Frauenquote

Frauenanteil in Aufsichtsräten, Vorständen und Führungspositionen 2026


Frauenanteil 2026 in Aufsichtsrat, Vorstand und Führungsebene

Zum Jahreswechsel 2025/2026 stagniert der Frauenanteil auf der obersten Führungsebene. Damit ist der positive Trend der vergangenen Jahre gestoppt. Aktuelle Zahlen zum Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten zeigen drei aktuelle Analysen.

In den vergangenen Jahren ist der Frauenanteil in den Top-Etagen börsennotierter deutscher Unternehmen kontinuierlich und zum Teil kräftig gewachsen. 2025 aber stagniert die Entwicklung erstmals. Nach einer Auswertung der Personalberatung Russell Reynolds Associates (RRA) ist der Anteil der Top-Managerinnen in den Vorständen der 90 Unternehmen der beiden großen deutschen Börsenindices leicht gesunken. So sind im Dax 40 aktuell (Stichtag 1. Januar 2026) 25,5 Prozent der Vorstände weiblich – 0,2 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Im MDax hat sich der Anteil der Frauen in Vorstandspositionen um 0,4 Prozentpunkte auf 19,5 Prozent verringert.

Zugleich zeigen die Zahlen von RRA, dass paritätisch besetzte Vorstände häufiger werden. So erreichten 2025 erstmals vier Dax-40-Unternehmen einen Frauenanteil von 50 Prozent im Vorstand. Im MDax sind es erstmals fünf Unternehmen. Zwei Dax-40-Unternehmen haben dagegen keine einzige Frau im Vorstand – das Chemieunternehmen Brenntag und Porsche SE. Das ist ein Unternehmen mehr als noch 2024. Im MDax waren 2025 die Vorstände von 16 Unternehmen rein männlich besetzt.

Von den insgesamt 71 Vorstandspositionen, die 2025 in Dax und MDax neu besetzt wurden, gingen gerade einmal 12 an Frauen (17 Prozent). Zahlen der Allbright-Stiftung vom November 2025 zeigen, dass die Anzahl weiblicher Neubestellungen in allen 160 Unternehmen der deutschen Dax-Familien rückläufig ist.

Frauenanteil: Wachstum verlangsamt sich

"Die Analyse zeigt ein ambivalentes Bild: Während einzelne Unternehmen Parität im Vorstand erreichen und der Frauenanteil insgesamt auf hohem Niveau bleibt, verliert die Entwicklung an Dynamik", sagt RRA-Experte Jens-Thomas Pietralla. Der internationale Vergleich, die Machtverteilung in den Vorständen sowie die kürzere Verweildauer von Frauen in den Gremien machen deutlich, dass eine strukturelle Gleichstellung in den deutschen Vorstandsetagen weiterhin nicht erreicht sei.

Seit 2021 gilt die im "Zweiten Führungspositionengesetz" (FüPoG II) festgelegte Frauenquote für Vorstände. Bei börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Firmen mit mehr als 2.000 Beschäftigten und mehr als drei Vorstandsmitgliedern muss bei Neubesetzungen darauf geachtet werden, dass mindestens eine Frau im Vorstand sitzt. Andere börsennotierte oder mitbestimmte Unternehmen, die nicht unter die Mindestvorgabe fallen, müssen es begründen, wenn sie ihren Vorstand ohne Frauen planen - wenn sie also eine "Zielgröße Null" in ihren Berichten angeben. Geschieht das nicht, drohen Bußgelder.

