14.10.2016 | Serie HR-Startups

Personio: HR- und Recruiting-Prozesse in der deutschen Cloud

Serienelemente
V.l.n.r: Roman Schumacher, Hanno Renner, Ignaz Forstmeier und Arseniy Vershini
Bild: Haufe Online Redaktion

Herkömmliche HR-Systeme sind für kleine und mittlere Unternehmen oft zu teuer und die Einrichtung zu kompliziert. Deshalb entwickelte Personio eine Softwarelösung, die sich ohne Installation auf jedem browserfähigen Gerät nutzen lässt und die alle HR-Prozesse abbildet.

Wer hat’s gegründet?

Personio wurde 2015 von Hanno Renner, Roman Schumacher, Arseniy Vershinin und Ignaz Forstmeier gegründet. Die Gründer lernten sich am Münchner Center for Digital Technology and Management (CDTM) kennen, aus dem bereits erfolgreiche Unternehmen wie Outfittery, Stylight, Freeletics oder eGym entstanden sind.

Wie war die Entwicklungszeit?

Die Software wurde in der Anfangsphase mit einer kleinen Zahl Pilotkunden getestet und kontinuierlich verbessert. In den vergangenen zwölf Monaten wuchs der Kundenstamm durch Empfehlungen und ohne aktives Marketing auf mehr als 100 Unternehmen mit 20 bis 600 Mitarbeitern an. Die "Entwicklungszeit" betrachten wir als kontinuierlichen Prozess: Mit jedem neuen Kunden kommen neue Anforderungen und Ideen. Von der Umsetzung dieser Ideen profitieren wiederum alle bestehenden und künftigen Kunden.

Was ist die Idee dahinter?

Wer im deutschen Markt nach Personalsoftware sucht, findet zunächst etablierte Anbieter von Individualsoftware. Wegen der hohen Kosten und langen Einrichtungszeiträume kommen diese für Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern oft nicht infrage. Zudem existieren zahlreiche "Insellösungen", die nur einen bestimmten HR-Prozess abbilden (Beispiel: Urlaubsverwaltung). Die Verwendung einzelner Tools wird in der Praxis jedoch schnell unübersichtlich und führt zu inkonsistenten Daten und ineffizienten Abläufen. Andererseits können US-amerikanische Cloud-Anbieter in Sachen Datenschutz häufig nicht die strengen Anforderungen in Deutschland erfüllen. Die Idee hinter Personio war, erstmals sämtliche HRM- und Recruiting-Prozesse kleiner und mittlerer Unternehmen in einer intuitiv bedienbaren Software zu bündeln und dabei den deutschen Standards in punkto Datenschutz gerecht zu werden. Beim Betrieb der Server setzt Personio daher ausschließlich auf zertifizierte Anbieter mit Rechenzentren in Deutschland. Personio umfasst unter anderem die Bereiche Job-Multi-Posting, Bewerbermanagement, Mitarbeiter-Onboarding, digitale Personalakte, Urlaubsverwaltung, Genehmigungsprozesse, Gehaltsmanagement, Anwesenheitsverwaltung, Dokumentenverwaltung, Performance, Berichte sowie vorbereitende Lohnbuchhaltung. Jeder Mitarbeiter erhält ein eigenes Benutzerkonto mit bestimmten Zugriffsrechten und kann je nach Bedarf direkt in HR-Prozesse wie Urlaubsanträge, Stammdatenänderungen oder Bewerberevaluation einbezogen werden.

Was soll noch geändert werden?

Ziel ist es, Personio zur zentralen HR-Plattform für kleinere und mittlere Unternehmen in Europa auszubauen, an die andere HRM- oder Recruiting-Tools "andocken" können. Aus Kundensicht liegen die Kernprozesse und Mitarbeiterinformationen einheitlich und sicher bei Personio und können je nach Anforderung mit anderen Services ausgetauscht und verknüpft werden. Diesen Ansatz verfolgen wir heute bereits mit dem Recruiting-Service "GoHiring". Jobanzeigen, die einmal in Personio erstellt wurden, können damit automatisch auf mehr als 100 deutschen Karriereseiten veröffentlicht werden.

Was können etablierte Unternehmen von Ihnen lernen?

Eine unserer Stärken liegt in der Geschwindigkeit, mit der Neues umgesetzt und Bestehendes verbessert wird. Oft liegen nur wenige Wochen zwischen einer Kundenanfrage und der Implementierung einer neuen Funktion. Diese Agilität erhalten wir uns durch flache Hierarchien und große Gestaltungs- und Entscheidungsspielräume für jeden Einzelnen. Unsere Mitarbeiter arbeiten sich nicht durch vorgegebene Aufgabenlisten, sondern bewegen sich in crossfunktionalen Teams gemeinsam auf ein höheres Organisationsziel hin. Diese Ziele versuchen wir in regelmäßigen Abständen genau zu messen, etwa Kundenzufriedenheit anhand des "Net Promoter Score". Das motiviert und schafft Transparenz. Als Schmankerl stellen wir allen Mitarbeitern Elektroroller der Marke Unu als "Geschäftswagen" zur Verfügung. Gerade zur Rush Hour gibt es kaum ein schnelleres und unterhaltsameres Fortbewegungsmittel.

Weitere Informationen: www.personio.de

Schlagworte zum Thema:  Startup, Human Resource Management, Recruiting, Software, HR-Startup

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