03.11.2014 | Serie Kolumne Talent Management

Die Personalauswahl wird noch komplexer

Serienelemente
Talent-Management-Experte Martin Claßen
Bild: Claßen

Die Arbeitswelt wird immer komplexer. Darum sollten Talent Manager überlegen, welche Fähigkeiten eigentlich ein Talent braucht, das vorbildlich mit Komplexität umgehen kann. Talent-Management-Experte Martin Claßen empfiehlt, auf Ambiguitätstoleranz zu achten.

In der amerikanischen Sprache sind die so genannten TLA höchst beliebt: "Three Letter Acronyms", oder in Deutsch: die Dreibuchstabenabkürzung (DBA). Berühmt berüchtigt sind etwa NSA, FBI, CIA, und so weiter. Hierzulande sind diese Dinger durch den Rappsong „MfG“ der Fantastischen Vier seit Ende der neunziger Jahre bekannt.

Zunehmende Komplexität in der Business-Welt

Doch die Welt ist seither deutlich komplizierter geworden, aus den TLA wurden FLA, wobei das F für "Four" steht. Jenseits des großen Teichs ist derzeit die Abkürzung "VUCA" in. Das Akronym steht für unsere „volatile, unpredictable, complex, ambiguous“ Business-Realität. In ihm spiegeln sich die Dilemmata beim Talent Management: Können "High Pots" in dieser VUCA-Welt mit ihren flüchtigen, unvorhersehbaren, komplexen und komplizierten Wirbeln überhaupt noch gemanagt werden?

Amerikaner haben dank ihres optimistischen Lebensgefühls gleich eine Lösung parat: Zumindest bei einer Präsentation per Beamer an der Leinwand klappt die Transformation zum Besseren wundersam leicht. Dort leuchtet auf Klick per Animation prompt das bessere VUCA ("vision, understanding, clarity, agility"). Im wahren Leben bleibt diese Wandlung meist reine Sehnsucht.

Das renommierte Center for Creative Leadership (CCL) bezeichnet Komplexität als heftigste Herausforderung im Leadership und den Umgang mit Mehrdeutigem, die Ambiguitätstoleranz, als größtes Kompetenzdefizit im Top Management.

VUCA-Muskeln stählen und testen

Also sollte ein Talent auf dem Weg an die Spitze individuell seine VUCA-Muskeln stählen. Coachingsupport, Resilienztrainings, Achtsamkeitsyoga sowie weitere Interventionen am Kern der Persönlichkeit können dabei nützlich sein.

Zudem – das wäre meine Forderung an die Talentchecks vieler Unternehmen – müssen sich eignungsdiagnostische Tests von ihrem statischen "Job-Person-Fit", also der Passung eines bestimmten Menschen auf eine spezifische Funktion, weiterentwickeln. Zu prüfen sind viel eher die VUCA-Muskeln eines potentiellen Talents in dieser zunehmend verwirbelten Welt. Damit das andere Morgen nicht zur individuellen und organisatorischen Lähmung führt.

Martin Claßen hat 2010 das Beratungsunternehmen People Consulting gegründet. Talent Management gehört zu einem seiner fünf Fokusbereiche in der HR-Beratung.

Schlagworte zum Thema:  Talent Management, Personalauswahl, Recruiting, Personalentwicklung, Mitarbeiterbindung

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