Positionierung

Zwischen Wirkung und Wahrnehmung: Warum die Positionierung von Nachhaltigkeitsteams über ihren Impact entscheidet

Wie können Nachhaltigkeitsteams ihre strategische Bedeutung im Unternehmen steigern? In diesem Gastbeitrag zeigt Arne Carstens, warum klare Kommunikation und Positionierung den Unterschied machen.

Reden mit Kollegen

Nachhaltigkeitsteams stehen heute stärker als früher im Wettbewerb mit anderen strategischen Themen um Aufmerksamkeit und Ressourcen. Gerade darin liegt jedoch eine Chance. Denn während Nachhaltigkeitsfunktionen in den vergangenen Jahren häufig vom regulatorischen Rückenwind profitierten, wird nun ein Hebel wichtiger, der bislang weniger stark genutzt wurde: die aktive Positionierung und Kommunikation der eigenen Rolle und ihres Beitrags zum Unternehmenserfolg.

Wer als Führungskraft den Wertbeitrag seines Nachhaltigkeitsteams aktiv definiert und kommuniziert, stärkt dessen strategische Anschlussfähigkeit und operative Relevanz. Gleichzeitig sorgt eine klare Positionierung dafür, dass zwischen tatsächlicher Wirkung und ihrer Wahrnehmung im Unternehmen keine gefährliche Lücke entsteht. 

In diesem Beitrag zeigen die Perspektiven von drei Nachhaltigkeitsverantwortlichen, wie ihre Teams durch gezielte Kommunikation mehr Anschlussfähigkeit, Einfluss und Wirkung entfalten.

Vom Verwalter zum strategischen Partner

„Nachhaltigkeitsabteilungen schaffen ihren größten Mehrwert nicht, wenn sie Nachhaltigkeit verwalten, sondern wenn sie Transformation ermöglichen. Dafür müssen sie als strategische Partner wahrgenommen werden – nicht nur als Reporting- oder Compliance-Einheit“, sagt Prof. Dr. Laura-Marie Edinger-Schons, Chief Sustainability Officer und Professorin für Nachhaltiges Wirtschaften an der Universität Hamburg. 

Damit beschreibt sie eine Anforderung, die sich derzeit in vielen Organisationen beobachten lässt. Regulatorik und Reporting bleiben wichtig, reichen aber nicht mehr aus, um strategische Relevanz zu begründen. Nachhaltigkeitsfunktionen müssen zunehmend deutlich machen, welchen Beitrag sie zur Zukunftsfähigkeit des Unternehmens leisten. Der Sustainability Transformation Monitor 2026 schließt daraus: Wo der Business Case und ein überzeugendes ökonomisches Narrativ fehlen, geraten Transformationsvorhaben wie Nachhaltigkeit leichter unter Druck. 

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wofür steht das Nachhaltigkeitsteam und was ist ihr Beitrag zum Unternehmenserfolg?

Kommunikation an strategischen Prioritäten ausrichten

Nachhaltigkeitsverantwortliche und ihre Teams können Wirkung besser entfalten, wenn sie den Beitrag ihrer Arbeit zu Wertschöpfung, Wachstum, Risikominimierung oder Effizienz sichtbar machen und Nachhaltigkeit so als integralen Teil unternehmerischen Erfolgs vermitteln.

Bei Jungheinrich, Lösungsanbieter für Intralogistik mit über 20.000 Mitarbeitenden, wählt man bewusst diesen Ansatz. Statt ausschließlich Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt jeder Argumentation zu stellen, werden die Themen in den Kontext der jeweiligen Stakeholder gesetzt. Gabriele Maurer, Vice President Corporate Sustainability, EHS & Resilience, formuliert es so: „Nicht jede Story muss mit dem Label Nachhaltigkeit versehen werden. Mal legen wir in der Kommunikation den Fokus auf Effizienz oder Resilienz, mal auf Arbeitssicherheit. Entscheidend ist, dass alle Maßnahmen dieselbe Überschrift tragen: das zukunftsfähige Unternehmen.“

Wer Nachhaltigkeit mit den tatsächlichen Herausforderungen und Lebenswelten seiner Zielgruppen verbindet, erhöht die Wahrscheinlichkeit, gehört und ernst genommen zu werden. Strategisch verankerte Narrative helfen zusätzlich bei der Vermittlung von Relevanz und erhöhen die Chance auf tatsächliche Transformation.

„Der Einfluss von Nachhaltigkeitsverantwortlichen hängt heute weniger von der Regulatorik als von ihrer Fähigkeit ab, Nachhaltigkeit mit den strategischen Prioritäten der Organisation zu verbinden – etwa Innovation, Resilienz oder Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Laura-Marie Edinger-Schons.

