Studie Digital Learning Realities 2026

Viel Geld für KI, wenig Vertrauen in Lernsysteme

Mehr Budget, mehr Pilotprojekte, mehr Ambitionen – und trotzdem wächst die Unzufriedenheit. Drei von vier L&D-Teams sind enttäuscht von den KI-Funktionen ihrer Lernsysteme, und nur ein Drittel hält die eigene Lernplattform für fit für die moderne Arbeitswelt. Die "Digital Learning Realities 2026" der Fosway Group zeichnen ein widersprüchliches Bild einer Branche im Umbruch.

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KI steht ganz oben auf der Agenda von Learning & Development. Doch mit den Investitionen steigen offenbar auch die Erwartungen an die Technik. Die nun vollständig vorliegende Untersuchung "Digital Learning Realities 2026" der britischen Fosway Group zeigt: 73 Prozent der befragten L&D-Teams sind mit den KI-Funktionen ihrer vorhandenen Lernsysteme weniger zufrieden als erwartet. Zugleich steht nur rund ein Drittel hinter der eigenen Lernplattform. Für Anbieter und Anwender wächst damit der Druck, den Nutzen neuer Funktionen nachzuweisen.

Die Investitionsbereitschaft ist hoch: 63 Prozent der befragten L&D-Verantwortlichen rechnen mit steigenden Ausgaben für die KI-gestützte Erstellung von Inhalten. Bereits 53 Prozent der Unternehmen setzen KI für die Medienproduktion ein, 50 Prozent für Übersetzungen. Auch neue Anwendungen werden erprobt. So pilotiert ein Viertel der Teams KI-gestütztes Coaching und 33 Prozent haben entsprechende Pilot- oder Implementierungsprojekte für KI-basiertes Skill-Management gestartet.

Dem stehen die folgenden Ergebnisse gegenüber: 73 Prozent der L&D-Teams geben an, dass die KI-Funktionen ihrer aktuellen Lernsysteme ihre Erwartungen nicht erfüllen. 2025 waren es 65 Prozent und 2024 67 Prozent. Lediglich vier Prozent berichten im Jahr 2026, dass ihre Erwartungen übertroffen wurden.

Gleichzeitig nennen 67 Prozent der Befragten künstliche Intelligenz als strategische Priorität für die kommenden zwölf Monate. Damit steht KI in den "Digital Learning Realities 2026" der Fosway Group an erster Stelle. Es folgen Upskilling und Reskilling mit 58 Prozent sowie die Unterstützung der Business Transformation mit 47 Prozent. Compliance, lange Zeit ein bestimmendes Thema für L&D, fällt demgegenüber zurück.

Die Umfrage wurde in drei Bereiche geclustert: "L&D Strategy and Resourcing" mit den Unterkategorien Strategie und Prioritäten, Budgets und Tech Investments sowie "The L&D Team – Evolving Roles and Future Skills". Der Bereich "AI Value" umfasst die Themen "AI Expectations and Drivers", "AI Impact on Budgets", "Current and Emerging AI Adoption" und "AI Effectiveness". Den Abschluss bildet der dritte Bereich, "Ecosystem and Learning Experience" mit den Themen Emerging Trends in the Effective Learning Experience und the Modern Learning Technology Ecosystem.

Nur jeder Dritte hält die eigene Lernplattform für zeitgemäß

Die Bewertung der Systeme fällt nicht nur bei den KI-Funktionen schwach aus. Nur etwa ein Drittel der Befragten ist der Meinung, dass die eigene Lernplattform geeignet ist, um die Anforderungen einer modernen Belegschaft zu erfüllen.

Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Systemtypen. Am schlechtesten schneiden Lernmodule ab, die Bestandteil einer größeren HR-Suite sind. Nur 17 Prozent ihrer Nutzer halten sie für geeignet. Spezialisierte Lernplattformen erreichen hingegen 48 Prozent. Damit werden Best-of-Breed-Lösungen fast dreimal so häufig positiv bewertet.

Gleichzeitig verliert die seit Jahren geführte Unterscheidung zwischen Learning Management System (LMS) und Learning Experience Platform (LXP) an Bedeutung. Fosway beobachtet eine zunehmende funktionale Annäherung. In den vergangenen Jahren haben LXPs zahlreiche Funktionen klassischer LMS übernommen. Bei der Auswahl eines Systems dürfte deshalb weniger die Bezeichnung als vielmehr die Frage, welche Funktionen für den jeweiligen Anwendungsfall benötigt werden und wie gut diese umgesetzt sind, entscheidend sein.

