VSME-Nachhaltigkeitsbericht

Zwischen Flexibilität und Ambition: der VSME-Nachhaltigkeitsbericht von Kirchhoff Consult


VSME Nachhaltigkeitsbericht Kirchhoff Consult

Nachhaltigkeit strategisch verankern und transparent kommunizieren – Kirchhoff Consult zeigt mit dem VSME-Standard, wie das gelingen kann. Im Interview erklärt ESG-Consultant Tori Weißenborn, wie ein KMU den Bericht erfolgreich umsetzt, zeigt aber auch die Grenzen des Standards auf.

Nachhaltigkeitsberichte sind längst nicht mehr nur ein Pflichtprogramm für Großunternehmen – auch kleine und mittelständische Betriebe setzen zunehmend auf strukturierte Nachhaltigkeitskommunikation. Kirchhoff Consult, eine Kommunikations- und Strategieberatung für Finanzkommunikation und ESG, hat kürzlich ihren ersten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Dieser orientiert sich am Voluntary Sustainability Reporting Standard for Non-Listed SMEs (VSME). Mit einer zertifizierten Klimabilanz und einem wissenschaftlich fundierten Klima-Transitionsplan geht die Organisation bewusst über die Mindestanforderungen hinaus. Damit will man, wie ESG-Consultant Tori Weißenborn verrät, zeigen, dass auch ein KMU messbare Beiträge zur Klimatransformation und zu einer transparenten Unternehmensführung leisten kann.

Frau Weißenborn, Kirchhoff Consult hat kürzlich seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht, der auf dem VSME-Standard basiert. Warum fiel Ihre Wahl auf diesen Standard?

Wir wollten Erfahrung mit dem VSME-Standard sammeln, da er für viele unserer Kunden immer relevanter wird. Durch die eigene Anwendung haben wir wertvolle Einblicke gewonnen, von denen wir bei der Beratung unserer Kunden profitieren. Nachhaltigkeit ist für uns aber nicht nur ein Beratungsthema, sondern fest in unserer Unternehmensstrategie verankert. Deshalb haben wir auch einen 1,5 °C-konformen Klima-Transitionsplan entwickelt. Der VSME-Standard wurde von der EU speziell für KMU empfohlen und passt mit unseren 75 Mitarbeitenden perfekt zu uns. Inhaltlich ist der Standard anschlussfähig an die ESRS, da die geforderten Datenpunkte vergleichbar sind. Die Freiwilligkeit des VSME macht ihn zudem sehr flexibel. So konnten wir weitere Informationsbedürfnisse von Stakeholdern adressieren, etwa Anforderungen von Ratingagenturen.

Freiwilligkeit klingt zwar gut, aber könnte sie nicht auch zu einem Mindestmaß an Transparenz führen, bei dem kritische Themen außen vorgelassen werden?

Das ist eine berechtigte Frage. Der VSME bietet zwar viel Flexibilität, wir haben uns jedoch bewusst dafür entschieden, über die Mindestanforderungen hinauszugehen. Unser Ziel war es, Stakeholdern echten Mehrwert zu bieten und nicht nur die Standardvorgaben zu erfüllen. Dennoch bleibt es jedem Unternehmen selbst überlassen, wie tief es geht. Das kann natürlich auch dazu führen, dass manche Berichte oberflächlich bleiben.

Projektorganisation, Umsetzung und Learnings

Wie haben Sie die Erstellung des Berichts organisiert? Welche Bereiche waren beteiligt und wie umfangreich war der Prozess?

Wir haben ein Projektteam aus unserem Sustainability-Team gebildet und die Aufgaben auf drei Personen verteilt: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Diese haben die Daten gesammelt und die Texte erstellt. Dank bestehender Templates aus Kundenprojekten konnten wir effizient arbeiten und diese gleichzeitig optimieren. Punktuelle Unterstützung kam von Kolleg:innen aus den Bereichen Buchhaltung, Personalwesen und von unserem Klima-Experten, der die Klimabilanz und den Transitionsplan lieferte. Unser Design-Team hat das Layout entwickelt und den Bericht barrierefrei gestaltet. Trotz knapper Kapazitäten konnten wir den Bericht fristgerecht fertigstellen – ein Beweis dafür, dass ein VSME-Bericht auch mit begrenztem Zeitaufwand realisierbar ist.

Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?

Die größte Herausforderung war die Strukturierung des Berichts. Zunächst hätte ich am liebsten alles in die vorherrschende Struktur der ESRS-Berichterstattung gebracht, also nach Policies, Actions und Targets gegliedert. Da die beiden Standards inhaltlich verwandt sind, schien mir dies die logische Vorgehensweise. Eine konsequente Anwendung dieser Strukturierung ist beim VSME allerdings nicht zu empfehlen, da der Standard diesen Detailierungsgrad nicht fordert. Stattdessen haben wir uns für eine eher themenbasierte Struktur entschieden. Mit Tags und einem VSME-Index haben wir zusätzlich Orientierung geschaffen – ein Ansatz, der sich als sehr hilfreich erwiesen hat.

