Effizientes Kanzleimanagement: Die Kunst, die richtigen Mandanten zu wählen
Die Praxis
Da gibt es den Baurechtsfall, dessen Aktenumfang schon bald den halben Schreibtisch einnimmt, obwohl er weder juristisch noch finanziell besonders aufregend ist. Da hat man die Strafverteidigung für den Freund der Freundin übernommen und merkt bald, dass es mit der eigenen Expertise doch nicht so weit her ist, wie es in der letzten Examensklausur den Anschein hatte. Da erledigt man das Straßenverkehrsrechts-Mandat für die aufgeregte Erbrechtsmandantin gerade noch mit, und dann hängt man stundenlang in irgendwelchen Warteschleifen auf der Suche nach den anderen Beteiligten. Was tun?
Ein Pakt mit dem Teufel?
„Das erste steht uns frei, beim zweiten sind wir Knechte“ – das hat schon Johann Wolfgang Goethe seinen Mephisto im Faust sagen lassen. Natürlich haben Sie die Möglichkeit, sich von einem unangenehmen Mandanten auch wieder zu trennen. Ein gestörtes Vertrauensverhältnis, abwegige Vorstellungen und natürlich Interessenkollisionen sind Standardgründe dafür. Unmittelbar vor einem Fristablauf oder gar vor einem Gerichtstermin wird es allerdings schwierig – und nachvertragliche Aufklärungspflichten können sich in der Praxis als ebenso lästig erweisen wie ein Exmandant, der dann erstmal nicht zahlt. Eine weitere Unbill kommt hinzu: Wenn Sie so etwas öfters tun, wird es sich das nicht nur unter Kolleg:innen herumsprechen.
Chose your battles
„Chose your battles wisely“ – überlegen Sie sich dementsprechend im Vorhinein gut, für wen und inwiefern es sich lohnt, in die juristische Schlacht zu ziehen. Über welche fachlichen Ressourcen und über welche Kraftreserven verfügen Sie wirklich? Wen kennen Sie, der das Mandatsanliegen mindestens genauso gut abdecken könnte wie Sie selbst?
Kapazitätencheck
Um Ersteres abzuklären, gibt es im Coaching eine Reihe von Tools. Beispielsweise ist nicht alles, weswegen Sie bedrängt werden, auch wichtig. Die nach dem ehemaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower benannte Eisenhower-Matrix unterscheidet wichtige und dringende Anliegen von solchen, die nur wichtig oder nur dringend sind. Eine vierte Kategorie betrifft alles andere. Ordnen und bearbeiten Sie alles, was an Sie herangetragen wird, entsprechend.
Wenn Ihnen das besser liegt, können Sie Ihre Mandatsanfragen auch nach ABC kategorisieren. Wohlgemerkt: ABC-Mandate heißt nicht ABC-Mandanten. Gerade ihren wertvollsten Kunden erweisen Sie mit „einem Aufwasch“ womöglich einen Bärendienst, wenn er anderswo besser aufgehoben wäre.
Networking
Was Sie stattdessen beherrschen lernen und praktizieren können sollten, ist ein Netzwerken auf Augenhöhe. Kammern, AnwaltVereine, Stammtische – die Auswahl hier und heute ist groß. Ich selbst habe in den letzten fast 15 Jahren mehrere Kanzleireihen zusammengestellt, auch das bewährt sich immer noch und immer weiter. Und von vielen Kolleg:innen, denen Sie im Zuge dessen ein Mandat abgeben, kommt zu gegebener Zeit auch wieder eines zurück.
Oder was meinen Sie? Wie immer freuen wir uns auf Ihre Rückmeldungen!
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