KI wird zur wichtigsten strategischen Priorität

Der kritische Blick auf die vorhandene Technik bremst das Interesse an KI bislang nicht. 67 Prozent der Befragten nennen künstliche Intelligenz als strategische Priorität für die kommenden zwölf Monate. Upskilling und Reskilling folgen mit 58 Prozent. Die Themen Compliance und Onboarding erreichen 35 bzw. 26 Prozent.

Hinter dem KI-Einsatz stehen mehrere Erwartungen. Die Befragten wollen die Produktivität von L&D erhöhen, die Erstellung von Lernangeboten verbessern, Lernen effektiver und effizienter gestalten, stärker personalisieren und operative Kosten reduzieren.

Bislang sind Anwendungen mit überschaubarem Einsatzbereich am weitesten verbreitet. Dazu gehören Medienproduktion und Übersetzung. Bei komplexeren Aufgaben ist das Bild weniger eindeutig. So nutzen aktuell nur 18 Prozent KI für das Skill-Management. Von diesen bewerten lediglich zehn Prozent ihren Ansatz als sehr effektiv.

Dies ist auch deshalb bemerkenswert, da die Verknüpfung von Lernen und Kompetenzen für Unternehmen eine hohe Priorität besitzt. Zwischen dem strategischen Stellenwert und dem bisherigen Erfolg der eingesetzten Technik besteht hier noch ein deutlicher Abstand.

Budgetkürzungen erhöhen den Effizienzdruck

Jedes vierte der befragten Teams berichtet von Budgetkürzungen im Jahr 2026. Laut Fosway hat der finanzielle Druck ein Ausmaß erreicht, wie es seit der Zeit der Corona-Pandemie nicht mehr beobachtet wurde.

Die Entwicklung unterscheidet sich allerdings je nach Ausgabenbereich. So rechnen 63 Prozent mit höheren Budgets für die KI-gestützte Erstellung von Inhalten, während die Ausgaben für traditionelle digitale Lerninhalte im längerfristigen Vergleich zurückgehen. 2026 wurde zudem der bisher höchste Anteil an L&D-Teams gemessen, die ihre Content-Budgets reduzieren.

Auch beim Personal wird gespart. Knapp ein Fünftel der Unternehmen berichtet von Kürzungen bei den Budgets für ihre internen Digital-Learning-Teams. Die Zahl der Vollzeitkräfte, die für Lernprojekte eingesetzt werden, ist demnach auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren gefallen. Ein Drittel der Befragten plant, künftig mit weniger internem Personal auszukommen. Auch die Budgets für externe Dienstleister werden massiv beschnitten.

Parallel dazu werden Fachexpertinnen und Fachexperten aus den Fachabteilungen stärker in die Erstellung von Inhalten einbezogen. Laut Fosway ist die Abhängigkeit von diesen sogenannten Subject Matter Experts seit 2021 um mehr als 25 Prozent gestiegen. Generative KI erleichtert es den Fachbereichen, Lernmaterialien selbst zu produzieren. Ob damit tatsächlich die Gesamtkosten sinken, lässt sich aus den Daten jedoch nicht ableiten. So erfasst die Befragung beispielsweise nicht, wie viel Arbeitszeit Fachexpertinnen und Fachexperten für die Content-Erstellung benötigen und somit nicht für ihre eigentlichen Aufgaben zur Verfügung stehen.

Erste Unternehmen melden deutliche Einsparungen

Für einzelne Einsatzbereiche weist Fosway bereits erhebliche Kosteneffekte aus. So berichten 43 Prozent der Befragten bei maßgeschneiderten Lernprojekten von Einsparungen zwischen 21 und 40 Prozent durch KI. Ein Drittel der Befragten gibt an, bei Standard-Lerninhalten mindestens 20 Prozent der bisherigen Kosten einzusparen. Rund ein Fünftel berichtet sogar von Einsparungen von mehr als 40 Prozent. Beim Plattformbetrieb und den L&D-Operations geben mehr als 25 Prozent an, die Kosten durch KI um über 20 Prozent gesenkt zu haben.

Wie sich diese Werte langfristig entwickeln werden, bleibt abzuwarten. Fosway selbst warnt davor, KI ausschließlich unter Kostengesichtspunkten zu betrachten. Zu berücksichtigen seien unter anderem die Aufwendungen für die menschliche Kontrolle von KI-Ergebnissen, wie es unter dem Stichwort "Human in the Loop" immer wieder gefordert wird. Hinzu kommen neue Preismodelle: Anbieter von KI-Funktionen gehen zunehmend zu nutzungs- oder tokenabhängiger Abrechnung über. Damit können die Kosten mit der Nutzungsintensität steigen und sind schwerer planbar.

