Fünf zentrale Insidertipps zur Selbständigkeit
1. Kümmern Sie sich um die Rahmenbedingungen
Auch wenn Sie Ihre Zulassung schon lange in der Tasche haben, fit im Datenschutzrecht sind und die Berufsordnung aus dem Effeff kennen: Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit ändern sich Ihre Rahmenbedingungen nicht nur im Hinblick auf Akquise. Sie müssen sich auch wie nie zuvor um die betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen Ihrer Existenz kümmern. Betreiben Sie konsequentes Risikomanagement! Das fängt beim Abschluss neuer Versicherungen an und hört beim Anlegen von Mandantenkonten noch lange nicht auf. Arbeiten Sie effektiv und effizient? Gilt das auch für mögliche Mitarbeiter und Netzwerkpartner? Wie gehen Sie mit Schwächen und Risiken um? Welche Risiken lassen sich vermeiden oder reduzieren? Wo können Sie Herausforderungen delegieren, womit können (und/oder müssen) Sie leben?
2. Erobern Sie eine Marktnische
Sie machen – um nur ein Beispiel zu nennen: Arbeitsrecht. Ein weites Feld. Dennoch ist es verzwickt: Eher oder nur individual oder auch kollektiv Arbeitsrecht? Nur für Arbeitnehmer oder auch/vor allem/ausschließlich für Arbeitgeber national (und international)? Im „gesamten Arbeitsrecht“ werden Sie sich kaum positionieren können – von der Rundumbetreuung als „Einer für alle Rechtsgebiete“ ganz zu schweigen. Nur Ihre ganz spezielle USP-Kombination verhindert Ihre Austauschbarkeit!
Analysieren Sie deshalb Ihren potenziellen Markt genau:
- Wo liegen Ihre ganz besonderen Interessen und Stärken?
- Wo lassen sich passende Bereiche mit Wachstumspotenzial oder geringerer Konkurrenz identifizieren?
3. Erstellen Sie einen Geschäftsplan und halten Sie ihn nach
Entscheidend für Ihren Erfolg ist ein gut durchdachter und ständig weiterentwickelter Geschäftsplan. Er sollte Ihre Geschäftsziele ebenso umfassen wie Ihre (potenziellen) Mandanten und andere Stakeholder. Marketingstrategien sollten ebenso enthalten sein wie eine realistische Finanzplanung. Außerdem sollte er langfristige Wachstumsstrategien aufzeigen. Ein entsprechend solider Plan dient nicht nur als Leitfaden für den Start und die Entwicklung Ihrer Kanzlei. Er überzeugt auch potenzielle Investoren und Finanzierungspartner, falls Sie für die Infrastruktur Ihrer Kanzlei mehr Geld benötigen. Außerdem verhindert er, dass Sie später vom Weg abkommen.
4. Bauen Sie sich ein Netzwerk auf und pflegen Sie es
Knüpfen Sie Kontakte zu Kollegen, Mandanten und Multiplikatoren, nicht nur im Umfeld der eigenen Kanzlei. Andere Blickwinkel erweitern den Horizont. Auch Fachleute aus verwandten Branchen bereichern die eigene Expertise, seien es Steuerberaterinnen, IT-Experten oder Complinace-Sachverständige. Sie bringen neben speziellem Fachwissen oft einen ganz neuen, erweiterten Blickwinkel mit. Mitgliedschaften in Berufsverbänden wie der aHa-Kanzleireihe tun ein Übriges, um Ihnen zusätzliche Experten und Tipps zu vermitteln.
5. Seien Sie präsent
Und schließlich: Nehmen Sie regelmäßig an Branchenveranstaltungen wie dem Deutschen Anwaltstag teil. Gehen Sie dorthin, wo Sie potenzielle Mandanten vermuten – sei es zu den Rotariern oder zu einem Vortrag in der örtlichen Handwerkskammer. Pflegen Sie Ihren Social-Media-Auftritt. Und wenn es nur ein schnelles „Like“ auf fremde Beiträge bei LinkedIn ist: Schon das trägt dazu bei, Ihr berufliches Netzwerk zu stabilisieren und Ihre Sichtbarkeit zu erhöhen.
Oder was meinen Sie? Wie immer freuen wir uns auf Ihre Rückmeldungen!
Weitere Beiträge:
Wie bloggt man als Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt auf der eigenen Website?
-
Harsche BGH-Rüge für überlanges Urteil eines LG
799
-
Abschreibung: Gebrauchter PKW als Geschäftswagen sinnvoll?
322
-
Fristverlängerung bei Gericht beantragen - Fehlerquellen und Haftungsgefahren
211
-
Angemessene Beileidswünsche beim Tod von Mitarbeitern, Mandanten und Geschäftspartnern
1971
-
Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte gilt ab August 2026
1032
-
Anwalt darf die anwaltlich vertretene Gegenseite nicht direkt kontaktieren
97
-
KI-Recherche für Juristen
92
-
Drohung des Anwalts mit Mandatsniederlegung zur Unzeit
702
-
Einspruchsfrist versäumt: Was ist bei Bescheidverspätung oder Verlust in der Post zu beachten?
53
-
Messie-Syndrom ist allein kein Grund für Wohnungskündigung
49
-
KI-Leitfaden gibt konkrete Handlungsanleitungen auch für Kanzleien
25.09.2026
-
Widerruf der Anwaltszulassung wegen fehlendem Kanzleischild
23.09.2026
-
Schmerzensgeld nach Rauferei auf der Oktoberfest-Wiesn
20.09.2026
-
Harsche BGH-Rüge für überlanges Urteil eines LG
13.09.2026
-
Vorsicht vorm Versorgungswerk!
10.09.2026
-
Ursachen für Anwaltsinsolvenzen
10.09.2026
-
BGH weist Ausweg durch „überwachte“ Arbeit als Angestellter in einer Sozietät
10.09.2026
-
Anwaltsinsolvenz und Verlust der Zulassung bedingen sich oft gegenseitig
10.09.2026
-
Kultur der zweiten Chance bleibt für viele Freiberufler eine Illusion
10.09.2026
-
„Oggie“ fuhr mit Kühlschrank auf dem Rad nach Istanbul
30.08.2026