Anschlussfähigkeit entsteht durch Übersetzung

Dank strategischer Relevanz stehen Nachhaltigkeitsabteilungen nicht isoliert für ökologische oder soziale Themen, sondern werden zu Mitgestaltern unternehmerischer Zukunftsfähigkeit. Astrid Burschel, Vice President Corporate Sustainability bei WAGO, beschreibt die Rolle ihrer Abteilung daher bewusst als „interner Consultant und Sparringspartner auf allen Ebenen des Unternehmens“. 

Der Schlüssel dazu liegt für sie in der Übersetzungsleistung und dem richtigen Zeitpunkt: „Unsere Aufgabe ist es, das große Bild der Nachhaltigkeit in konkrete Relevanz für die einzelnen Bereiche zu übersetzen. Eine Produktion, eine Logistik oder ein Marketing zahlen auf unterschiedliche Ziele ein. Jede Funktion braucht ihre eigene Übersetzung von Nachhaltigkeit. Und manchmal braucht es auch die Ausdauer, auf den richtigen Moment zu warten.“

Jungheinrich hat in der internen Kommunikation besonders gute Erfahrungen mit Erfolgsgeschichten gemacht, die Kundenprojekte auf die Bühne heben: „Unsere Success Stories zeigen unseren Mitarbeitenden ganz konkret, wie Nachhaltigkeit Kunden überzeugt und zu verkauften Geräten sowie Lösungen führt. Das ist für uns der Schlüssel wirksamer Nachhaltigkeitskommunikation: den Wertbeitrag sichtbar zu machen.“

Hier entscheidet sich, ob das Nachhaltigkeitsteam im Unternehmen als strategischer Partner oder lediglich als zusätzliche Anforderung wahrgenommen wird.

Transformation ist Teamsport

Nachhaltigkeitsabteilungen sind für echten Fortschritt und Wandel fast immer auf die Kooperationsbereitschaft anderer Funktionen angewiesen: „Transformation gelingt nicht durch Nachhaltigkeitsabteilungen allein. Ihre Aufgabe ist es, Brücken zu bauen, Kooperationen zu ermöglichen und Nachhaltigkeit zu einem gemeinsamen Projekt der gesamten Organisation zu machen“, reflektiert Edinger-Schons ihre Erfahrungen an der Universität Hamburg, wo sie seit 2022 als Mitglied des Präsidiums die organisationsweite Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt und steuert.

Die Kraft der Kooperation hat auch WAGO erkannt. Der weltweit tätige Anbieter von Verbindungs- und Automatisierungstechnik aus Minden setzt bei der Umsetzung seiner nachhaltigen Transformation auf Nachhaltigkeitsbotschafter. Astrid Burschel erläutert den Hintergrund des Engagements: „Jede Organisation hat Menschen, die für Nachhaltigkeit brennen. Das sind die besten Multiplikatoren, weil sie die Sprache ihrer Kolleginnen und Kollegen sprechen und Nachhaltigkeit glaubwürdig in den Arbeitsalltag übersetzen können.“

Gabriele Maurer von Jungheinrich betont die Bedeutung von Kooperationen auf diese Weise: „Viele Transformationsfunktionen stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie Nachhaltigkeit. In ihrer Arbeit geht es häufig um den Konflikt zwischen kurzfristigen Zielen und langfristiger Transformation. Diesen Zielkonflikt kennen alle Funktionen, die Zukunft gestalten wollen. Das macht sie zu potenziellen Verbündeten, die man aktiv in Veränderungsprozesse einbinden sollte.“

Fazit

Positionierung und Kommunikation sind wesentliche Erfolgsfaktoren für den Impact von Nachhaltigkeitsteams, weil sie für strategische Anschlussfähigkeit sorgen und Entscheidungsräume erweitern können. Eine geschärfte Positionierung macht sichtbar, wofür das Nachhaltigkeitsteam steht – und wofür nicht. Sie macht den Wertbeitrag durch entsprechende Kommunikation deutlich und gewinnt damit Kooperationspartner für ein zukunftsfähiges Unternehmen. Für viele Nachhaltigkeitsverantwortliche lohnt es sich, den eigenen Positionierungsbedarf systematisch zu reflektieren – etwa entlang dieser drei Perspektiven: dem eigenen Selbstverständnis als Funktion im Unternehmen, der aktuellen Wahrnehmung durch die wichtigsten Stakeholder sowie der strukturellen Verankerung in Entscheidungs- und Steuerungsprozessen.

 

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