Die genannten Einsparungen sind deshalb nicht mit einer vollständigen Total-Cost-of-Ownership-Betrachtung gleichzusetzen.

L&D rechnet mit weitreichender Automatisierung

Dennoch sind die Erwartungen an weitere Effizienzgewinne hoch. So gehen 61 Prozent der L&D-Verantwortlichen davon aus, dass 40 bis 60 Prozent ihrer heutigen Aufgaben durch KI ersetzt werden könnten, ohne dass die Effektivität beeinträchtigt würde. Die Bewertungen konkreter Anwendungen fallen jedoch zurückhaltender aus. So stufen mehr als 80 Prozent KI bei vielen anspruchsvolleren Einsatzgebieten nicht als "sehr effektiv" ein.

KI-Coaches als neuer Zugang zum Lernen

Auch beim Zugang zu digitalen Lernangeboten gibt es Veränderungen. So pilotiert mehr als ein Viertel der befragten L&D-Teams KI-gestütztes Coaching. Fosway hält es für möglich, dass solche Systeme künftig eine stärkere Rolle als Zugangspunkt zu Lernangeboten übernehmen. Beschäftigte könnten dann über einen KI-Assistenten auf Lerninhalte und Unterstützung zugreifen, während LMS oder Learning-Experience-Plattformen stärker im Hintergrund arbeiten. Bislang ist das jedoch nur eine Prognose. Die Zahl der Pilotprojekte sagt noch nichts darüber aus, wie dauerhaft die Systeme eingesetzt werden und ob die Beschäftigten sie gegenüber bestehenden Lernangeboten bevorzugen. Daten zur Akzeptanz durch die Lernenden enthält die Untersuchung nicht.

Auch die übrigen Plattformdaten sprechen nicht für ein kurzfristiges Verschwinden etablierter Lernsysteme. L&D-Teams, die spezialisierte Lernplattformen einsetzen, beurteilen ihre Lösung dreimal häufiger als geeignet für die moderne Arbeitswelt als Unternehmen, die das Lernmodul einer HR-Suite verwenden. Laut Fosway sind Best-of-Breed-Plattformen weiterhin stark verbreitet.

Längere Lernprogramme bleiben wichtig

Auch bei den Lernformaten zeigen die Daten kein einheitliches Bild. Obwohl kurze und schnell produzierbare Lerninhalte zunehmend verfügbar sind, halten 70 Prozent der Befragten längere strategische Lernprogramme weiterhin für wichtig.

Ihre Bedeutung hat allerdings abgenommen. Gegenüber 2024 sank der entsprechende Anteil um zehn Prozentpunkte. Fosway nennt als mögliche Gründe unter anderem eine veränderte Nachfrage und begrenzte Kapazitäten der L&D-Teams. Welche Faktoren für den Rückgang verantwortlich sind, wurde jedoch nicht untersucht. 

Zwischen Investitionsbereitschaft und Ernüchterung

Die "Digital Learning Realities 2026" verdeutlichen vor allem die aktuellen Arbeitsbedingungen von L&D: KI erhält hohe strategische Aufmerksamkeit und zusätzliche Investitionen, während die Gesamtbudgets unter Druck stehen und interne Ressourcen abgebaut werden. Gleichzeitig bleiben zentrale Aufgaben ungelöst. So sehen drei Viertel der Befragten erhebliche Kompetenzlücken im Unternehmen, aber nur 14 Prozent beurteilen die eigene Upskilling- und Reskilling-Strategie als sehr effektiv. Nur 34 Prozent halten das eigene L&D-Team für ausreichend auf die kommenden Jahre vorbereitet.

Fosway hat die Untersuchung zwischen Februar und April 2026 gemeinsam mit Learning Technologies und Closer Still durchgeführt. Befragt wurden 334 CHROs, Talent- und L&D-Verantwortliche sowie Fachleute für Learning-, Talent- und HR-Technologie. Mehr als 77 Prozent der Befragten arbeiten in europäischen Organisationen, 62 Prozent haben eine globale Funktion. Die Ergebnisse spiegeln somit vor allem die Einschätzungen von L&D- und HR-Verantwortlichen in größeren Unternehmen wider. 

 

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