Karrieremuster von Dax-Vorständen

Die Vorstandsgremien der im Deutschen Aktienindex (DAX) notierten Unternehmen sind heute weiblicher und internationaler als früher, dennoch dominieren in den obersten Führungsetagen immer noch alte Karrieremuster. Das zeigt der aktuelle DAX-Vorstands-Report der Personalberatung Odgers Berndtson.

Bereits zum achten Mal hat die internationale Personalberatung Odgers Berndtson die Profile sämtlicher Vorstandsmitglieder im DAX untersucht. Das zentrale Ergebnis: Branchenkenntnisse und der sogenannte "Stallgeruch" sind für das Vorstandsamt in einem DAX-Konzern auch heute noch enorm wichtig.

DAX-Vorstände: "Eigengewächse" klar in der Mehrheit

Der Anteil der Vorstände, die vor ihrer Berufung bereits mehr als die Hälfte ihrer Karriere im Unternehmen verbracht haben – sogenannte "Eigengewächse" –, ist im Jahr 2019 auf über 58 Prozent gestiegen. Bei den Vorstandsvorsitzenden im DAX liegt diese Quote sogar noch höher: 80 Prozent der CEOs werden hier aus internen Positionen rekrutiert. Der Anteil der Eigengewächse in den Vorstandsgremien war in der Finanzkrise Ende der 2000er Jahre zwar vorübergehend unter die 50-Prozent-Marke gesunken, ist in den vergangenen zehn Jahren aber kontinuierlich gestiegen. "Bei der Besetzung der obersten Führungspositionen wird in den meisten Fällen ein Kandidat aus dem eigenen Haus bevorzugt", erläutert Klaus Hansen, Partner und Leiter der Board & Chair- sowie CEO-Practice bei Odgers Berndtson, die Ergebnisse. "Quereinsteiger wie zum Beispiel Kasper Rorsted, der von Henkel zu Adidas gewechselt ist, sind auch heute noch die Ausnahme."

Trotz disruptiver Zeiten: Im Vorstand werden Brancheninsider bevorzugt

Auch der Branchenzugehörigkeit eines angehenden DAX-Vorstandsmitglieds wird eine unverändert hohe Bedeutung beigemessen: 80 Prozent der amtierenden Vorstandsmitglieder haben ihre Karriere zum größten Teil innerhalb derselben Branche verbracht. Unter den in 2019 neu berufenen Vorstandsmitgliedern sind es sogar 89 Prozent.

Für die 30 DAX-Chefs sind Branchenkenntnisse ein ganz besonderes Muss: 83 Prozent von ihnen sind Brancheninsider, in den Vorjahren lag ihr Anteil sogar bei über 90 Prozent. "Angesichts des zunehmend disruptiven Umfelds der Unternehmen verwundert dieser mangelnde Mut zum 'Out-of-the-Box-Denken'“, kommentiert Klaus Hansen den geringen Anteil an Quereinsteigern. "Die Konvergenz der Branchen ist bereits mit bloßem Auge sichtbar, und wir stehen hier erst am Anfang einer Revolution", so der Berater.

Frauen kommen häufiger von außen

Vergleicht man die Lebensläufe der männlichen und weiblichen Vorstandsmitglieder im DAX, so zeigt sich, dass Frauen öfter von außerhalb der Unternehmen kommen als Männer. Während die "Eigengewächs-Quote" bei den Männern bei 61 Prozent liegt, kommen die Frauen nur auf rund 39 Prozent. Bei der Branchenzugehörigkeit liegt ihr Anteil mit 68 Prozent ebenfalls deutlich unter dem der Männer mit 82 Prozent.

Im Regelfall bringen weibliche Vorstandsmitglieder also mehr Erfahrungen und damit neue Perspektiven aus anderen Unternehmen mit. "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung", freut sich Hansen und ergänzt: "Es wäre jedoch zu wünschen, dass Diversität in den größten deutschen Unternehmen sich nicht nur auf das Geschlecht oder die Hautfarbe reduziert, sondern auch auf das, was in den Köpfen steckt."


Das könnte Sie auch interessieren:

Kein Durchlass: Vorstände wechseln selten zwischen Konzern und Familienunternehmen

Was Personalvorstände in Dax-30-Unternehmen verdienen

Frauenanteil in Aufsichtsräten, Vorständen und Führungspositionen 2019

Schlagworte zum Thema:  Vorstand