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Im Gefängnis will niemand landen - das war schon immer so Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Das Gefängniswesen hat sich von der Antike bis zur Neuzeit stark gewandelt. Nicht geändert hat sich das Unbehagen, das für die meisten Menschen mit einem Zwangsaufenthalt in dieser Einrichtung verbunden ist. Manche Zeitgenossen wollen aber auch partout nicht raus.

Gefängnisse sind Orte, an denen Menschen gegen ihren Willen festgehalten werden. Sie dienen der Unterbringung von verurteilten Straftätern, von Untersuchungsgefangenen, für die die Unschuldsvermutung gilt, und häufig auch von Sicherungsverwahrten. Eines ist allen Gefängnissen gemein:

Jeder – oder besser fast jeder - , der drinnen ist, will so schnell wie möglich raus.

 Erste Gefängnisse in der Antike

Das Gefängnis und die Haftstrafe existieren bereits seit der Antike. In der Antike war die Inhaftierung in der Regel allerdings nicht die von Gerichten verhängte Sanktion, die Inhaftierung diente hauptsächlich dazu, Gefangene bis zur Gerichtsverhandlung festzusetzen. Die Sanktion selbst war häufig anderer Natur. Steinigung,, Reichen des Schierlingsbechers und Tod durch das Schwert waren einige davon.

Im Mittelalter waren Gefängnisse Orte von Folter und Misshandlung

Im Mittelalter diente die Inhaftierung häufig der Gläubigersicherung. Schuldner kam in den sogenannten Schuldnerturm, und zwar solange, bis die Schuld beglichen war. Diese Strafe wurde bis weit ins 19. Jahrhundert verhängt. In dieser Zeit findet sich auch erstmalig die lebenslange Freiheitsstrafe als eine Art abgemilderte Todesstrafe.

Die Inquisition verhängte gerne lebenslängliche Freiheitsstrafen über Häretiker, wenn diese ihren Irrglauben zwar widerriefen, die Inquisitoren ihnen aber nicht glaubten, dass dies aus innerer Überzeugung geschah.

 Im übrigen waren auch im Mittelalter andere Sanktionen wie der Pranger, die Prügelstrafe, das Brandmarken, das Händeabhacken, die Blendung, das Rädern, Verbrennen und Enthaupten die verbreiteteren Strafen. Das Zuchthaus diente auch dort der Vorbereitung dieser Strafen. Gefangene waren in dieser Zeit häufig Folter und Misshandlungen durch die Obrigkeit ausgesetzt.

Resozialisierungsgedanke schon in der Antike

Schon der Sokrates-Schüler Platon hatte die Idee, in Gefängnissen Resozialisierung zu betreiben. Die Straftäter sollten im Gefängnis über das von ihnen begangene Unrecht nachdenken und sich bessern. Auch der Abschreckungsgedanke in Form von  Generalprävention und Spezialprävention war Platon nicht fremd. Diese fortschrittlichen Ideen waren aber weder in der Antike noch im Mittelalter mehrheitsfähig.

Das Gefängnis war das Zuhause für die Armen

Im 16. Jahrhundert entwickelte sich die Gefängnisstrafe im gesamten europäischen Raum mehr und mehr zur Regelstrafe gegen Verbrecher. Insassen waren allerdings häufig auch Arme und Bettler, die man im öffentlichen Raum nicht gerne sah. Faulheit und andere Laster wie Ehebruch waren offizielle Haftgründe. Die Gefängnisse waren in der Regel als Arbeitshäuser ausgebaut, in denen die Insassen disziplinierte Arbeit lernen sollten. Unter dem Begriff „Spinnhäuser“ existierten  spezielle Arbeitshäuser für Frauen.

Der erste große Reformer John Howard

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich aufgrund der Vorschläge des englischen Calvinisten John Howard zum ersten Mal eine Art modernes Gefängniswesen. Die Vorschläge des Reformers waren:

  • sinnvolle Arbeit für Gefangene bei gerechter Entlohnung;
  • eine - bis dahin eher unbekannte - gesunde Ernährung der Gefangenen;
  • Schaffung hygienischer Zustände;
  • ein Vollzugssystem in Stufen, in dem Gefangene sich durch gute Führung Hafterleichterungen verschaffen konnten;
  • staatliche Aufsicht über die Gefängnisse und insbesondere auch über die bis dahin weitgehend unkontrollierten und nicht immer dem Gedankengut der Humanität verpflichteten Gefängniswärter. 

