IBA Report 2026 belegt Benachteiligung von Frauen in Anwaltsberufen
Internationale Referenzstudie zur Gleichstellung im Anwaltsberuf
Der aktuelle Phase 2 Report 2026 der International Bar Association (IBA) ist der zweite umfassende Untersuchungsbericht des Forschungsprojekts „Raising the Bar: Women in Law“. Es wurde 2021 gestartet und untersucht weltweit, wie Frauen den Anwaltsberuf erleben, welche Faktoren ihre Karriere fördern oder behindern und welche Reformen notwendig sind, um strukturellen Ungleichheiten abzubauen.
Der IBA Report 2026 wertet die Ergebnisse einer Umfrage mit über 5.000 Teilnehmerinnen aus mehr als 100 Ländern aus, die im Jahr 2025 stattgefunden hat. Mehr als ein Viertel der Teilnehmerinnen arbeiten in europäischen Ländern. Befragt wurden Frauen aus Anwaltskanzleien, Rechtsabteilungen von Unternehmen und Behörden, Justiz sowie Juristinnen, die nicht mehr anwaltlich tätig sind. Im Mittelpunkt der Befragung standen die Themenfelder Arbeitsplatzkultur, Karriereverlauf, Zufriedenheit, Care‑Verantwortung, Diskriminierungserfahrungen und Wirksamkeit bestehender Gleichstellungsmaßnahmen. Die Ergebnisse des Reports sind uneingeschränkt auch auf Deutschland übertragbar.
Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert
Der Report zeigt deutlich, dass Frauen zwar einen hohen Anteil der juristischen Berufsangehörigen stellen, aber deutlich seltener Führungs‑ und Spitzenpositionen erreichen. Dieses Muster ist weltweit und arbeitsbereichsübergreifend sichtbar – in Kanzleien, Unternehmen, Justiz und öffentlichem Dienst. Die „gläserne Decke“ war und ist eines der konstantesten strukturellen Hindernisse.
Ein erheblicher Teil der befragten Juristinnen berichtet von geschlechtsspezifischer Diskriminierung, Mobbing, sexueller Belästigung und unfairen Beurteilungs- und Beförderungssystemen. Alles Faktoren, die sich nachweislich negativ auf Karriereverläufe, Motivation und den Verbleib im Beruf auswirken.
Ungleiche Verteilung von familiärer und pflegerischer Verantwortung
Ebenso deutlich zeigt sich, dass die familiäre und pflegerische Verantwortung weiterhin ungleich verteilt ist. Rund die Hälfte der Befragten hat Kinder, etwa 40 % übernehmen zusätzliche Pflegeaufgaben (z.B. für ältere Angehörige). Anders als bei männlichen Kollegen haben diese Verpflichtungen spürbare negative Auswirkungen auf Beförderungschancen und Einkommensentwicklung. Viele Teilnehmerinnen berichten von hoher Arbeitsbelastung, Erschöpfung und Burnout, fehlenden oder unzureichenden Unterstützungsangeboten zur mentalen Gesundheit.
Der Report ordnet diese Belastungen nicht als individuelle Probleme ein, sondern als Folge struktureller Arbeitsbedingungen.
Zentrale Empfehlungen
In der Gesamtauswertung kommt die Studie zu dem Schluss, dass strukturelle Ungleichheiten weiter fortbestehen, Fortschritte vorhanden, aber ungleich verteilt sind und nachhaltige Veränderungen einen grundlegenden Systemwandel erfordern. Konkrete Handlungsempfehlungen sind die Einführung einer Gehalts- und Beförderungstransparenz, die strukturelle Verankerung flexibler Arbeitsmodelle und die gezielte Unterstützung in belastenden Lebensphasen wie Elternschaft und Pflege. Einzelne Programm reichen nicht aus, wenn sie nicht Teil einer verbindlichen Organisations- und Führungskultur sind.
Quelle:
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