Zukunftsmacher: Impact-Start-ups, die wirken

Ark Climate: Software hilft Städten, Klimaschutz effizient umzusetzen


Software hilft Städten, Klimaschutz effizient umzusetzen

Städte sind zentral für den Klimaschutz. Doch wirken ihre Maßnahmen, wie z.B. Förderprogramme, überhaupt? Und wie lässt sich die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Interessengruppen koordinieren? Eine ehemalige McKinsey-Beraterin unterstützt Städte bei der Planung und Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen. Dazu hat sie eine Software gebaut, die genau auf deren Bedarfe zugeschnitten ist.

Wie kann eine Kommunalverwaltung den Klimaschutz in ihrer Stadt vorantreiben? Bei dieser Aufgabe unterscheiden sich Städte in einem Punkt ganz besonders von Unternehmen: Die meisten Maßnahmen setzt nicht die Stadt um, sondern die Bürger:innen und Unternehmen. Und so steht die Kommune vor einem großen Problem: Wie motiviert sie Bürger:Innen und Unternehmen zum Klimaschutz? Welche Maßnahmen wirken sich wie aus? In Städten stellen die Emissionen durch Wohnen und Verkehr den größten Teil der Emissionen. Klimaschutz ist deshalb ein Thema, das weit über die Grenzen der einzelnen Städte hinausgeht.  

Ruth Bosse

Ruth Bosse begegnete diesem Problem bereits als Beraterin bei McKinsey. Nach ihrem Studium von Mathematik und Informatik baute sie dort in einem Team die Klimaschutzberatung auf. Dabei widmete sich vor allem dem öffentlichen Sektor, einem Bereich, den sie schon von Kind an kennt. Beide Eltern waren Kommunalpolitiker, der Vater Bürgermeister, sie selbst engagierte sich seit ihrem 13. Lebensjahr in der Kommunalpolitik.  

Steckbrief:

Ark Climate,

Sitz: München 
Gründer: Ruth Bosse 
Gründungsjahr: 2024 
Teamgröße: 12 
Geschäftsidee: Ark Climate unterstützt Städte, Gemeinde und Landkreise, datenbasierte Entscheidungen zu treffen, reibungslos zusammenzuarbeiten, Fortschritte sichtbar zu machen und so den Klimaschutz in Gemeinden effektiver umzusetzen. 
Investoren: Satgana,  another.vc, Voyagers Climate-Tech Fund, Triple Impact Ventures, Angel Investoren (Gründer:innen und Expert:innen) 
Zielgruppe: öffentliche Verwaltungen 

www.ark-climate.de 

"Warum dauert es so lange?" 

"Ich habe damals sehr schnell gesehen, dass wir im kommunalen Sektor relativ genau wissen, wo die größten Herausforderungen beim Klimaschutz liegen: Der Autoverkehr war ein Riesenproblem, Radwege waren nicht attraktiv, Heizungen der Gebäude nicht effektiv genug, Fernwärmenetze zu wenig genutzt und auf den Dächern gab es zu wenig Photovoltaikanlagen", erzählt Bosse. Gleichzeitig fragte sie sich: "Wenn wir so genau wissen, wo die Probleme liegen und wir eigentlich wissen, wie sie zu lösen sind: Warum dauert es dennoch so lange?" Sie sprach mit vielen Menschen, die vor Ort an diesem Thema arbeiteten. Und es zeigten sich vor allem zwei Probleme: 

