Reuber, Die Besteuerung der... / V. In welcher Höhe können Werbungskosten/Betriebsausgaben zum Abzug zugelassen werden?
 

Tz. 68

Stand: EL 111 – ET: 04/2019

Hat ein Steuerpflichtiger, der eine nebenberufliche Tätigkeit als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher oder eine vergleichbare nebenberufliche Tätigkeit ausübt, höhere Werbungskosten oder Betriebsausgaben als die nach § 3 Nr. 26 EStG (Anhang 10) genannte Aufwandspauschale, können diese Aufwendungen nur berücksichtigt werden, soweit sie die nach § 3 Nr. 26 EStG (Anhang 10) als Aufwandsentschädigung steuerfrei belassenen Vergütungen übersteigen. D.h., durch die steuerfreie Aufwandsentschädigung (Freibetrag) sind zunächst alle Aufwendungen abgegolten, die durch die nebenberufliche Tätigkeit entstanden sind, soweit nicht höhere Aufwendungen nachgewiesen oder glaubhaft gemacht werden. Hierzu gehören u. a. Reisekosten (Fahrtkosten, Mehraufwendungen für Verpflegung, Übernachtungskosten, Reisenebenkosten) und sonstige Aufwendungen.

 

Beispiel:

Herr E ist für den Sportverein nebenberuflich als Trainer tätig. Er steht im Dienstverhältnis. Von seinem Verein erhält er monatlich Vergütungen i. H. v. 350 EUR. Für das Kalenderjahr 01 hat er insgesamt 4 200 EUR erhalten. Von diesem Betrag wurde die Aufwandsentschädigung nach § 3 Nr. 26 EStG (Anhang 10) noch nicht abgezogen. Bei Abgabe seiner Einkommensteuererklärung für das Kalenderjahr 01 macht er durch Einzelnachweis 2 500 EUR Werbungskosten geltend, die ihm im Rahmen seiner nebenberuflichen Tätigkeit entstanden sind. Die Höhe der geltend gemachten Werbungskosten ist nicht zu beanstanden.

Ergebnis:

 
Einnahmen aus nebenberuflicher Tätigkeit als Trainer 4 200 EUR
./. steuerfreie Aufwandsentschädigung nach § 3 Nr. 26 EStG (Anhang 10)   2 400 EUR
verbleiben   1 800 EUR
./. Werbungskosten 2 500 EUR  
gekürzt um die Aufwandsentschädigung nach § 3 Nr. 26 EStG (Anhang 10) 2 400 EUR  
  100 EUR   100 EUR
verbleiben   1 700 EUR
Abzusetzen ist der Arbeitnehmer-Pauschbetrag i. H. v. 1 000 EUR, weil er höher als die verbleibenden Werbungskosten von 900 EUR ist (1 000 EUR ./. 100 EUR)   1 00 EUR
Einkünfte aus § 19 EStG     700 EUR

Wird die Tätigkeit von dem betreffenden Personenkreis im Nebenberuf selbständig ausgeübt, sind Betriebsausgaben, die mehr als 2 400 EUR betragen, insgesamt durch Einzelnachweis zu belegen.

Wichtig:

Verbände und Vereine können Übungsleitern pauschal 2 400 EUR als Aufwandsentschädigung zahlen. Im Regelfall stehen aber bei Verbänden/Vereinen für diese Aufwandsentschädigungen keine ausreichenden Mittel zur Verfügung. Insoweit ist ein Spendenabzug als sog. Aufwandsspenden in Betracht zu ziehen; vgl. hierzu BMF-Schreiben vom 25.11.2014, BStBl I 2014, 1584 und vom 24.08.2016, BStBl I 2016, 994.

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