Frauenanteil Aufsichtsrat, Vorstand, Führungspositionen 2019

Die Geschlechterquote für Aufsichtsräte zeigt Wirkung, hat aber keine Strahlkraft auf die Vorstände. Diese bleiben weiterhin eine Männerdomäne. Zu diesem Ergebnis kommen die neuen Analysen der Frauenanteile in Führungspositionen von DIW, EY und Fidar. Ein Überblick über die aktuellen Zahlen. 

Verschiedene Studien verfolgen seit Jahren die Entwicklung der Frauenanteile in Führungspositionen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin analysiert in seinem „DIW Managerinnen Barometer“ seit 2010 jährlich die Frauenanteile in den 200 umsatzstärksten deutschen Unternehmen. Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) betrachtet in ihrem „Mixed Leadership Barometer“ halbjährlich die 160 börsennotierten deutschen Unternehmen (DAX, MDax, SDax). Ebenfalls jährlich veröffentlicht der Verein Fidar – Frauen in die Aufsichtsräte e.V. (Fidar) ihren Women-on-Board-Index. Hier stehen die Frauenanteile in den Aufsichtsräten im Fokus, betrachtet werden aber auch die Quoten in den Vorständen.

Alle drei Studien kommen im Januar 2019 zum gleichen Fazit: Die gesetzliche Geschlechterquote für Aufsichtsräte zeigt - drei Jahre nach ihrer Einführung - Wirkung. (Zum Hintergrund: die verbindliche Quote von 30 Prozent Frauen im Aufsichtsrat gilt für alle börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen). Sie hat aber nicht die erhoffte Strahlkraft auf die Vorstände. Dort steigt der Frauenanteil nur geringfügig an und liegt weiterhin auf einem Niveau von unter zehn Prozent.

Frauenanteil in Aufsichtsräten: Der Druck durch die Quote wirkt

Der durchschnittliche Frauenanteil in Aufsichtsräten der derzeit 187 im Women-on-Board-Index von Fidar untersuchten Unternehmen sprang 2018 erstmals knapp über die 30-Prozent-Marke auf 30,3 Prozent. Für 103 dieser Unternehmen gilt die gesetzliche Geschlechterquote, die übrigen 84 Unternehmen sind zwar börsennotiert, aber nicht paritätisch mitbestimmt. Letztere hinken bei der Entwicklung des Frauenanteils deutlich hinterher. Bei den nicht der Quote unterliegenden 84 Unternehmen liegt der Frauenanteil im Aufsichtsrat nur bei 23 Prozent.

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„Der Frauenanteil steigt vor allem in den wenigen Unternehmen, die der Quote unterliegen. Eine Ausweitung der festen Quote wäre ein wichtiger Schritt, um die Stärkung der gleichberechtigen Teilhabe in der Wirtschaft weiter zu beschleunigen“, erklärt Fidar-Präsidentin Monika Schulz-Strelow. „Der Druck der Quote wirkt. Wo die Quote nicht gilt, fällt die Entwicklung ernüchternd aus.“

Das DIW weist im aktuellen DIW-Managerinnen-Barometer außerdem darauf hin, dass die Unternehmen mit Quotenbindung ihre Anstrengungen offenbar deutlich zurückfahren, sobald sie die 30-Prozent-Marke erreicht haben. „Viele Unternehmen sind auf einem guten Weg, wenn es um mehr Frauen in Aufsichtsräten geht – andererseits tun die meisten jedoch nicht mehr als nötig“, sagt Elke Holst, DIW-Forschungsdirektorin für Gender Studies.

Erstmals Sanktionen bei nicht erfüllter Quote

Geprägt war das Jahr 2018 durch den ersten Fall der Sanktion des leeren Stuhls, in dem ein Unternehmen den Aufsichtsrat nicht wie gesetzlich vorgegeben mit 30 Prozent Frauen besetzen konnte. Bei der Villeroy & Boch AG blieb ein leerer Stuhl, weil die Arbeitnehmerseite nicht wie erforderlich zwei Frauen für das Kontrollgremium benannt hatte. Erst nach drei Monaten wurde eine weitere Frau gerichtlich in den Aufsichtsrat bestellt, sodass das Gremium die Quote erreichte.

„Es ist bemerkenswert, dass die Quote in drei Jahren nur von einem einzigen Unternehmen nicht erfüllt wurde. Das heißt, Sanktionen zeigen Wirkung. Es wird außerdem deutlich, dass es genügend qualifizierte Frauen für die verantwortungsvollen Positionen in den deutschen Aufsichtsräten gibt“, bilanziert Fidar-Präsidentin Schulz-Strelow. „Gleiches gilt auch für die Vorstände. Dass der Anstieg hier weiterhin nur in Kleinstdosierung erfolgt, ist ein Armutszeugnis auch für die Aufsichtsräte, da sie über die Vorstandsbesetzungen entscheiden.

