Fahrten Wohnung - erste Tätigkeitsstätte

Aufwendungen des Arbeitnehmers für die Fahrten von der Wohnung zur Arbeit gehören zu den abzugsfähigen Werbungskosten, die in Höhe der Entfernungspauschale (0,30 EUR pro Entfernungskilometer) angesetzt werden können. Während zuvor Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte unter den Anwendungsbereich der Entfernungspauschale gefallen sind, gilt dies seit 1.1.2014 für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Durch die gesetzlichen Reisekostenvorschriften wird der Begriff der regelmäßigen Arbeitsstätte sowohl formal als auch inhaltlich durch den Arbeitsort "erste Tätigkeitsstätte" ersetzt. Die bisherige Rechtsprechung und die Verwaltungsregelungen zur Anwendung und Berechnung der Entfernungspauschale gelten uneingeschränkt fort, sofern sie sich nicht auf die Auslegung und Bestimmung des Arbeitsstättenbegriffs beziehen. So ist für den Ansatz der Entfernungspauschale weiterhin nicht entscheidend, mit welchem Transportmittel der Weg zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte zurückgelegt wird. Liegen die tatsächlichen Aufwendungen für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel über der Entfernungspauschale, kann auch der übersteigende Betrag angesetzt werden.

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Lohnsteuer: Rechtsgrundlage für die Entfernungspauschale ist § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 und Abs. 2 EStG i. d. F. des Gesetzes zur Änderung und Vereinfachung der Unternehmensbesteuerung und des steuerlichen Reisekostenrechts vom 20.2.2013, BStBl 2013 I S. 188. Verwaltungsanweisungen hierzu enthalten R 9.10 LStR und H 9.10 LStH. Allgemeine Grundsätze regelt das BMF-Schreiben v. 24.10.2014, IV C 5 - S 2353/14/10002, BStBl 2014 I S. 1472. Es berücksichtigt die durch die gesetzliche Neuregelung der steuerlichen Reisekostenvorschriften erforderlichen Änderungen, insbesondere die formelle und inhaltliche Anpassung an die neue Arbeitsortbestimmung "erste Tätigkeitsstätte".

Sozialversicherung: Die Zurechnung des vom Arbeitgeber im Rahmen des Arbeitsverhältnisses geleisteten Fahrtkostenersatzes zum beitragspflichtigen Arbeitsentgelt in der Sozialversicherung ergibt sich aus § 14 Abs. 1 Satz 1 SGB IV. Die Ausnahmeregelung für pauschal versteuerten Fahrtkostenersatz ist in § 1 Satz 1 Nr. 3 i. V. m. Satz 2 SvEV geregelt.

Kurzübersicht

  • Entgelt • LSt • SV
  • Arbeitgeberzuschüsse oder Firmenwagen *soweit keine Pauschalbesteuerung mit 15 % • pflichtig • pflichtig*
  • Arbeitgeberzuschüsse oder Firmenwagen bei Pauschalbesteuerung mit 15 % • frei • frei

Arbeitsrecht

Die Kosten für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte trägt der Arbeitnehmer selbst, wenn nicht ausdrücklich oder stillschweigend etwas anderes vereinbart ist. Letzteres ist insbesondere anzunehmen bei häufig wechselnden und weit von der Wohnung entfernt liegenden Arbeitsstätten. Da die Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte grundsätzlich zum privaten Lebensbereich des Arbeitnehmers gehört, rechnet sie nicht zur Arbeitszeit. Eine gesetzliche Regelung, nach der Reisezeiten wie vergütungspflichtige Arbeitszeiten zu bewerten sind, besteht nicht.

Erleidet der Arbeitnehmer auf der Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mit seinem Kraftfahrzeug einen Unfall, so ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet, den Sachschaden zu ersetzen. Der Weg ist allerdings durch die gesetzliche Unfallversicherung versichert.

Lohnsteuer

1 Verkehrsmittelunabhängige Entfernungspauschale

Aufwendungen des Arbeitnehmers für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte gehören zu den abzugsfähigen Werbungskosten. Steuerlich werden diese Aufwendungen im Rahmen einer verkehrsmittelunabhängigen Entfernungspauschale i.  H.  v. 0,30 EUR pro Entfernungskilometer berücksichtigt.

Die Entfernungspauschale berechnet sich nach der Wegstrecke, die für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte maßgebend ist. Immer dann, wenn die tatsächliche Arbeitsstätte zugleich auch erste Tätigkeitsstätte ist, kann der Arbeitnehmer keine Reisekosten erhalten. Die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte unterliegen in diesem Fall der begrenzten Abzugsfähigkeit der Entfernungspauschale.

Die Entfernungspauschale ist grundsätzlich unabhängig vom Verkehrsmittel zu gewähren. Ebenso wenig kommt es auf die Höhe der tatsächlichen Aufwendungen an. Sie gilt also auch dann, wenn der Arbeitnehmer

  • solche Fahrten kostenfrei mit Verkehrsmitteln des Arbeitgebers durchführen könnte, aber seinen eigenen Pkw nutzt;
  • für diese Fahrten einen Dienstwagen seines Arbeitgebers nutzt und er hierfür einen geldwerten Vorteil versteuert;
  • nicht sein eigenes Fahrzeug, sondern z.  B. das eines Familienmitglieds nutzt;
  • die Strecke als Mitfahrer einer Fahrgemeinschaft zurücklegt, das gilt auch für die Fahrgemeinschaft von Ehe-/Lebenspartnern.

Eine Ausnahme gilt für Flugstrecken. Maßgebend sind hier nur die tatsächlich angefallenen Flugkosten.

Keine Entfernungspauschale bei steuerfreier Sammelbeförderung

Nutzt der Arbeitnehmer für die Strecke zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte eine steuerfreie Sammelbeförderung durch den...

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