Spagat zwischen Beruf und aktiver Vaterschaft
Die Rollenbilder von Vätern sind im Wandel. Die Väter von heute verbringen meist mehr Zeit mit den Kindern als das noch bei ihren eigenen Vätern der Fall war. Die Mehrheit wünscht sich eine partnerschaftlichen Aufgabenteilung, die von der Coronapandemie noch befördert wurde. Wie die Realität zwischen Beruf und Familie für heutige Väter aussieht, zeigt der Väterreport 2021, der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend herausgegeben wurde. Der Väterreport fußt unter anderem auf Befragungsergebnissen des Instituts für Demoskopie Allensbach sowie auf Daten des Statistischen Bundesamts.
Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Der aktive Vater als neuer Trend
Unter den befragten Vätern mit ältestem Kind unter zehn Jahren wünscht sich fast jeder zweite eine partnerschaftliche Aufteilung von Familie und Beruf. 55 Prozent der Väter möchte sogar die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen. Die aktive Vaterschaft ist damit klarer Wunsch und Trend heutiger Väter, was auch die Väterbeteiligung am Elterngeld deutlich widerspiegelt. Von 2008 bis 2018 hat sich die Inanspruchnahme auf 42,1 Prozent verdoppelt. Trotzdem stehen Väter im Spannungsfeld von Erwartungen - Vater und Familienernährer - und ihren Zeitressourcen. 45 Prozent der Befragten haben den Eindruck, nicht genug Zeit für ihre Kinder zu haben. Zudem gaben nur 17 Prozent der Väter mit ältestem Kind unter 10 Jahren an, ihren Wunsch nach partnerschaftlicher Aufgabenverteilung verwirklichen zu können. Von den befragten Müttern konnte das nur jede zehnte bestätigen. Insofern wird der Trend zur aktiven Vaterschaft noch nicht überall umgesetzt.
Erwerbsverhalten: Die meisten Väter arbeiten noch Vollzeit
Das männliche Einverdienermodell erscheint zunehmend überholt. In der Mehrheit der Paarfamilien üben beide Elternteile eine Erwerbstätigkeit aus. Dass weniger Väter als Alleinverdiener arbeiten, geht mit der Zunahme der Mütter-Erwerbstätigkeit einher. Im Besonderen die Zahl der Familien, in denen der Vater einer Vollzeitstelle nachgeht und die Mutter 20 bis 36 Stunden arbeitet, erlebte im Vergleich von 2006 bis 2019 einen starken Anstieg: von 19 auf 36 Prozent. Auch Väter arbeiten etwas häufiger im Zeitrahmen von 20 bis 36 Stunden, die deutliche Mehrheit der Väter aber geht weiter einer Vollzeittätigkeit nach. Auch hier klaffen Wunsch und Realität noch auseinander. Mehr als die Hälfte der Väter, deren ältestes Kind unter zehn Jahren ist, wünscht sich eine Reduktion der Stunden, die Mütter hingegen würden zu 42 Prozent gerne ihre Erwerbstätigkeit ausweiten oder (wieder) aufnehmen.
Coronapandemie: Partnerschaftliche Kinderbetreuung nimmt zu
Der Lockdown bewirkte, dass die Väter mehr Aufgaben in der Familienarbeit übernommen haben. Im Februar 2021 bestätigten das zwei Fünftel der befragten Väter mit Kindern unter 15 Jahren. Etwa jede fünfte Paarfamilie gab an, dass sich die Aufteilung der Familienarbeit partnerschaftlicher gestaltete, was auch fast die Hälfte der Familien nach der Pandemie gerne weiterführen würde. Zwar übernahmen die Frauen in der Pandemie den größeren Teil der Familienarbeit (9,6 Stunden), der relative Anstieg aber war bei Vätern höher - eine Veränderung um 89 Prozent, von 2,8 auf 5,3 Stunden. Innerhalb der Vätergruppe verteilte sich der Anstieg je nach Arbeitsort: Die Familienarbeitszeit war bei Vätern im Homeoffice höher als bei der Vergleichsgruppe, die weiter vor Ort am Arbeitsplatz arbeitete. Bei Paarfamilien, in denen beide Eltern im Homeoffice waren, verteilte sich die Familienarbeit gleichmäßiger auf beide.
Familienbewusste Personalmaßnahmen in Unternehmen
Die Wahrnehmung und Unterstützung von Vätern in den Betrieben wird zunehmend stärker. Für die Mehrheit der Geschäftsleitungen und Personalverantwortlichen sind familienbewusste Personalmaßnahmen sehr wichtig. Mehr als die Hälfte der Unternehmen hat 2018 eine spezifische Maßnahme zur Väterförderung zur Verfügung gestellt. Davon boten im Vergleich zu 2015 fast doppelt so viele Unternehmen ein Arbeitsmodell in vollzeitnaher Teilzeit an (35,8 Prozent) oder führten häufiger ergebnisorientiert (36,4 Prozent). Interessant ist, dass auch mehr männliche Führungskräfte selbst Elternzeit in Anspruch nahmen, etwa ein Drittel.
Den kompletten "Väterreport. Update 2021" finden Sie hier.
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