Pensionszusage nach dem 60. Lebensjahr führt zur vGA
Pensionszusagen im Alter von 62 und 63 Jahren
Eine GmbH erteilte ihren beiden zu je 50 % beteiligten Gesellschaftern am 17.1.2020 wortlautidentische beitragsorientierte Pensionszusagen. Vorgesehen war eine monatliche Einzahlung von jeweils 2.500 EUR, verzinst mit 4,5 % p. a.
Das Alterskapital sollte bei Erreichen des 70. Lebensjahrs ausgezahlt werden. Zum Zeitpunkt der Zusage hatte der Gesellschafter-Geschäftsführer das 62. Lebensjahr, seine als Mitarbeiterin tätige Ehefrau und Mitgesellschafterin das 63. Lebensjahr vollendet.
Die GmbH bildete zum 31.12.2020 Pensionsrückstellungen in Höhe von insgesamt 281.676 EUR.
Stellt die Rückstellung eine vGA dar?
Im Rahmen einer Außenprüfung qualifizierte das Finanzamt die gebildeten Rückstellungen vollständig als verdeckte Gewinnausschüttungen (vGA). Es stufte beide Gesellschafter trotz ihrer jeweiligen 50-%-Beteiligung als beherrschend ein, weil sie zeitgleich inhaltsgleiche Versorgungszusagen erhalten hatten – ein Indiz für gleichgerichtete Interessen.
Zudem waren beide Erdienbarkeitsvoraussetzungen nicht erfüllt: Das Höchstzusagealter von 60 Jahren war überschritten, und der verbleibende Zeitraum bis zum Renteneintritt betrug weniger als 10 Jahre.
Die Klägerin wandte dagegen ein, die betriebsrentenrechtliche Unverfallbarkeitsfrist von nur 3 Jahren nach § 1b Abs. 1 Satz 1 BetrAVG müsse auch steuerlich maßgeblich sein.
Höchstzusagealter und Erdienenszeitraum nicht eingehalten
Das FG Münster wies die Klage als unbegründet ab. Es bestätigte, dass beide Gesellschafter aufgrund gleichgerichteter Interessen als beherrschend anzusehen sind. Entscheidend sei, dass beide im Zusagezeitpunkt das Höchstzusagealter von 60 Jahren deutlich überschritten hatten.
Die 60-Jahres-Grenze diene dem Fremdvergleich und nicht der Rentensystemfinanzierung. Insofern sei eine Anpassung der Grenze an die Regelaltersgrenze von 67 Jahren nicht geboten.
Ergänzend verneinte das Gericht auch die relative Erdienbarkeit. Für beherrschende Gesellschafter sei ein Zeitraum von mindestens 10 Jahren zwischen Zusage und Renteneintritt erforderlich, der hier deutlich unterschritten wurde.
Die Absenkung der BetrAVG-Fristen auf 3 Jahre sei für die steuerliche Erdienbarkeitsprüfung nach Auffassung des Gerichts nicht bindend.
Dem Einwand, die Zusage sei durch die laufenden Einzahlungen bereits bei Pensionsbeginn ausfinanziert und berge daher kein Kostenrisiko für die GmbH, brachte das Gericht entgegen, dass auch bei einer mittelbaren Versorgungszusage vergleichbaren Ausgestaltung entscheidend sei, ob ein gewissenhafter Geschäftsführer einer Arbeitskraft mit begrenzter Restdienstzeit überhaupt noch eine Versorgungszusage erteilen würde.
Ausblick
Das FG hat die Revision wegen grundsätzlicher Bedeutung in folgenden Fragestellungen zugelassen:
Gelten die Erdienbarkeitsregeln auch bei bereits im Zeitpunkt des Pensionseintritts vollständig ausfinanzierten Direktzusagen?
Ist auch für neuere Pensionszusagen (Zusagezeitpunkt im Streitfall: 17.1.2020) uneingeschränkt an einem Höchstzusagealter von 60 Jahren festzuhalten?
Ist der relative Erdienenszeitraum von 10 Jahren für beherrschende Gesellschafter nach der Absenkung der BetrAVG-Fristen auf 3 Jahre noch haltbar?
-
Erstattungszinsen für Gewerbesteuer als steuerpflichtige Betriebseinnahmen
281
-
Mündliche Verhandlungen zur Verfassungsmäßigkeit der Erbschaftsteuer
270
-
Antrag auf Aufteilung der Steuerschuld nach § 268 AO ist unwiderruflich
189
-
Sonderausgabenabzug für einbehaltene Kirchensteuer auf Kapitalerträge aus anderen Einkunftsarten
146
-
Pauschale Beihilfe kürzt Sonderausgabenabzug
113
-
Wirksamkeit von nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ergangenen „Erstattungsbescheiden“
102
-
Vermietung an den Partner in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft
98
-
Abschreibung für eine Produktionshalle
76
-
Steuerliche Behandlung von "Earn-Out-Zahlungen"
72
-
Feier anlässlich der Verabschiedung in den Ruhestand
72
-
Neue anhängige Verfahren im August 2026
03.09.2026
-
Pensionszusage nach dem 60. Lebensjahr führt zur vGA
03.09.2026
-
Doppelbesteuerung von Hinterbliebenenleistung an Lebensgefährtin
02.09.2026
-
Grunderwerbsteuerbefreiung auf Anteilsvereinigungen
02.09.2026
-
Steuerbefreiung für ein Familienheim
01.09.2026
-
Wann liegt eine "unverzügliche" Selbstnutzung eines Familienheims vor?
31.08.2026
-
Ist-Besteuerung und Betriebsvermögensvergleich
31.08.2026
-
Verspätungszuschlag auch in Erstattungsfällen möglich
31.08.2026
-
Erweiterte Grundstückskürzung bei unterjährigem Verkauf des letzten Grundstücks
28.08.2026
-
Immobilienübertragung im Scheidungsvergleich
28.08.2026