Versicherte haben Fahrkosten zu ambulanten Behandlungen grundsätzlich selbst zu tragen. In einigen Fällen ist jedoch eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen möglich. Hierzu ist eine vorherige Genehmigung der Krankenkasse erforderlich.

Die Erstattung von Fahrkosten zu ambulanten Behandlungen durch die Krankenkassen ist grundsätzlich ausgeschlossen. Hiervon gibt es jedoch Ausnahmen, bei denen eine Kostenübernahme dennoch erfolgen kann. Diese sind – neben dem § 60 SGB V - in der sogenannten Krankentransport-Richtlinie geregelt. Die vom Arzt ausgestellte Verordnung für eine Fahrt zur ambulanten Behandlung ist der Krankenkasse - vor der Fahrt - zur Prüfung und Genehmigung der Kostenübernahme vorzulegen.

Behandlungen mit einer hohen Behandlungsfrequenz

Zu den besonderen Ausnahmefällen gehören Fahrten zu Behandlungen mit einem vorgegebenen Therapieschema, welches mit einer hohen Behandlungsfrequenz über einen längeren Zeitraum verbunden ist. Daneben muss diese Behandlung oder der zu dieser Behandlung führende Krankheitsverlauf den Versicherten in einer Weise beeinträchtigen, dass die Beförderung des Versicherten zur Vermeidung von Schaden an dessen Leib und Leben unerlässlich ist. Das ist regelmäßig bei Fahrten zur Dialysebehandlung oder zur onkologischen Strahlen- und Chemotherapie erfüllt. Daneben ist eine Kostenübernahme der Fahrten zu weiteren Behandlungen denkbar, sofern es sich um vergleichbare Fälle handelt.

Fahrkosten für dauerhaft Mobilitätsbeeinträchtigte

Fahrten zu ambulanten Behandlungen können auch für Versicherte übernommen werden, die einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen “aG“ (außergewöhnliche Gehbehinderung) “Bl“ (Blindheit) oder “H“ (Hilflosigkeit) besitzen oder in den Pflegegrad 3, 4 oder 5 eingestuft sind.

Bei einer Einstufung in den Pflegegrad 3 ist eine Fahrkostenübernahme zusätzlich davon abhängig zu machen, dass die Versicherten einen Unterstützungsbedarf bei der Beförderung haben. Ein Unterstützungsbedarf liegt vor, wenn Versicherte dem Grunde nach wegen einer dauerhaften körperlichen, kognitiven oder psychischen Beeinträchtigung der Mobilität nicht eigenständig (z. B. mit öffentlichen Verkehrsmitteln) zur ambulanten Behandlung fahren können. Von einer dauerhaften Beeinträchtigung ist auszugehen, wenn diese mindestens 6 Monate andauert. Für Versicherte, die bis zum 31.12.2016 in die Pflegestufe 2 eingestuft waren, ist diese Prüfung nicht erforderlich, da sie bereits damals einen Anspruch auf Fahrkosten hatten und daher ein Bestandschutz gilt.

Für Versicherte, die vergleichbare Mobilitätseinschränkungen haben, können auch die Fahrkosten zur ambulanten Behandlung übernommen werden. Die Behandlung muss in diesen Fällen über einen längeren Zeitraum – mindestens 6 Monate – andauern.

Ambulante Behandlung: Fahrten im Krankentransportwagen (KTW)

Die Kostenübernahme einer Fahrt im KTW zu einer ambulanten Behandlung setzt voraus, dass Versicherte während der Fahrt einer fachlichen Betreuung oder der besonderen Einrichtung eines KTW bedürfen oder dies zu erwarten ist. Krankenkassen erstatten die Kosten auch, wenn durch die Beförderung im KTW die Übertragung schwerer, ansteckender Krankheiten des zu Transportierenden vermieden werden können.

Nachträgliche Verordnung bei nicht planbaren Fahrten

Manchmal kommt es vor, dass Versicherte einen akuten Behandlungsbedarf haben und sehr kurzfristig zum Arzt gefahren werden müssen. Dies gilt insbesondere in Notfällen, wenn noch keine Rettungsfahrt ins Krankenhaus erforderlich ist, oder bei Fahrten am Wochenende. In diesen Fällen darf der Arzt die Fahrt ausnahmsweise nachträglich verordnen. Er sollte auf der Verordnung angeben, dass keine Genehmigungsmöglichkeit bestand. Die Krankenkassen prüfen dann eine Genehmigung im Nachhinein.

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