Aktuelle Zahlen zum Frauenanteil in Vorstand und Aufsichtsrat

Verschiedene Studien verfolgen seit Jahren die Entwicklung der Frauenanteile in Führungspositionen. Das DIW Berlin analysiert in seinem "DIW Managerinnen-Barometer" seit 2010 jährlich die Frauenanteile in den 200 umsatzstärksten deutschen Unternehmen. Die Personalberatung RRA betrachtet in ihrer "Dax- und MDax-Vorstandsstudie" die 90 börsennotierten deutschen Unternehmen der beiden Indices. Jährlich veröffentlicht zudem "Fidar – Die Initiative für mehr Frauen in die Aufsichtsräte" ihren "Women-on-Board-Index". Hier stehen die Frauenanteile in den Aufsichtsräten im Fokus, betrachtet werden aber auch die Quoten in den Vorständen.

Weniger Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten

Nach den Zahlen des aktuellen Women-on-Board-Index (Stand Januar 2026) stagniert der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 182 untersuchten Unternehmen bei 37 Prozent. Auf Vorstandsebene ist die Zahl der Frauen rückläufig. Insgesamt sank der Anteil weiblicher Vorstände auf 19,2 Prozent und liegt deutlich unter dem Spitzenwert aus dem Januar 2025 (20,6 Prozent).

"Waren in den vergangenen Jahren die Unternehmen des Dax-40 die Treiber des höheren Frauenanteils, treten die Unternehmen im Leitindex der Deutschen Börse nun auf die Bremse", bewertet Fidar-Gründungspräsidentin Monika Schulz-Strelow die Zahlen. "Das Ziel bleibt eine paritätische Besetzung der Führungsgremien. Es stehen genügend qualifizierte Frauen für Aufsichtsräte und Vorstände bereit."

Der Index macht deutlich, dass die verpflichtenden Quoten Wirkung zeigen. So ist der Frauenanteil in den 100 Unternehmen, die unter die Quote fallen, mit 39 Prozent in den Aufsichtsräten und 23 Prozent in den Vorständen weiterhin deutlich höher als bei den 82 Unternehmen, für die nur eine freiwillige Selbstverpflichtung ohne verbindliche Zielsetzung gilt (Aufsichtsräte: 32 Prozent, Vorstände: 14 Prozent). "Die bisherigen gesetzlichen Maßnahmen haben gewirkt – sie gelten aber für viel zu wenige Unternehmen", kritisiert Fidar-Präsidentin Prof. Dr. Anja Seng.

Frauenteil stagniert: Delle oder Rückschritt?

Laut DIW Managerinnen-Barometer (Stand: Januar 2026) ist die positive Entwicklung der vergangenen Jahre auch mit Blick auf die 200 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands 2025 nahezu zum Stillstand gekommen. Seit 2017 ist der Frauenanteil in den Vorständen in dieser Gruppe jedes Jahr um mindestens rund einen Prozentpunkt gestiegen. Besonders stark war der Anstieg mit gut drei Prozentpunkten von 2020 auf 2021. 2025 liegt der Anteil an weiblichen Vorständen mit 25 Prozent nun erstmals wieder auf Vorjahresniveau.

In den Aufsichtsräten der Top-200-Unternehmen in Deutschland gab es im Spätherbst 2025 mit 739 zwar 25 Aufsichtsrätinnen mehr als im Vorjahr. Da die Zahl der Mandate insgesamt jedoch zunahm, stieg der Frauenanteil nur leicht auf 34 Prozent.

Seit der erstmaligen Veröffentlichung des DIW Managerinnen-Barometers im Jahr 2006 sind die Frauenanteile in den Top-Etagen deutscher Unternehmen stark gestiegen. Betrug beispielsweise der Anteil der Vorständinnen in den 200 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland im Jahr 2006 nur gut ein Prozent, waren es im Spätherbst 2025 knapp 19 Prozent. Ob die aktuell beobachtete Stagnation lediglich eine leichte Delle im längerfristigen positiven Verlauf oder aber eine Trendumkehr darstellt, lässt sich laut DIW-Expertin Katharina Wrohlich noch nicht beurteilen. Grund zur Sorge sei jedoch, dass zuletzt auch bei anderen wichtigen Indikatoren wie dem Gender Pay Gap eine Stagnation zu beobachten gewesen sei.


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