Freiwillige Frauenquote für Vorstände: Unternehmen sind wenig ambitioniert

Mit der Geschlechterquote für Aufsichtsräte war von Anfang an die Hoffnung verbunden, dass damit auch die Frauenanteile in den Vorständen steigen würden. Diese Entwicklung blieb allerdings laut den aktuellen Zahlen bisher aus. „Auffällig ist, dass die verbindliche Geschlechterquote zumindest kurzfristig keine Strahlkraft auf die Vorstandsebene ausübt – diese bleiben Männerdomänen,“ sagt Katharina Wrohlich, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe Gender Studies am DIW Berlin.

Eine feste Geschlechterquote gilt nur für Aufsichtsräte von börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen (siehe oben). Allerdings sieht das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen vor, dass sich die weiteren ca. 3.500 börsennotieren oder mitbestimmten Unternehmen freiwillige Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und obersten Managementebenen setzen. Für den Fall der Nichterfüllung sind allerdings keine Sanktionen vorgesehen, zudem ist die Zielgröße Null zulässig – was viele Unternehmen ausnutzen.

Frauenanteil in den Vorständen der 160 börsennotierten Unternehmen

Der Anteil von Frauen in den Vorstandsetagen der Dax-, M-Dax- und S-Dax-Unternehmen ist im vergangenen Jahr zwar erneut gestiegen, liegt aber immer noch auf niedrigen 8,6 Prozent, so die Analyse von EY. In den 160 Konzernen arbeiteten zum Stichtag 1. Januar 2019 insgesamt 61 Frauen in den Vorstandsgremien – das sind elf Frauen mehr als noch vor einem Jahr und sechs mehr als zur Jahresmitte 2018. Im vergangenen Jahr ist allerdings auch die Zahl der männlichen Vorstände gestiegen: um zwölf auf 650. In absoluten Zahlen wuchs die Zahl der männlichen also stärker als die Zahl der weiblichen Vorstände.

67 Prozent der Vorstandsgremien sind ausschließlich mit Männern besetzt. Immerhin: Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil der Unternehmen, die wenigstens ein weibliches Vorstandsmitglied beschäftigen, von 27 auf 33 Prozent. Weiterhin eine absolute Ausnahme sind allerdings Unternehmen mit mehr als einem weiblichen Vorstandsmitglied: Ihre Zahl stieg von sieben auf acht.

Wie im Vorjahr werden derzeit vier Unternehmen von einer Frau als CEO geführt, alle vier sind im S-Dax notiert: DIC Asset, Hamburger Hafen und Logistik, Medigene und Grenke Leasing.

Frauenanteile in den Dax-30-Unternehmen

Mit gutem Beispiel voran gehen nach wie vor die besonders stark im Fokus der Öffentlichkeit stehenden Dax-Unternehmen. Der Frauenanteil bei den 30 im Leitindex gelisteten Unternehmen stieg innerhalb eines Jahres um 2,1 Prozentpunkte auf jetzt 14,5 Prozent. Inzwischen haben 77 Prozent der DAX-Unternehmen – also 23 – mindestens ein weibliches Vorstandsmitglied, vor einem Jahr waren es 21, vor zwei Jahren 17 Unternehmen.

Frauenanteile im M-Dax und S-Dax

Deutlich gestiegen ist auch der Frauenanteil im M-Dax: von 5,5 auf 7,7 Prozent, die Zahl der Frauen im Top-Management stieg von 13 auf 19. Allerdings beschäftigen gerade einmal 27 Prozent der M-Dax-Unternehmen mindestens eine Frau im Vorstand. Wenig hat sich hingegen im S-Dax bewegt: Hier stieg die Zahl der weiblichen Vorstände von 13 auf 14, der Anteil legte marginal von 5,0 auf 5,2 Prozent zu.

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24 Prozent der weiblichen Vorstandsmitglieder verantworten den Bereich Personal

Weibliche Vorstandsmitglieder sind in erster Linie für operative Bereiche ihrer Unternehmen zuständig – etwa für Produktion oder Logistik: 30 Prozent der weiblichen Vorstandsmitglieder tragen Verantwortung für das operative Geschäft, weitere 4 Prozent sind als COO tätig. 24 Prozent der weiblichen Vorstandsmitglieder verantworten den Bereich Personal, 22 Prozent sind als CFO für die Finanzen verantwortlich.


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