| Auslandsaufenthalt bei Arbeitsunfähigkeit

Vom Hai gebissen: Krankengeldanspruch bei Urlaubsreise

Vorsicht bei Auslandsaufenthalt während Krankheit: Brite verliert trotz Heldentat bei Haiangriff den Arbeitsplatz.
Bild: Haufe Online Redaktion

Wer arbeitsunfähig ist, muss nicht zwangsläufig zuhause im Bett liegen. Doch bei Urlaubsreisen gibt es einiges zu beachten. Ein aktueller Fall zeigt die Risiken von nicht genehmigten Auslandsaufenthalten.

Kürzlich erlangte ein britischer Mann durch die Presse weltweite Berühmtheit, der im Urlaub andere Menschen vor einem Hai schützen wollte. Davon erfuhr auch der Arbeitgeber - und kündigte das Beschäftigungsverhältnis. Grund: der Tierbändiger war zum Zeitpunkt seiner Heldentat krankgeschrieben.

Krankenkasse muss dem Urlaub zustimmen

Aus den Pressemeldungen wurde nicht bekannt, wie die Krankenversicherung des Briten mit der Situation umging. Doch in Deutschland ist Vorsicht geboten, wenn während des Krankengeldbezugs ein Auslandsurlaub ansteht.

Grundsätzlich ruht der Anspruch auf Leistungen, solange Versicherte sich im Ausland aufhalten (§ 16 Abs. 1 Nr. 1 SGB V). Zweck dieser Regelung ist der Ausschluss derjenigen Leistungen, bei denen sich - wie beim Krankengeld - die Anspruchsvoraussetzungen nicht mit hinreichender Sicherheit feststellen lassen. Die Arbeitsunfähigkeit im Ausland nachzuweisen, ist meist mit Schwierigkeiten verbunden. Der Anspruch auf Krankengeld ruht allerdings nicht, wenn sich Versicherte nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit mit Zustimmung der Krankenkasse im Ausland aufhalten (§ 16 Abs. 4 SGB V).

Was die Kassen prüfen

Bei einem nicht im Vorfeld genehmigten Auslandsaufenthalt dürfen die Krankenkassen das Krankengeld streichen. Der Heilprozess darf durch den Urlaub nicht gefährdet werden. Bei entsprechendem Antrag des Versicherten holen die Krankenkassen vor Urlaubsantritt meist noch ein Gutachten beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder zumindest von den behandelnden Ärzten ein. Wenn das nicht eindeutig für den Urlaub spricht, kann die Kasse den Urlaub untersagen.

Bei einem Urlaubsantrag berücksichtigen die Krankenkassen

·         inwieweit die Gefahr eines Leistungsmissbrauchs besteht,

·         ob eine erfolgreiche Behandlung auch im Ausland gewährleistet ist und

·         ob und ggf. aus welchen Gründen die Gefahr einer Verlängerung der Arbeitsunfähigkeit als Folge des Auslandsaufenthalts besteht.

Entschieden wird im Einzelfall

Wegen der bei Gutachteneinholung erforderlichen Vorlaufzeit sollten entsprechende „Urlaubsanträge“ bei der Krankenkasse mit genügend Zeitpuffer eingeplant werden. Zu empfehlen sind 2 bis 3 Wochen vor dem Urlaubsantritt. Für die Krankenkasse ist eine Entscheidung immer im Einzelfall zu treffen. Ob die Krankenkasse dem Auslandsaufenthalt zustimmt, steht in ihrem pflichtgemäßen Ermessen. Auf die Ausübung des Ermessens hat der Versicherte einen Rechtsanspruch, der auch gerichtlich überprüfbar ist.  

Nachträglicher Antrag ist nicht ratsam

Wer ohne Genehmigung ins Ausland fährt, riskiert den Krankengeldanspruch mindestens für die Dauer des Auslandsaufenthalts. Das gilt ganz besonders für erst nach Rückkehr aus dem Urlaub gestellte Anträge auf Zustimmung der Kasse. Dies ist zwar nach einigen vorliegenden Sozialgerichtsurteilen (z. B. SG Mainz, Urteil v. 12.11.2010, S 7 KR 231/08) theoretisch möglich, aber wegen des Risikos der nachträglichen Ablehnung nicht empfehlenswert.

Pflichten beim Krankengeldbezug

Krankengeldbezieher müssen außerdem während des Urlaubs erreichbar sein und dürfen keine Termine etwa beim Arzt, bei der Krankengymnastik oder beim MDK versäumen. Außerdem sollte auch der Arbeitgeber informiert werden, wenn ein krankgeschriebener Arbeitnehmer mit Genehmigung der Kasse in den Urlaub geht.

Wer weiß, wie es dem britischen Haibändiger ergangen wäre, hätte er seinen geplanten Urlaub vorher mit seinem Arbeitgeber abgestimmt…

Das könnte Sie auch interessieren:

Folgebescheinigung zur Arbeitsunfähigkeit rechtzeitig besorgen

Keine Leistungen bei Selbstverschulden im Urlaub

Haufe Online Redaktion

Auslandsaufenthalt, Krankengeld, Arbeitsunfähigkeit, Urlaub