Modernisierung des Strafvollzugs in Deutschland

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden in Deutschland die ersten Gefängnisse, in denen Gefangene von Gefangenenfürsorgevereinen betreut und Maßnahmen der Besserung eingeführt wurden. Das Reichsstrafgesetzbuch von 1871 unterschied zwischen verschiedenen Haftarten:

  • Zuchthaus mit Arbeitspflicht für langjährige Haftstrafen;
  • Gefängnis mit Recht auf Arbeit für Haftstrafen bis zu fünf Jahren;
  • Festungshaft für Angehörige höherer Schichten (u.a. Offiziere und Adlige);
  • Arbeitshaus bei Landstreicherei, Trunksucht, Arbeitsscheu und gewerbsmäßiger Unzucht.

Die Nationalsozialisten machten der Humanisierung ein Ende

Humanisierungstendenzen in der Weimarer Republik wurden unterbrochen durch den Nationalsozialismus ab 1933. Gefängnisse entwickelten sich teilweise zu Konzentrationslagern, die Todesstrafe wurde vermehrt verhängt.

Die Nachkriegszeit brachte ein Umdenken

Nach dem Krieg waren die deutschen Gefängnisse zunächst stark überbelegt. Mit dem Strafvollzugsgesetz von 1977 fand die Resozialisierung Einzug in die Haftanstalten unter dem Stichwort Humanisierung der Strafvollzugs. Spiel und Sport fanden Einzug in die Haftanstalten, teilweise wurden Gefangene auch psychologisch betreut. Gefängnisbüchereien, Bezug von Zeitungen und Zeitschriften, Fernseher in Hafträumen, Zugang zu Computern und Internet sind heute häufig möglich, aber bei weitem nicht selbstverständlich. Vieles davon ist im einzelnen nach wie vor umstritten. Die Trennung von männlichen und weiblichen Gefangenen, von Erwachsenen und Jugendlichen, von Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten, die Betreuung von Gefangenen in sozialtherapeutischen Anstalten mit intensiveren Behandlungsangeboten gehören oder sollten heute zum Standard gehören. Für kranke und suchtkranke Straftäter existiert ein gesonderter Maßregelvollzug.

Berühmte Gefangene

Gefängnisse hatten nicht selten berühmte Insassen. 

  • Der erste prominente Insasse dürfte der bekannteste Philosoph seiner Zeit, Sokrates, gewesen sein. Im Jahre 399 v. Chr. wurde der Philosoph zum Tod verurteilt, weil er durch seine Diskussionen auf den Straßen die Jugend verderbe und nicht an die Götter glaube.
  • Zur Zeit Christi wurden Johannes der Täufer und später viele Christen inhaftiert.
  • Der schon zu seiner Zeit anerkannte Gelehrte Thomas Morus wurde in England unter Heinrich VIII zum Kanzler ernannt. Als er sich gegen die Scheidung des Königs aussprach wurde er gefangen gesetzt und im Jahre 1535 hingerichtet.
  • Viele Schriftsteller wie der Verfasser des spanischen Romans Don Quijote, Miguel de Cervantes oder Oscar Wilde gerieten in Gefangenschaft.
  • Der bekannteste und am längsten festgehaltene Gefangene der Neuzeit war wohl Nelson Mandela, der nach seiner Entlassung im Jahr 1993 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.
  • Ebenfalls ein berühmter Gefängnisinsasse und Nobelpreisträger war Martin Luther King.

Einige Skurrilitäten zum Schluss

Ob Antike, Mittelalter oder Neuzeit - eines ist den Gefängnissen über die gesamte Entwicklung gemein: Es sind Orte, von denen jeder so schnell wie möglich weg will. Aber auch da gibt es Ausnahmen.

So hatte kürzlich das Schweizer Bundesgericht über einen Fall zu entscheiden, in dem eine Besucherin eines Gefangenen des kantonalen Gefängnisses sich nach dem Ende der Besuchszeit partout nicht aus der Haftanstalt entfernen wollte.

Polizisten mussten sie zunächst mit Gewalt hinaustragen und dann gewaltsam daran hindern, in die Haftanstalt zurückzukehren. Die Frau klagte wegen dieser nach ihrer Auffassung menschenrechtswidrigen Behandlung bis zum Schweizer Bundesgericht, dass ihr allerdings nicht Recht gab (Schweizer Bger, Urteil v. 8.9.2017, 6B 507/2017).

Für manche Zeitgenossen ist das Gefängnis anscheinend angenehmer als die Freiheit. Dabei ist das Schweizer Kantongefängnis sicher nicht so komfortabel wie das inzwischen zu einem Luxushotel umgebaute alte Offenburger Gefängnis mit einer First-Class-Gastronomie und dem sinnigen Namen Hotel „Liberty“. Die Entwicklung zu solchem Luxus dürfte bei allen Modernisierungstendenzen für den gemeinen Strafgefangenen wohl auch in Zukunft ein unerfüllter Traum bleiben.

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Schlagworte zum Thema:  Justiz, Haftbefehl, Jurisprudenz, Juristen, Urteil, Richter

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