Erstens: Es gibt viele mögliche Maßnahmen zum Klimaschutz, die Städte anstoßen könnten. Aber Verwaltungen können oft nur schwer einschätzen, welche Maßnahme genau zu welchem Ziel führt. Hilft z.B. eine Förderung von PV-Anlagen, dass mehr Sonnenenergie auf den Dächern eingefangen wird – oder errichten die Anlagen nur jene Menschen, die es ohnehin schon geplant hatten und sich nur über einen Zuschuss freuen?  
Zweitens: Die Fülle der Beteiligten macht es schwierig, Maßnahmen schnell voranzutreiben: Bürger, Verwaltung, Politik und Unternehmen müssen motiviert und eingebunden werden. "Sie alle mitzunehmen, zieht sich oft über Jahre", sagt Bosse.  
Parallel zu ihrer Arbeit als Beraterin arbeitete Bosse in ihrer Promotion an einem Modell, das berechnete, welchen Einfluss die Einführung der CO2-Steuer haben könnte. Für Bosse passten die Probleme der Städte und das Thema ihrer Promotion hervorragend zusammen. Sie entschloss sich, ihren Beraterjob zu kündigen und die Promotion zu pausieren, um ihr eigenes Unternehmen zu gründen: Ark Climate. ​​​​ 

Schlüssel ist eine Software 

Die Plattform unterstützt Städte beim Klimaschutz, indem sie alle relevanten Akteure in einem zentralen Tool zusammenbringt und dabei hilft, die Wirkung von Klimaschutzmaßnahmen realistisch einzuschätzen. So können Klimaschutzabteilungen ihre Maßnahmen priorisieren und die Zusammenarbeit effizient gestalten. 

Ark Climate Graph

Zusätzlich unterstützt die Software bei der Auswertung von Emissionsdaten und bietet einen Rechner, der simuliert, wie sich politische Maßnahmen, wie zum Beispiel Förderprogramme, auswirken. Dadurch können Städte ihre Ressourcen gezielter einsetzen und datenbasierte Entscheidungen treffen. Zudem können Kommunen ihre Klimaschutzmaßnahmen und den Umsetzungsstand transparent an die Bürger:innen und Politik kommunizieren ​​. Daneben bietet Bosse klassische Beratungsarbeit an und entwickelt gemeinsam mit Kommunen Strategien, um ihre Klimaziele zu erreichen.  

Das Angebot trifft einen Nerv. 2024 gegründet, zählen heute schon 43 Städte zum Kundenkreis von Ark Climate. Der Schwerpunkt liegt auf Städten, Gemeinden und Landkreisen ab 20.000 Einwohner:innen. Den Großteil machen Mittelstädte und Landkreise aus. Aber auch Großstädte wie Solingen oder Kassel und Bezirke wie Berlin Friedrichshain-Kreuzberg sind dabei. Unterstützt werden sie von mittlerweile zwölf Mitarbeiter:innen. Bisher hat Bosse rund 2,1 Mio. Euro von Privatinvestoren aus der Gründer- und Klimaszene sowie an öffentlichen Geldern eingesammelt. Sie rechnet damit, dass sich ihr Unternehmen spätestens ab dem vierten Quartal selbst trägt.  

Ark Climate soll weiter wachsen 

Für die Zukunft hat die Gründerin konkrete Pläne. Sie möchte durch KI den Städten helfen, die richtigen Maßnahmen zu identifizieren und ihnen Best Practices sowie die richtigen Umsetzungspartner an die Hand geben. Die Software soll künftig auch auf weitere Aufgaben der Kommune ausgeweitet werden. Aktuell läuft die Entwicklung von Anwendungen für die Klimawandelanpassung. Den Bedarf nach besseren Kooperationstools hat Bosse in vielen Bereichen der Rathäuser gesehen. Gleichzeitig will sie an der Internationalisierung von Ark Climate arbeiten, da innerhalb der EU viele Kommunalverwaltungen vor ähnlichen Problemen stehen. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels rechnet Bosse damit, dass eine Software wie Ark Climate in Verwaltungen besonders dringend gebraucht wird.  

"Am Ende geht es darum, dass Kommunen nicht mehr im Nebel stochern müssen", sagt Bosse. "Sie sollen genau wissen: Wenn wir hier 100.000 Euro investieren, sparen wir dort soundso viel CO2 ein." Besonders hilfreich in Zeiten, wo Klimaschutz immer dringender und das Geld dafür eher knapper wird.  

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