.
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