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07.11.2012 | Serie Kolumne Stellenmärkte

Warum Online-Stellenmärkte so verwirrend sind

Serienelemente
Daniela Furkel, Chefreporterin Personalmagazin
Bild: Haufe Online Redaktion

Der Fachkräftemangel mischt die Stellenmärkte auf. Recruiter müssen die neuen Instrumente und Trends kennen. Was sich auf dem Markt tut, beobachtet unsere Expertin Daniela Furkel. In ihrer monatlichen Kolumne bewertet sie die Trends. Heute: Wie wirksam sind Online-Jobbörsen wirklich?

Spezialisten-Jobbörsen, die sich auf eine bestimmte Branche oder Berufsgruppe konzentrieren, sind bei den Nutzern immer beliebter. Das hat die aktuelle Marktstudie von Aktor Interactive ergeben, die 48 Online-Jobbörsen in Deutschland untersuchte. Laut dieser Studie verzeichnen zwar auch die großen Generalisten im Vergleich zum Vorjahr einen stetigen Anstieg der Nutzerzahlen. Aber es waren vor allem die spezialisierten Karriereseiten, die kräftig zulegten – und zwar unabhängig von der Branche.

Transparenz auf dem Print-Stellenmarkt

Für die Recruiter im Unternehmen heißt das: Um ihre Zielgruppe möglichst gut erreichen zu können, sollten sie auch die für sie relevanten branchen- oder berufsspezifischen Spezialistenjobbörsen im Auge behalten. Sie müssen also noch stärker den Markt beobachten und zielgenauer entscheiden, welche Stellenmärkte die besten für ihre Zielgruppen sind. Doch wie können sie sich möglichst einfach einen möglichst aussagekräftigen Überblick verschaffen? Diese Fragestellung führt zum Thema "Mangelnde Transparenz auf dem Markt der Online-Jobbörsen" – ein Thema, für das immer wieder nach Lösungen gesucht wird, jedoch bislang ohne nennenswerten Erfolg.

Auf dem Print-Stellenmarkt ist es so einfach: Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung von Werbeträgern (IVW) misst aufwendig und präzise die verbreiteten und verkauften Auflagen von Tages- und Wochenzeitungen, Publikums- und Fachzeitschriften. Auch Abonnements, Bordexemplare und sonstiger Verkauf werden ausgewiesen. So können sich die Recruiter schnell ein Bild darüber machen, wie viele potenzielle Leser sie über welche Verbreitungswege erreichen können. Es gibt zwar auch Printmedien, die nicht IVW-gelistet sind. Doch diese spielen auf dem Anzeigenmarkt selten eine große Rolle.

Was auf dem Online-Stellenmarkt fehlt

Weit komplexer ist die Situation auf dem Online-Stellemarkt. Hier ließen sich bislang nur drei Generalisten-Jobbörsen, zwei Nischenanbieter und eine Jobsuchmaschine von der IVW prüfen. Diese geringe Teilnehmerzahl ermöglichte nur wenig Vergleichbarkeit. Nun hat sich Monster – einer der drei Generalisten – zurückgezogen.

Welche anderen Möglichkeiten gibt es für Recruiter, die gut 1.500 Jobbörsen-Anbieter zu überblicken? Wenige beziehungsweise wenig aussagekräftige, lautet die profane Antwort. Gerhard Kenk vom Informationsportal Crosswater Job Guide sieht das Alexa-Ranking als wichtigen Gradmesser der Besucherfrequentierung an, der auch öffentlich jederzeit verfügbar und vergleichbar ist. Auch die jährlichen Jobbörsen-Übersichten, die im Personalmagazin veröffentlicht werden, werden unter anderem anhand des Alexa-Rankings ermittelt. Der Nachteil - der unserer Redaktion durchaus bewusst ist - liegt jedoch darin, dass Alexa nur dann einen Besuch auf einer Webseite zählt, wenn der Nutzer die Alexa-Symbolleiste in seinem Browser installiert hat. Dies ist vor allem im englischsprachigen Raum und bei technikaffinen Nutzern der Fall. Alexa ermöglicht also eine Tendenzaussage, aber keinen allumfassenden Überblick.

Eine Werbewirksamkeitsmessung liefert das international tätige Messinstitut Comscore. Die Messmethode ist eine Mischung aus indirekter Messung mittels Online-Panels und direkter Messung mittels Zählpixel. Die direkte Messung muss vom Anbieter beantragt werden und wird derzeit nur von wenigen Online-Portalen in Deutschland durchgeführt. Dr. Sacha Knorr, Leiter Marketing von Stepstone, erläutert den Nachteil dabei: "Nach Einbau der direkten Messung mittels Zählpixel schwanken die Werte stark im Vergleich zur Panel-Messung. Leider ist damit keine branchenweite Vergleichbarkeit gegeben." Und Gerhard Kenk kritisiert bei dieser Messmethode die mangelnde öffentliche Verfügbarkeit und Vergleichbarkeit.

Diskutieren Sie mit

Den besten Überblick geben noch qualitative Studien zur Personalerzufriedenheit (Profilo) und Bewerberzufriedenheit (Crosspro), der Medialeistungstest 2010 von Westpress oder die wissenschaftliche Analyse "Jobbörsen im Vergleich" von Professor Christoph Beck, doch sind in diesen Studien die kleineren Spezialistenbörsen unterrepräsentiert. Bleibt also weiterhin die große Frage, wie Online-Stellenbörsen in Deutschland ihren Kunden erleichtern können, die richtigen Recruiting-Medien für ihr Unternehmen auszuwählen.

Haben Sie eine Idee? Ich würde mich auf eine spannende Diskussion mit Anbietern und Recruitern freuen. Schreiben Sie mir Ihre Meinungen und Lösungsvorschläge auf Xing oder Facebook.

Hinweis: Sie wollen sich einen Überblick über Stellenmarkt- und Jobbörsenanbieter verschaffen? Dann nutzen Sie unseren Anbietercheck Stellenmärkte: www.anbietercheck.de/stellenmaerkte.

Haufe Online Redaktion

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