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Über den Standard hinausgehen

Inwiefern sind Sie mit dem VSME an Grenzen gestoßen und in welchen Punkten sind Sie inhaltlich über das im Standard Geforderte hinausgegangen?

Der VSME ist bewusst schlank gehalten. Im Extremfall umfassen Berichte nur zwei Seiten. Unser Bericht hat dagegen 17 Seiten, da wir nicht nur die Mindestanforderungen erfüllen, sondern Stakeholdern echten Mehrwert bieten und den Bericht lesbar und mit einem hohen Designanspruch gestalten wollten. Wenn alle Stakeholder-Bedarfe abgedeckt werden sollen, stellt man schnell fest, dass es nicht ausreicht, nur den VSME zu erfüllen. Glücklicherweise bietet der Standard die Flexibilität, zusätzliche Informationen zu ergänzen. Wir haben einen Index und eine Kennzeichnung im Text eingefügt, um die Inhalte des Standards leicht auffindbar zu machen. Das ist besonders für die kommenden Jahre wichtig, in denen Personen gezielt nach bestimmten Anforderungen suchen werden. Zudem stehen wir mit größeren Unternehmen im Austausch, die selbst nach CSRD berichten. Diese haben klar signalisiert, dass ein reiner VSME-Bericht ihrer Lieferanten nicht ausreichen würde. Es empfiehlt sich daher, mit Kunden, Banken und Versicherungen zu sprechen, um deren Informationsbedürfnisse zu verstehen.

Im Zuge der Omnibus-Initiative schrumpfte der Adressatenkreis der CSRD. Dadurch entsteht eine Lücke zwischen den Unternehmen, die nach ESRS berichten müssen, und den Unternehmen, an die sich der VSME eigentlich richtet. Ist der VSME-Standard auch für größere Unternehmen geeignet?

Der VSME-Standard ist für größere Unternehmen sicherlich nur bedingt geeignet. Der Standard enthält sehr wenige Datenpunkte, was ihn für kleinere Unternehmen und KMU zu einem guten Einstieg macht. Für größere Unternehmen, die noch nie berichtet haben, könnte der VSME ebenfalls hilfreich sein, um erste relevante Themen zu identifizieren. Allerdings stoßen größere Unternehmen hier schnell an die Grenzen des Standards, da er keine umfassenden Anforderungen stellt. Besonders bei Kennzahlen und detaillierten Anforderungen bieten die ESRS mehr Tiefe und Klarheit. Größere Unternehmen könnten den VSME nutzen, um ihre Berichterstattung zu starten, und gleichzeitig zusätzliche Informationen aus anderen Standards integrieren. Zur Erfüllung spezifischer Anforderungen von Rating-Agenturen, Banken und Versicherungen reicht ein reiner VSME-Bericht jedoch nicht aus.

Ihr Klimatransitionsplan nimmt einen großen Raum im Bericht ein, obwohl er im VSME nicht gefordert wird. Warum war er Ihnen wichtig?

Klimamanagement ist ein zentraler Bestandteil unserer Strategie und Expertise. Wir wollen nicht nur beraten, sondern selbst vorleben, was wir unseren Kunden empfehlen. Der Transitionsplan basiert auf dem XDC-Modell unseres Partners right° based on science und zeigt, wie wir unsere Ziele bis 2030 erreichen wollen. Das Modell berechnet die Klimawirkung eines Unternehmens in Grad Celsius für das Basisjahr (Baseline XDC) und definiert auf der Grundlage ein Emissionsbudget sowie einen entsprechenden Reduktionsbedarf, in unserem Beispiel bis zum Jahr 2030. Auf der Basis lassen sich Maßnahmen ableiten, die zu einem 1,5°C-kompatiblen Pfad führen. Mit dem Plan möchten wir zeigen, dass auch KMU wissenschaftlich fundierte und ambitionierte Klimaziele verfolgen können.

Ausblick und Chancen des VSME

Was sind Ihre nächsten Schritte und wie bewerten Sie den VSME-Standard insgesamt?

Wir werden die VSME-Berichterstattung fortführen und die Umsetzung unserer Strategie sowie unseres Transitionsplans genau überwachen. Der VSME bietet aus unserer Sicht eine große Chance, Nachhaltigkeit im Unternehmen strategisch zu verankern und Stakeholdern eine wichtige Informationsgrundlage an die Hand zu geben – und das, ohne KMU zu überfordern.

Reicht der VSME-Standard aus, um langfristig Transparenz und Fortschritt sicherzustellen?

Der VSME ist ein guter Einstieg, aber er sollte nicht das Ende der Reise sein. Unternehmen müssen bereit sein, über die Mindestanforderungen hinauszugehen und ihre Nachhaltigkeitsstrategie kontinuierlich weiterzuentwickeln.

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Den Nachhaltigkeitsbericht 2025 von Kirchhoff Consult finden Interessierte hier.


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